Konzertkritik

George Ezra: Ohrwürmer und klangvolles Gurgeln

George Ezra stürmte weltweit die Charts mit seinen Hits. In der Max-Schmeling-Halle begeisterte der Brite die Fans.

Sänger George Ezra steht auf dem Hurricane Festival auf der Bühne. (Archivbild)

Sänger George Ezra steht auf dem Hurricane Festival auf der Bühne. (Archivbild)

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

Berlin. In der britischen Popmusik wimmelt es seit geraumer Zeit von Typen der Marke „lieber netter Junge von nebenan“. George Ezra ist definitiv einer von ihnen und aktuell einer der am besten verkaufenden. Weltweit stürmte Ezra die Charts, seine zwei bislang vorgelegten Alben wurden jeweils für den Titel „British Album Of The Year“ nominiert.

Darauf finden sich Radiohörern vertraute Superhits wie „Budapest“, „Shotgun“ oder „Pretty Shining People“ und mit diesem Material in der Westentasche wickelte er am Montagabend das Publikum in der Max-Schmeling-Halle um den Finger.

George Ezra ist ein Typ zum Gernhaben

George Ezra ist wirklich ein munterer Sunnyboy. Er trägt eine Schwiegersohnfrisur zur Schau, hat noch nicht einmal Tattoos und selbst das Bühnenbild ahmt ein spießiges Wohnzimmer mit Klavier, Grammophon und fransenbehangenen Stehlampen nach.

Ezra erzählt harmlose Anekdoten über seine Reisen nach Südafrika oder Tourneen durch Kalifornien. Wer Rezensionen in anderen Zeitungen über Konzerte in anderen Städten liest, weiß, dass es überall dieselben Sätze sind. Trotzdem bringt er sie so charmant rüber, dass man unverhofft mitlächeln muss.

Zum Beispiel wenn er vor dem entsprechenden Song „Barcelona“ erzählt, wie er dort kein Hotel, sondern eine Airbnb-Mitwohngelegenheit wahrnahm, was den inhaltlichen Grundstein für sein zweites Album „Staying At Tamara’s“ legte. Dass er dieses Wohnen „bei Fremden“ wie eine rechte Verrücktheit verkauft - im Jahr 2019! -, passt wunderbar zu seinem Stino-Image.

Es kommt der heftig beklatschte Song „Pretty Shining People“ mit der einfach zu vermittelnden Textzeile „Don’t We All Need Love - The Answer Is Easy“. Einfache Antworten beziehungsweise Botschaften sind genau Ezras Sache. Lästerzungen würden das schmalzig nennen. Das allein trifft es aber nicht. Seine Kompositionen sind ziemlich ausgewogen und mit einer wohlig volltönenden Stimme versetzt Ezra seinen Liedern unverkennbare Akzente.

Als Kind sang er Bob Dylan nach

Die Resonanz seines Baritons hätte wohl manch ein Bluesmusiker gern. Mitunter kommt Ezras klangvolles Gurgeln gar aus Tiefen, die unvermittelt mehr erahnen lassen, als sein naives Milchgesicht preisgeben will. Immerhin, er hat schon früh und gern Songs von Bob Dylan nachgesungen, und mitunter scheint er ironisch mit dem Publikum zu spielen.

Natürlich nur in dem Maße, das ein kommerzieller Act wie er sich leisten darf. Ansonsten ist alles hochprofessionell durchgetaktet. Sobald die allseits bekannten und strategisch klug positionierten Radiohits erklingen, ist die Halle voll dabei. „Shotgun“ ist in diesem Sinne für das Finale reserviert. Bei etwas weniger bekannten Liedern muss die siebenköpfige Band samt Bläsersektion mit wohlwollendem Zuhören auskommen.

Ezra wurde früh berühmt

Der Durchbruch, dem ihm die BBC 2014 nach der Veröffentlichung seiner ersten EP inklusive des Megahits „Budapest“ vorausgesagt hatte, ließ nicht auf sich warten. Witziger Weise ist das Publikum des heute 25-Jährigen alles andere als 25-jährig. Natürlich gibt es die aufgehübschten jungen Mädels, die auf ihn fliegen. Im Großen und Ganzen aber ist die Altersstruktur ziemlich genau die von Antenne Brandenburg oder Spreeradio. Ob das nun für oder gegen den jungen Briten und wofür überhaupt spricht, darf jeder selbst entscheiden.