SPK

Mehr Besucher in Berliner Museen

Längere Öffnungszeiten, keine Gebühren: Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz will ihr Angebot besucherfreundlicher gestalten.

In der Staatsbibliothek können Besucher künftig länger lesen.

In der Staatsbibliothek können Besucher künftig länger lesen.

Foto: jörg Krauthöfer

Die Berliner Museen, und mit ihnen die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), sehen sich schon seit einiger Zeit einem besonderen Rechtfertigungsdruck ausgesetzt. Der Zustrom der Touristen wächst seit vielen Jahren, aber die Museen schienen bislang davon nicht besonders stark zu profitieren. Wer nach Berlin fährt, tut das offenbar nicht, um ins Museum zu gehen. Woran liegt das? An der mangelnden Attraktivität des Angebotes, an der Dezentralität der hauptstädtischen Museenlandschaft, an fehlenden Leuchtturmprojekten mit Strahlkraft über Berlin hinaus?

„Margiana“ war die beliebteste Sonderausstellung

Die Gründe mögen vielfältig sein, jedenfalls scheinten gestern veröffentlichte Zahlen in eine neue Richtung zu weisen. Demnach haben die Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz im vergangenen Jahr einen Besucherzuwachs verzeichnen können. Die 16 Sammlungen an 19 Standorten lockten insgesamt 3,793 Millionen Interessierte. 2017 hatte die Zahl noch bei 3,525 Millionen gelegen - ein Anstieg um immerhin knapp 270.000 Besucher.

„Uns fehlen etwa eine Million Besucher durch geschlossene Häuser“, sagte Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen am Dienstag bei der Vorstellung des SPK-Jahresberichts. Geschlossen sind derzeit wegen Sanierungsarbeiten unter anderem die Neue Nationalgalerie und im Pergamonmuseum der Nordflügel und der Pergamonaltar. Erfolgreichste Sonderausstellung im vergangenen Jahr war „Margiana“ mit Kunst aus der Bronzezeit in Turkmenistan im Neuen Museum mit 385.000 Besuchern.

Die meisten Berliner und Touristen zog es wiederum auf die Museumsinsel mit ihren fünf Ausstellungshäusern (2,487 Millionen Besucher). Aber auch das Kulturforum, unter anderem mit Gemäldegalerie und Kunstgewerbemuseum, steigerte die Besucherzahlen gegenüber dem Vorjahr um knapp 20.000 auf insgesamt 476.000 Besuche. Das Museum für Gegenwart im Hamburger Bahnhof zählte im vergangenen Jahr 314.000 Besucher, ein Plus von 8.000 gegenüber dem Vorjahr. Nach Angaben Eissenhauers können die Museen etwa 20 bis 30 Prozent der potenziell erreichbaren Besucher anlocken. Dies entspreche etwa den Werten vergleichbarer Einrichtungen in New York, London oder Paris. Allerdings wolle jeder Museumsdirektor mehr Besucher, „auch wir“, sagte Eissenhauer. Dafür könnte nach Einschätzung des Generaldirektors auch die neue James-Simon-Galerie sorgen. Der von David Chipperfield entworfene Bau dient als Empfangsgebäude für die Museumsinsel im Herzen Berlins und soll am 12. Juli in Gegenwart von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eröffnet werden.

Auch wenn sich das Humboldt Forum ohne Eintrittsgebühr im kommenden Jahr als starke Konkurrenz für die Museumsinsel und andere Museen erweisen wird, wird es in den Häusern der Stiftung Preußischer Kulturbesitz wird es auf absehbare Zeit keinen freien Eintritt für alle geben. So sei nicht geplant, etwa die besonders gut besuchten Häuser auf der Museumsinsel kostenfrei zu öffnen, sagte Stiftungspräsident Hermann Parzinger. Zwar sei niemand gegen freien Eintritt. Für die dann ausbleibenden Eintrittsgelder sei aber eine Gegenfinanzierung nötig. Für die neue Dauerausstellung im Berliner Humboldt Forum ist ein freier Eintritt zunächst für die ersten drei Jahre geplant.

Michael Eissenhauer betonte, schon jetzt kämen rund ein Drittel der Besucher kostenfrei in die Sammlungen. So ist etwa der Eintritt für Kinder und Jugendliche bis einschließlich 18 Jahre frei.

Ein neues Leitsystem im Kulturforum

Die Stiftung kündigte an, in einigen Häusern künftig mehr Service zu bieten. So ist beispielsweise das Foyer des Kulturforums umgestaltet und mit einem neuen Leit- und Informationssystem sowie vier großen LED-Wänden ausgestattet worden. Künftig gebe es dort mehr Platz für Bildungs- und Vermittlungsangebote und kostenloses WLAN. Als weitere besucherfreundliche Geste gilt die Abschaffung der Gebühren für Benutzerausweise in der Staatsbibliothek zu Berlin und im Ibero-Amerikanischen Institut zum 1. Oktober 2019 zunächst für zwei Jahre. Die Basisgebühr pro Jahr liegt derzeit bei 30 Euro. Außerdem werden die Öffnungszeiten der Lesesäle verlängert von montags bis samstags von 8 bis 22 Uhr, kündigte Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf an.

Der Gesamthaushalt der von Bund und Ländern gemeinsam finanzierten Stiftung Preußischer Kulturbesitz lag im vergangenen Jahr bei 390,8 Millionen Euro. Davon waren 126,2 Millionen Euro Baumittel und 58,2 Millionen Euro Drittmittel.