Ausstellung

Der Gropius Bau zeigt Ikonen der Modefotografie

Die Schönheit der schwarzen Frau: Die Ausstellung „The Black Image Corporation“ in Kreuzberg

Kontaktabzüge für das Modemagazin „Ebony“

Kontaktabzüge für das Modemagazin „Ebony“

Foto: Fondazione Prada / Delfino Sisto Legnani and Marco Cappelletti

Im zimtfarbenen Abendkleid und extravaganter Weste mit ausladendem Federkragen empfängt ein Model die Besucher im Gropius Bau. Das Bild von Moneta Sleet (1926-1996) von 1965 verströmt Eleganz, Stil und Glamour, eine Modefotografie, die gut und gerne auf dem Titelbild der „Vogue“ hätte erscheinen können. Nur dass ein schwarzes Model auf dem Cover von Zeitschriften, die sich vornehmlich an Weiße richteten, noch bis 1974 ein Tabu war.

Das Foto erschien in der Zeitschrift „Ebony“, die sich seit 1945 ausschließlich an ein schwarzes Publikum richtet. Das Magazin wird monatlich von der Johnson Publishing Company herausgebracht, zusammen mit der wöchentlich erscheinenden Illustrierten „Jet“ im Handtaschenformat. Seit den 50er-Jahren trugen beide entscheidend zum Selbstbewusstsein innerhalb der afroamerikanischen Kultur bei.

Ein Versuch, sichtbar zu werden

Über vier Millionen Bilder umfasst das Fotoarchiv des Chicagoer Verlagshauses. Der US-Künstler Theaster Gates, Jahrgang 1973, hat daraus die Ausstellung „Black Image Corporation“ entwickelt. Sie konzentriert sich auf wenige Arbeiten der beiden wichtigsten Fotografen Isaac Sutton (1923-1995) und Moneta Sleet (1926-1996) aus den 60er- und 70er-Jahren. Diese schufen Ikonen afroamerikanischer Modefotografie und zelebrierten damit die Schönheit der schwarzen Frau.

„Wenn Afroamerikaner früher Magazine durchblätterten, stießen sie immer nur auf die Welt der Weißen. Mit ‚Ebony’ und ‚Jet’ wurde erstmals ihr Alltag und ihre eigene Kultur zelebriert“, beschreibt die Daisy Desrosiers, Ko-Kuratorin der Ausstellung die Durchschlagskraft der Magazine. Hierzulande werden die Wenigsten sie kennen und erstaunt sein, dass sie bereits in den 1940er- und 1950er-Jahren entstanden, lange vor der Civil Rights Bewegung, vor schwarzer Pop Kultur und vor den populären Blaxploitation-Filmen.

In der Ausstellung sind wenige großformatige Bilder der beiden Starfotografen zu sehen, und über 100 kleinere Bildtafeln in hölzernen Archivboxen. Mit weißen Handschuhen lassen sich die Tafeln herausziehen, über einem Leuchtkasten kann man Negative durch eine Lupe betrachten. In einer Vitrine befinden sich weitere kleinformatige Bilder im Registerkartenformat. Sie zeigen Alltagsituationen und Berühmtheiten schwarzer Kultur. Meistens sind es Frauen: beim Frisör, in der Musikstunde, auf Demonstrationen. Dazwischen Schauspieler und Models, Stars wie Pam Grier und Grace Jones.

Mode und Haute Couture stehen im Vordergrund der Ausstellung, die in Kooperation mit Fondazione Prada in Mailand entstanden ist. Für die schwarze Mittelschicht wurde Mode zu einem Mittel, ihren Wohlstand und Erfolg zu unterstreichen – ein durchaus politisches Statement.

Es ging nicht nur um Mode

Allerdings täuscht der Fokus der Schau auch darüber hinweg, dass die Zeitschriften keineswegs ausschließlich als Modemagazine angelegt waren und sich auch nicht allein an schwarze Frauen richteten. Themen wie Alltag, Reisen, Politik und Porträts diverser Persönlichkeiten aus den unterschiedlichsten Bereichen wurden verhandelt und zeigten ein facettenreiches Bild des Afro-American Way of Life. Sie sprachen alle Schwarzen an und hatten für sie den Stellenwert des „Live“-Magazins im übrigen Amerika. Die Titelblätter der in Vitrinen ausgelegten Ausgaben von „Ebony“ und „Jet“ kündigen Texte über den ersten schwarzen Abgeordneten im Kongress oder die Frau hinter Martin Luther King an.

Warum überhaupt ein Archiv ins Museum bringen? „Spannend für mich ist dabei nicht die Vergangenheit, sondern was so ein Archiv für uns heute in Berlin, der internationalsten Stadt Deutschlands, bedeuten kann“, sagt Stephanie Rosenthal, Direktorin des Gropius Baus. Black is Beautiful ist die Botschaft der Ausstellung mit ihrem Fokus auf den Frauen und Mode. Das ist durchaus politisch zu verstehen. „Schwarze Körper wurden oft im Kontext von Kriminalität und Gewalt zur Schau gestellt“, sagt Daisy Desrosiers. „Mit der Schönheit schwarzer Frauen wurde ein Gegenbild geschaffen.“

Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstr. 7, Kreuzberg. Tel.: 254860. Mi-Mo 10-19 Uhr, Di geschlossen. Bis 28. Juli.