Festival-Tipp

Theatertreffen: Die zehn bemerkenswertesten Inszenierungen

Die Inszenierungen setzen ästhetisch und inhaltlich den Trend der vergangenen Jahre fort.

„Hotel Strindberg“ von Simon Stone eröffnet am heutigen Freitag das Festival im Haus der Berliner Festspiele.

„Hotel Strindberg“ von Simon Stone eröffnet am heutigen Freitag das Festival im Haus der Berliner Festspiele.

Foto: Sandra Then / Sebastian Hoppe

Berlin.  Seit 1963 sichten jedes Jahr jeweils sieben Kritiker etwa 400 Inszenierungen aus dem deutschsprachigen Raum. Zehn davon werden als „bemerkenswert“ eingestuft – neun davon sind seit heute bis zum 20. Mai im Haus der Berliner Festspiele, dem Deutschen Theater, dem HAU 1, den Sophiensaelen und in der Volksbühne gezeigt. Auffällig ist die große formale Vielfalt, die von postdramatischen Performances bis zu den großen Literatur- und Bühnenklassikern reicht.

Aber selbst diese werden äußert spielerisch in Szene gesetzt, wie Yvonne Büdenhölzer betont, die seit 2012 für die Leitung des renommierten Theatertreffens verantwortlich ist. „Da, wo literarische Texte als Grundlage dienen, werden diese oftmals zeitgenössisch überschrieben oder unterschiedliche Erzählungen, Geschichten und Personenkonstellationen zu einem neuen Werk verwoben“, betont die Leiterin.

Dies gelte beispielsweise für Simon Stones „Hotel Strindberg“ (Burgtheater/Theater Basel, 3. u. 5.5.) oder Christopher Rüpings „Dionysos Stadt“ (Münchner Kammerspiele, 11.5.). Das Marathon-Stück um Figuren der griechischen Antike wie Prometheus, Achill, Kassandra, Elektra und Odysseus toppt mit zehn Stunden sogar noch Frank Castorfs „Faust“, der im letzten Jahr mit sieben Stunden Länge die Konzentration der Zuschauer herausforderte.

Inszenierungen haben hohes Maß an Bildlichkeit

„Darüber hinaus ist ein hohes Maß an Bildlichkeit bei fast allen Inszenierungen augenfällig“, sagt Büdenhölzer. Dabei gehe aber das Schauspielerische keinesfalls verloren, was besonders bei Ulrich Rasches chorischer Inszenierung von „Das große Heft“ (Schauspiel Dresden, 19. u. 20.5.) und bei „Das Internat“ (Theater Dortmund) deutlich werde. Der Abend mit einem Text von Alexander Kerlin und Matthias Seier sorgte mit der expressionistischen Bildsprache des Regie-Stars Ersan Mondtag (auch Bühne und Kostüme) bei Publikum und Kritik für Begeisterungsstürme.

Jedoch wird es beim Theatertreffen nicht zu sehen sein. „Das Stück ist seit Juli 2018 nicht mehr im Repertoire des Schauspiels Dortmund und kann beim Theatertreffen 2019 leider nicht gezeigt werden“, bedauert Büdenhölzer. „Für das Festival stand kein Haus mit entsprechender Drehbühne für einen Zeitraum von sieben Tagen zur Verfügung, die für eine Wiederaufnahme nötig gewesen wären.“

Trend der vergangenen Jahre wird fortgesetzt

Die somit neun „bemerkenswerten“ Inszenierungen und die fünf szenischen Lesungen im Rahmen des Nachwuchs-Dramatiker-Forums „Stückemarkt“ setzen ästhetisch und inhaltlich den Trend der vergangenen Jahre fort. „Thematisch findet man wie in den letzten Jahren eher Vielfalt statt eines großen verbindenden Themas wieder“, sagt Büdenhölzer. „Einzig die Verhandlung von Gemeinschaft zieht sich wie ein roter Faden durch viele Inszenierungen, die auf das Theater als sozialer Ort rückbezogen wird.“

Der Vorverkauf läuft bereits. „Durch die jeweiligen technischen Anforderungen der Gastspiele variiert die Anzahl der verfügbaren Plätze erheblich“, betont die Leiterin des Festivals, aber macht Interessierten trotzdem Mut: „Trotz zeitweise ausverkauften Veranstaltungen lohnt es sich aber immer wieder, nach Restkarten im Webshop zu gucken, telefonisch nachzufragen und es an der Abendkasse eine Stunde vor Vorstellungsbeginn zu versuchen.“

Wer tatsächlich keinen Platz ergattern konnte, darf sich im Foyer des Hauses der Berliner Festspiele die Übertragungen von vier Inszenierungen aus dem großen Saal bei freiem Eintritt ansehen.

56. Theatertreffen 3. bis 20.5., verschiedene Orte, Kartentelefon: 25 48 91 00, www.berlinerfestspiele.de