Wühlmäuse

LaLeLu sind zum Wegwerfen komisch

Mit kabarettistischer Vokalmusik, virtuosem Satzgesang und pointierten Promi-Parodien begeistert das A-Cappella-Quartett das Publikum.

Das Quartett LaLeLu

Das Quartett LaLeLu

Foto: BM

Berlin.  Gerade noch war das ganz große Stadion-Feeling greifbar. Im wehenden, rabenschwarzen Gothic-Kleidchen sang Sanna Nymann mit expressiver Geste von „Achtsamkeit“. Währenddessen haben ihre drei Bandkollegen im Schnitter-Outfit mit blinkenden roten Augen für einen satten Beat gesorgt. Irgendwo zwischen düsterem Doom Metal und dem schwelgerischen Gesang von Evanescence-Frontfrau Amy Lee. Ein dramatischer Auftritt mit reichlich Bühnennebel und esoterischem Hokuspokus. Und so viel Gefühl, dass einem beinahe schwindelig wird. Doch dann sickert der Songtext ins Bewusstsein ein. Der ist unverschämt witzig und konterkariert jede emotional hochtourige Regung. Denn den Musikern ist nichts heilig. Schon gar nicht das trendige Gerede über Achtsamkeit zwecks Selbstoptimierung. Ihnen sind die Käsebrötchen in der Garderobe wichtiger. Damit kann man zwar keinen Körper stählen, aber es schmeckt.

Auch bei der Berlin-Premiere des nunmehr 15. Programm „Die Schönen und das Biest“ beweist das Hamburger A-Cappella-Quartett LaLeLu in den Wühlmäusen seine musikalische und humoristische Klasse. Bereits seit einem Vierteljahrhundert rocken die hanseatischen Fab Four landauf, landab die Bühnen ganz ohne Instrumente. Die können sie aber jederzeit perfekt mit ihren Stimmen imitieren. Mit kabarettistischer Vokalmusik, virtuosem Satzgesang und pointierten Promi-Parodien gelingt den Vieren in der Regie von Lukas Langhoff auch diesmal eine rundum kurzweilige Show.

Dabei überbieten sich die Sänger schier mit zündenden originellen Einfällen. Was bei dem ziemlich abgegriffenen Thema Männer und Frauen auch dringend geboten ist. Früher mal, wissen sie, war alles einfach. Es gab Schützenfeste, auf denen man zusammenfand. Dann sind alle in die Städte gezogen. Damit begannen die Probleme. Lösungen wie Dating-Portale im Internet sind mit Vorsicht zu genießen. Dort treiben Typen mit Profilnamen wie „Grabulator 22“ ihr Unwesen. Um online dennoch den Traumpartner zu finden, haben LaLeLu einen Experten eingeladen: Elvis schmalzt seinen Hit „Love Me Tinder“, vollgepackt mit Tipps zur Partnerschaftsanbahnung.

Egal, ob Jazz, Swing, Funk, Rock oder Pop, die studierten Opernsänger haben für jede Gelegenheit den passenden Song auf den Lippen. Ein Höhepunkt des Abends ist die Kurz-Oper „Der Bierkönig“. Mit einem Libretto von Ballermann-Schlagerstar Mickie Krause. Dessen schlichte Reime singen Jan Melzer, Tobias Hanf, Frank Valet und Sanna Nymann im pompösen Melodiengewand von Mozart bis Strauß. Zum Wegwerfen komisch. Schön, dass LaLeLu im Juni noch einmal Station in der Ufa Fabrik und im November im Kabarett-Theater Distel machen. Bei ihren Shows wird man nämlich nur zu gern zum Wiederholungstäter.