Serien-Finale

Ein Hauen und Stechen? Die letzte Staffel „Game of Thrones“

Ab Montag wird die letzte Staffel der Kultserie „Game of Thrones“ gesendet. Wird die Kultserie all die Erwartungen der Fans erfüllen?

Game of Thrones- Der Trailer zur achten Staffel

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Götterdämmerung bei „Game of Thrones“: Der zweite Trailer zum Auftakt der finalen achten Staffel lässt Düsteres erahnen. Die Kamera schweift über das zerstörte Winterfell, die Festung im Nord, ein Chaos nach der Schlacht, mit Waffen auf dem Boden, darunter das blutdurchtränkte Schwert von Jon Schnee. Sollten am Ende der Kultserie womöglich alle Helden dahingerafft sein?

Schon vorab verplapperte sich Maisie Williams, die Darstellerin der Arya Stark, in der „Tonight Show“ von Jimmy Fallon, dass sie in der zweiten Folge sterben werde. Worauf sie schnell „April, April“ sagte – die Talkshow lief tatsächlich am 1. April.

Aber selbst auf die Aussagen der Darsteller darf man sich ja nie verlassen. Als Jon Schnee am Ende der fünften Staffel starb, verkündete dessen Darsteller Kit Harington, seine Figur sei definitiv tot. Jon Schnee kehrte dennoch zurück – und rückte als Untoter sogar zu einer Schlüsselfigur auf. Es gilt also eigentlich nur eines: Auf alle Prognosen und Prophezeiungen kann man getrost pfeifen.

David Benioff und D. B. Weiss, die Macher der Serie, wissen genau, mit welcher Ungeduld die weltweite Fangemeinde auf die letzte Staffel wartet. Die Dreharbeiten fanden unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt, sogar Drohnen musste man abwehren, mit denen Unbefugte Einblick in die Szenen gewinnen wollten. Und Schauspieler sollen gar an Fake-Drehorte gereist sein, nur um abzulenken und die Fans zu verwirren.

Die einzige Gewissheit ist die, dass die erste Folge der achten Staffel in Deutschland in der Nacht von Sonntag auf Montag um Punkt drei Uhr ausgestrahlt wird, zeitgleich zum Serienstart in den USA, dort zur Hauptsendezeit.

Danach gibt es häppchenweise jeden Montag eine neue Folge. Nichts da mit Binge Watching, also mit am Stück gucken bis zum Umfallen. Um das Feuer so lang wie möglich lodern zu lassen, kehrt man zu fast schon archaisch anmutenden Sendeterminierungen zurück.

Keiner hätte das voraussehen können, als die Verfilmung von George R. R. Martins Fantasysaga „Das Lied von Feuer und Eis“ am 17. April 2011 erstmals auf Sendung ging. Im Gegenteil. Ein erster Pilotfilm musste 2010, nach dreijähriger Vorbereitung, zu 90 Prozent neu gedreht werden, mit einem neuen Regisseur. Und der damals völlig unbekannten Elisa Clarke, die Tamzin Merchant (aus „Die Tudors“) als Drachenkönigin Daenerys Targaryen ersetzte.

Leitschock: In jeder Staffel stirbt ein Liebling

Auch als die erste Staffel anlief, wurde sie noch lange als „Tolkien mit Sex“ belächelt – weil es von dem genauso explizite Szenen gab wie vom Morden und Schlachten.

Und doch hat sich die HBO-Serie nach und nach zum Quotenhit entwickelt. Denn von Anfang an war zu sehen, dass hier mit Budgets gedreht wurde, die man sonst nur für Kinoblockbuster ausgab. Und zum Leitschock wurde der Fakt, dass in jeder Staffel ein paar Lieblinge aus der Serie hinweggerafft wurden.

Die ersten drei Staffeln der Saga um Drachen, Schlachten, Inzest und die Gier auf den Eisernen Thron wurden Kult, der Preisregen bei den Emmys fast schon zum Ritual. Aber dann begann die Serie auf der Stelle zu treten, stolperten die Figuren nur noch von einer Odyssee in die nächste. Irgendwann mochte selbst der treueste Fan nicht glauben, dass sich die diversen Thronanwärter aus den unterschiedlichsten Weltregionen je aufeinander treffen sollten. Zumal ja auch der Vorlagenautor, immerhin 70 Jahre alt, je mit seinen letzten Bänden fertig wird. Die bleibt er nach wie vor schuldig. Und schreibt dagegen lieber an einer Vorgeschichte.

Schon bei Staffel 7 konnten die Serienmacher auf keine Buchvorlage mehr zurückgreifen. Das hat sie aber eher ermutigt, die Handlung selbst beherzt voranzutreiben. Zum Ende der Staffel – gemeiner Cliffhanger! – standen sich nun wirklich mal alle Antagonisten gegenüber. Und dann rissen auch noch die Untoten die Große Mauer im Norden ein, um der Welt den Garaus zu machen.

Die längste Schlachtensequenz der Geschichte

Die achte Staffel, so viel erfährt man immerhin, wird die kürzeste sein und kommt mit gerade mal sechs Folgen aus. Jede Folge aber soll gut 15 Millionen Dollar gekostet haben, das wäre dann die teuerste Serie, die je produziert wurde.

Zwei Folgen sollen dabei fast Spielfilmlänge haben. Man hört auch schon von der längsten Schlachtsequenz der ganzen Film- und Fernsehgeschichte. Aber so sehr die Fans begierig darauf lauern, wie es denn nun weiter gehen wird, so sehr haben sie Angst davor, dass danach definitiv Schluss ist. Kann man all den Erwartungen, die sich da aufstauen, überhaupt je gerecht werden?

So oder so: „Game of Thrones“ hat neue Standards gesetzt und das derzeit grassierende Serien-Fieber entscheidend mit vorangetrieben. Als die Serie startete, hat sich der Streamingdienst Netflix gerade erst aufgebaut. Jetzt, zum Ende, ist die alte, tradierte Film- und Fernsehbranche in ihren Grundfesten erschüttert. In der Zwischenzeit wurden auch hier Wälle eingerissen, dringen auch hier neue Mächte in scheinbar gesichertes Terrain vor. Dass die alte, bekannte Welt zu verteidigen ist, scheint allerdings Fantasy.

(ZDR)