Klassische Musik

Konzertkritik zum Berliner Orchester unter Iván Fischer

Konzerthausorchester: Die Vor- und Zwischenspiele aus Wagners „Meistersingern“, „Götterdämmerung“ und „Tristan“ wurden sicherer gespielt.

Direktor Ivan Fischer (Archivbild)

Direktor Ivan Fischer (Archivbild)

Foto: Emmanuele Contini / picture alliance

Berlin.  Das Konzerthausorchester unter Iván Fischer eröffnet im Umfeld seines Konzerts mit Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy und Richard Wagner auf allen Kommunikationskanälen die Frage, inwieweit Wagner bei Mendelssohn „geklaut“ oder „geliehen“ habe. Die Frage ist nicht originell.

Wagner bewunderte Mendelssohns Kompositionen, wenn er sich auch durch dessen Interesselosigkeit an seinen Opern später beleidigt fühlte. Da waren Mendelssohns Ideen aber längst in Wagners kompositorischer Poetik aufgegangen – beim Konzert ist dies zum Beispiel bestens beim feinen Übergang vom ersten zum zweiten Satz des Mendelssohnschen Violinkonzerts zu sehen, welcher die Richtung vorzugeben scheint, welche die tollkühnen tonartlichen Modulationen in „Tristan“ oder „Meistersinger“ so manches mal nehmen.

Unbestrittene Autorität

Das Violinkonzert spielt Frank Peter Zimmermann, im romantischen Geigenrepertoire seit über 30 Jahren zurecht eine unbestrittene Autorität. Doch auch ein Zimmermann kennt an diesem Abend Momente – wie etwa die Eröffnung des Themas –, die zwar tonlich schön, aber nicht ganz frei klingen. Diese Freiheit erlangt der 54-Jährige jedoch schnell, die Geige entfaltet einen körperlicheren, kernigeren Ton als zu Beginn.

Das Konzerthausorchester hat zuvor bereits ein eher unbekanntes Stück des jungen Mendelssohn dargeboten, das dieser als Übung ansah und nicht veröffentlicht wissen wollte: eine am barocken Concerto grosso geschulte „Sinfonia“ für Streichorchester in g-moll.

Fischer und seine Musiker wollen sich hier nicht so recht zwischen romantischem Aufrauschen – neun Kontrabässe immerhin stehen bereit – und der feingliedrigen rhetorischen Phrasierung des barocken Zeitalters entscheiden. Hieran hätte man gründlicher proben können.

Die Vor- und Zwischenspiele aus Wagners „Meistersingern“, „Götterdämmerung“ und „Tristan“ sind sicherer gespielt, gelingen in plastischer Dreidimensionalität.