Fantasy Filmfest

Hier wird Teenie-Star Zac Efron zum Massenmörder

Zehn Filme an zwei Tagen: Bei den Fantasy Filmfest Nights schauen wir unter anderem in die seelischen Abgründe harmloser Menschen.

Harmlose Fassade: Zac Efron spielt Serienmörder Ted Bundy.

Harmlose Fassade: Zac Efron spielt Serienmörder Ted Bundy.

Foto: Brian Douglas / Fantasy Filmfest

Kann dieser Junge tatsächlich böse sein? „Du siehst aus wie Marilyn Monroe“, sagt der gut aussehende Ramón (Chino Darin) zu seinem Freund Carlitos (Lorenzo Ferro). Tatsächlich gleicht der 17-Jährige einem Engel: lange, blonde Locken, unschuldiger Blick, schmale Figur. Dumm nur, dass „El Angel“ ziemlich dumme Gedanken hat.

„Ich bin ein Dieb, ich glaube nicht an das Mein und Dein“, sagt er im Off und steigt seelenruhig in ein fremdes Haus ein. Moral? Fehlanzeige. Hey, schließlich befinden wir uns im Buenos Aires des Jahres 1971, die Haare sind lang, die Jeans weit, die unterschwellige Homoerotik stets präsent, und aus dem Off quäken entspannt die „Doors“.

Bald schon fühlen sich Ramon und Carlitos wie Che Guevara und Fidel Castro: Aus kleinen Diebeszügen werden bald schwere Einbrüche, schließlich gibt es erste Tote. Am Ende stehen in Carlitos Vita unter anderem: elf Morde, ein Mordversuch, 17 Überfälle und eine Vergewaltigung.

Regisseur Luis Ortega hat in „The Angel/El Angel“ die wahre Geschichte des größten argentinischen Serienkillers Carlos Robledo Puch zu einer entspannten Moritat über die Erotik des Verbrechens gemacht, eine poppige Zeitreise in eine morallose Zeit und in die Abgründe eines Serienmörders, der wie Patrick Bateman in „American Psycho“ seine Umwelt perfekt zu täuschen vermag.

Ein Film also wie gemacht für die Fantasy Filmfest Nights, die am 13. und 14. April im Cinestar Sony Center laufen.

Wenn Britney Spears auf Sigmund Freud trifft

Zehn Filme sind an den beiden Tagen in Originalversion zu sehen, und wie immer beim Fantasy Filmfest (ob bei den Nights im Frühjahr oder dem großen Festival im Spätsommer) herrscht eine große Spannbreite. Vom Okkult-Thriller aus der lateinamerikanischen Sagenwelt („The Curse of La Llorana“, produziert von „Saw“-Regisseur James Wan) über eine durchgedrehte Sci-Fi-Komödie aus Australien („Nekrotronic“, mit Monica Bellucci als Ober-Teufelin) bis zum knallbunten Psychotrip durch das Unterbewusstsein eines Psychotherapeuten in der ungarischen Animation „Ruben Brandt, Collector“ (voller Zitate von Sigmund Freud bis Britney Spears!) sind der, nun ja, Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Mel Gibson, Mickey Rourke und Monica Bellucci in ungewöhnlichen Rollen

Bemerkenswert dabei ist dieses Jahr die hohe Dichte an Stars in diesen Genrefilmen. Teuflisch grinst ein blondierter Mickey Rourke mit wilder Haartolle in der Rahmenhandlung des Episodenfilms „Nightmare Cinema“ als Filmvorführer diverser Schauergeschichten.

Ein schnauzbärtiger Mel Gibson flucht sich als rassistischer Polizist durch den nihilistischen Thriller „Dragged Across Concrete“ an der Seite von Vince Vaughn, der schon in Regisseur S. Craig Zahlers Vorgängerfilm „Brawl in Cell Block 99“ zu sehen war.

Zac Efron steht vor der Richterbank von John Malkovich

Und nicht zuletzt bestaunen wir Teenie-Star Zac Efron („High School Musical“), der in der Netflix-Produktion „Extremely Wicked, Shockingly Evil And Vile“ als berüchtigter Frauenmörder Ted Bundy vor dem unerbittlichen Richterstuhl von John Malkovich steht: ein netter Nachbar mit sehr vielen Leichen im Keller.

Und da scheint sich bei all der Vielfalt der Themen und Genres doch ein Leitmotiv durch die Fantasy Filmfest Nights zu ziehen. Die Monstrosität des Normalen. Sie kommt auch in dem vertrackten südkoreanischen Mysterythriller „The Witch: Part 1 - The Subversion“ auf gefährlich leisen Sohlen daher. Nicht so nonchalant wie in „The Angel“, nicht so sarkastisch wie in „Extremely Wicked“, sondern eher hinterhältig.

Rachefeldzug eines Teenagers

Und zwar in Form der schönen 18-jährigen Ja-Yoon (Kim Da-Mi), die zehn Jahre lang ein harmloses Leben auf dem Lande bei ihren Eltern geführt hat, bis sich die Geschichte langsam und unaufhaltsam zu einem Ein-Frauen-Rachefeldzug entwickelt, bei dem es um Menschenversuche, perfekte Killer und eine verlorene Kindheit geht.

Nicht immer nachvollziehbar fürwahr, mit gewöhnungsbedürftiger Dramaturgie sicherlich (allein der Showdown dauert 50 Minuten in dem Zweistünder).

Aber wer am Anfang jenes Girlie erlebt, das vor dem Casting zu einer landesweiten TV-Show nervös kichert, mag nicht glauben, dass sich selbiges am Ende zur titelgebenden Hexe entwickelt, in der die Normalität vom Anfang nur Teil ihres perfiden Plans war.

Und immer wieder verbunden mit der Frage: Kann dieses Mädchen tatsächlich böse sein?