Kunst

Das Gallery Weekend: Erfolgsgeschichte mit Schattenseiten

35.000 Besucher zog das Wochenende an. Doch die Begeisterung kann den Aderlass der Berliner Galerienszene nicht verdecken.

Das Gallery Weekend: Besucher schauen sich beim Gallery Weekend Berlin Werke von Ernst Wilhelm Nay in der Galerie Aurel Scheibler an. Zahlreiche Galerien luden zu einem Rundgang durch die Berliner Kreativszene ein.

Das Gallery Weekend: Besucher schauen sich beim Gallery Weekend Berlin Werke von Ernst Wilhelm Nay in der Galerie Aurel Scheibler an. Zahlreiche Galerien luden zu einem Rundgang durch die Berliner Kreativszene ein.

Foto: Christoph Soeder / dpa

Seit Freitagabend strömten sie wieder durch die Stadt, die Kunstliebhaber aus aller Welt. Einmal im Jahr kommen sie nach Berlin, wenn die heimischen Galerien zum Gallery Weekend laden. Zum 15. Mal fand es statt. Hochkarätige Sammler aus Europa, den USA und Japan waren angereist, um hier Künstler aus aller Welt zu bestaunen. 35.000 Besucher waren es diesmal, mehr noch als in den letzten Jahren. Im internationalen Kunstkalender ist der Termin nicht wegzudenken – eine Erfolggeschichte! Die internationale Strahlkraft des Wochenendes ist ungebrochen, mit Luft nach oben. In anderen Städten beneidet man die Berliner Kunstszene um diesen Event und versucht ihn zu imitieren.

Internationale Kontaktbörse

Die Galerie Wentrup, die Florian Meisenberg und David Renggli zeigte, soll alles ausverkauft haben. PSM hat Gemälde von Daniel Lergnon an die Sammler gebracht und Dittrich Schlechtriem Werke von Julian Charrière. „Dass so viele Galerien ihre Kräfte bündeln und für die Stadt ein solches Event auf die Beine stellen, finde ich super und macht sich bezahlt“, schwärmt André Schlechtriem von Dittrich Schlechtriem. „Es kommen spürbar mehr internationale Sammer in die Galerie, exzellente Kontakte beispielsweise aus New York und verschiedenen Städten Europas sind zustande gekommen. Einfach der Hammer.“

Ähnlich euphorisch äußert sich Jochen Meyer von der Galerie Meyer Riegger: „Das Gallery Weekend bleibt eines der absoluten Highlights des Kunstjahres! Ausstellungen in dem Kontext von Galerieräumen erfahren zu können, ist ein Erfolgsgarant. Was sich durch die zahlreichen internationalen Besucher und die guten Verkäufe dieses Jahr auch wieder bestätigt hat.“

Viele Galerien mussten schließen

Die hohe Qualität der Galerien in Berlin, die sich seit den 1990er-Jahren hier angesiedelt haben, macht das möglich. Und ihr Investment. Das Wochenende mit einem Dinner für rund 1000 geladene Gästen finanziert sich komplett aus den Beiträgen der Teilnehmer. Die Prominentendichte steigt jedes Jahr und andere Events aus der Mode- und Markenwelt docken an. Doch all der Glamour täuscht über den Aderlass hinweg, den die Berliner Galerienszene in den letzten Jahren erlitten hat.

In diesem Jahr nehmen nur 45 Galerien am Gallery Weekend teil. Regelmäßige Aussteller der letzten Jahre wie Arratia Beer und Supportico Lopez, und vorher schon Joanna Kamm und Micky Schubert sind nicht mehr dabei. Sie und etliche andere Berliner Galerien, die auf den internationalen Messen präsent waren, mussten schließen. Der Berliner Kunstmarkt ist noch zu schwach, auch wenn sich etliche Sammler hier angesiedelt haben und junge Leute beginnen, sich für den Kunstkauf zu begeistern.

Die Galerien sind auf internationale Kaufkraft und die Messen weltweit angewiesen. Doch der Aufwand ist dafür ist hoch: Standgebühren, Reisekosten, Hotels und Transportkosten läppern sich. Gerade die jungen Galerien mittlerer Größe geben auf, der Nachwuchs bricht weg. Damit fehlt vielen Künstler die Plattform zur Präsentation ihrer Kunst.

Wunsch nach Förderung

In diesem Kontext ist auch das eindringliche Plädoyer, das Maike Cruse, Direktorin des Gallery Weekends, kurz vor dem Wochenende abgab, zu lesen: „Wenn Berlin Produktionshauptstandort bleiben will, muss die Stadt den Kunstmarkt und die jungen Galerien fördern. Das wäre auch die beste Künstlerförderung, denn eine Galerie fördert einen Künstler nicht punktuell, sondern ein Leben lang.“