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Ennio Marchetto im Tipi als lebender Comicstrip

Starauflauf in Berlin: Mit rund 50 blitzschnellen Kostümwechseln überrascht Ennio Marchetto im Tipi.

Ennio in der Verkleidung als Karl Lagerfeld

Ennio in der Verkleidung als Karl Lagerfeld

Foto: Ennio

Jetzt endlich ist es raus: Helene Fischer ist eine Inkarnation von Darth Vader. Ennio, der venezianische Meister der Verwandlung, hat die Wahrheit nun ans Licht gebracht. Gerade noch gibt er mit einem zweidimensionalen Pappkostüm den Star-Wars-Bösewicht. Plötzlich verwandelt er sich durch wenige Handgriffe in die deutsche Schlager-Queen mit quietschblonder Flachperücke und schmettert im Vollplayback-Modus mit roten Lippen den Mega-Hit „Atemlos durch die Nacht“. Danach erschöpft, greift Helene zur Maske – und klingt beim Atemholen wie Darth Vader.

Mit rund 50 blitzschnellen Kostümwechseln überrascht Ennio Marchetto im Tipi als lebender Comicstrip bei der Berlin-Premiere seiner neuen Show „The Living Paper Cartoon Vol. 2“. Ganz auf Berlin zugeschnitten, präsentiert der 59-jährige Verwandlungskünstler eine German Edition seiner rasanten Revue. Neben internationalen Ikonen des Showbusiness wie Lady Gaga oder Adele sind auch zahlreiche deutsche Stars mit von der Partie, wenn sich Ennio mittels seiner genialen Papierkreationen in Berühmtheiten verwandelt. Seine Zarah Leander etwa mutiert dabei durch raffinierte Zieh- und Klappmechanismen zur Marlene Dietrich. Aus der dann auf wundersame Origami-Weise die schrille Nina Hagen wird.

Eine Show für das deutsche Mitklatsch-Gen

Auch der Soundtrack ist gewohnt mitreißend. Bei Ennios klampfendem Reinhard Mey singt das Publikum unaufgefordert „Über den Wolken“ mit. Bei DJ Ötzi ist das deutsche Mitklatsch-Gen gar nicht mehr zu halten. Aber auch Rammstein, Heino und Marianne Rosenberg werden frenetisch gefeiert.

Ennio hat die urkomische Promi-Parade mit dem niederländischen Co-Regisseur und Co-Designer Sosthen Hennekam ersonnen und inszeniert. Die gut 90-minütige Show mit flüchtigen Metamorphosen ist weit mehr als ein bloßer Starschnitt-Reigen. Ennio beseelt die Prominenz aus Pappe und Papier mit virtuosem schauspielerischen, pantomimischen und tänzerischen Können. Mehr noch: Er parodiert die Macken der bunten Geschöpfe. Mal mit ausgesuchter Gemeinheit, mal mit liebevollem Blick. So wirkt seine winzige, expressive Edith Piaf fast autistisch beim Versuch, das Publikum zu ignorieren.

Er verfügt über ein Repertoire von 250 Rollen

Die Idee zu seinen Papierkostümen hatte Ennio beim Auspacken von Espressomaschinen im Geschäft seines Vaters. In den Achtzigern kreierte er eine erste „Paper Marilyn“. Mittlerweile haben mehr als eine Millionen Zuschauer seine preisgekrönten Shows in über 70 Ländern gesehen. Heute verfügt er über ein Repertoire von 250 Rollen. Dazu gehören Musiker, Politiker, historische Persönlichkeiten oder gekrönte Häupter wie die Queen. Die verwandelt sich mit vorstehendem Gebiss in Freddie Mercury, der „I Want To Break Free“ singt.

Am Ende nach einer absoluten körperlichen Höchstleistung fällt das letzte Blatt und Ennio kommt im zweifarbigen Body zum Vorschein. Der Meister einer einzigartigen Illusion verneigt sich vor einem tobenden Saal.

Tipi am Kanzleramt, Große Querallee, Tiergarten, Tel. 3906 6550, 18.-20.4. um 20 Uhr, 21.4. um 19 Uhr