Konzertauftakt

Wildes Holz - „Höhen und Tiefen“

Das Trio Wildes Holz beweist, dass man einer Blockflöte raue Töne entlocken kann.

Wildes Holz

Wildes Holz

Foto: harald_hoffmann / BM

Kaum jemand hätte geahnt, dass man einer Blockflöte raue Töne entlocken kann. Das Trio Wildes Holz belehrt Unwissende zum Konzertauftakt eines besseren. Wenn Tobias Reisige das oft mitleidig belächelte Instrument beim „Moretti Swing“ spielt, dann erschließt sich ein ungeahntes Klanguniversum. Mit Trillern, Glissandos und Tönen, die man so noch nie auf einer Blockflöte gehört hat. Zudem versteht sich Reisige auf Rockstar-Posen.

Genauso wie die Mitstreiter Markus Conrads am Kontrabass, den er phänomenal gleichzeitig rhythmisch schlägt und zupft, und der begnadete Gitarrist Djamel Laroussi. Die Drei verwandeln selbst Ahas schnulzige Popballade „Take On Me“ in einen veritablen Kracher. Blockflöten-Metaller eben.

Exzellente Instrumentalisten

In der Ufa Fabrik bewiesen Wildes Holz mit der Berlin-Premiere ihres fünften Programms „Höhen und Tiefen“ einmal mehr, welch exzellente Instrumentalisten sie sind. Dabei erwartet man Blockflöten, Kontrabass und Gitarre eher beim heimischen Kammermusik-Zirkel hinter verschlossenen Türen. Klingt schließlich zunächst mal völlig unsexy, erweist sich aber live als Sensation. Egal, ob mit minimalistischen Coverversionen wie Madonnas „Like A Virgin“ oder Eigenkompositionen. Man fragt sich, warum Wildes Holz nicht längst auf größeren Bühnen spielen? Da gehören die Virtuosen unbedingt hin. Das Zeug dazu haben sie allemal.

Seit Januar 2019 ist das Trio wieder komplett

Gefunden hat sich die Hartholz-Boygroup aus Recklinghausen während einer Konzertreise 1998 bei einer Hotelzimmer-Session. Die Geburtsstunde der ungewöhnlichsten Akustik-Band des Landes. Doch im letzten Jahr verstarb Gitarrist Anto Karaula. Lange Zeit war nicht klar, wie es mit Wildes Holz weitergeht. Seit Januar 2019 ist das Trio wieder komplett.

Mit Djamel Laroussi stieg nicht einfach nur ein langjähriger Freund ein. Der algerische Ausnahme-Musiker gilt als einer der besten Gitarristen der Welt. Ein Linkshänder, der die Gitarre falsch herum spielt, ohne die Saitenfolge zu ändern. Und der erste Afrikaner, der die renommierte Kölner Musikhochschule absolvierte. Mit seinen federleichten Kompositionen bringt Laroussi aufregende Anleihen der maghrebinischen Musik und afrikanischen Polyrhythmik mit. Unüberhörbar auch sein Faible für Jazz.

Damit passt er bestens in das Klanggefüge des Trios. Tobias Reisige ist schließlich Deutschlands einziger diplomierter Jazz-Blockflötist. An der Loopstation spielt er sich einmal quer durch sein Instrumentarium, von der Sopran- bis zur Subkontrabassblockflöte. Nachdem sich eine Soundschleife über die andere gelegt hat, rockt der Coldplay-Hit „Viva La Vida“ den Saal. Leise und anrührend indes wird es bei Jacques Brels „Ne me quittes pas“. Markus Conrads zupft dabei sanft und melodiös die Mandoline. So anrührend hat man den Chanson-Klassiker noch nie gehört.

Wildes Holz überzeugen einfach in allen Tonlagen.