Ex-Kicker als Comedian

Mario Basler: „Pal Dardai muss die Flatter machen“

Mario Basler versucht sich als Comedian. Auf dem Platz war er das schlampige Genie, in der Urania gibt er den Anekdotenplauderer.

Mario Basler plaudert in seinem Programm aus dem Nähkästchen, auch über Hertha-Trainer Pal Dardai.

Mario Basler plaudert in seinem Programm aus dem Nähkästchen, auch über Hertha-Trainer Pal Dardai.

Foto: Oliver Dietze / dpa

Berlin. Mario Basler gelangen nicht nur direkte Tore von der Eckfahne aus und traumhafte Freistoßtreffer. Er konnte auch vor einem wichtigen Spiel bis frühmorgens bechern und sich schon mal während des Spiels pöbelnd mit Gegenspielern oder Schiedsrichtern beschäftigen. Bis heute haut er gerne Sprüche raus, die oftmals unter die Gürtellinie gehen. Bislang machte er das häufiger in Expertenrunden von privaten Fernsehsendern.

Neuerdings tritt er als Comedian auf, in rund zwanzig Städten ist er bereits aufgetreten. In seiner Pfälzer Heimat würde man vielleicht eher sagen als Klohn, als Clown. Basler bringt sein Publikum zum Lachen. Das macht er mit derben, oft zotigen Anekdoten über Mitspieler, Trainer, Bayern-München-Manager. Mann mag das.

Von den rund fünfhundert am Montagabend im Humboldtsaal der Urania, Karten rund 30 Euro, waren etwa 90 Prozent Männer. Nach einer ausverkauften Vorstellung bei den Wühlmäusen legte das Management seiner Show „Basler ballert“ eine zweite Partie in der Stadt auf, in der Basler von 1991 bis 1993 in insgesamt 74 Ligaspielen 17 Tore schoss.

Mario Basler: „Pal Dardai muss die Flatter machen“

Gleich zu Beginn des Programms, das mit einem lauten Pfiff beginnt, widmet sich der Ex-Nationalspieler den beiden Hauptstadtvereinen. Könnte sein, dass Pal Dardai „die Flatter machen muss, wenn der noch das fünfte Spiel nicht gewinnt“, gibt Basler keck vor, was bei einigen anwesenden Hertha-Fans für kurzen Unmut sorgt. Besser kommen die Fans von Union weg. Der Mannschaft attestiert Basler eine gute Saison mit Chance auf den Aufstieg. Zwei Mannschaften in der ersten Liga, da würde sich Hamburg freuen.

Hintergrund: Dardai-Dämmerung bei Hertha

Sowas hören die Berliner gerne, Basler hat die lauten Lacher auf seiner Seite. In der 34. Minute wechselt der Spieler, der mit Werder Bremen und dem FC Bayern München Pokalsieger und mit Bayern Deutscher Meister wurde, seine Ex-Nachbarin Natascha Ochsenknecht ein. Die verlässt nach acht derb-zotigen Minuten wieder das Spielfeld, nicht ohne vorher von einem Basler-Weißwein gekostet zu haben. Eine fragwürdige Einwechslung.

Mario Basler zelebriert den Krawall-Macho

Bis zur Halbzeit zelebriert Basler den Krawall-Macho, gibt dem Affen Zucker, berichtet über Sauftouren vor wichtigen Spielen, etwa mit dem alkoholkranken Ulrich Borowka von Werder Bremen. Klingt oft spätpubertär, kommt aber gut an. „99 Prozent der Klischees über mich stimmen“, sagt er. Erzählt von seiner Trainingsfaulheit und seinem Lieblingsfrühstück: Kaffee mit der Mannschaft, dann hoch aufs Zimmer eine rauchen. Und natürlich bechern, picheln, saufen. Bier, Wein, Wodka-Lemon, gerne auch vor wichtigen Spielen. Damit hat er Trainer wie Ottmar Hitzfeld und Otto Rehagel zur Verzweiflung gebracht.

Ausgesöhnt hat er sich mit Traumtoren in wichtigen Spielen. Insgesamt hat er 62 mal die Kugel im Kasten versenkt, in 262 Liga-Spielen, eine Quote, die nur wenige aufweisen können. Eine donnernde Lachsalve löst er aus, als er sich als Champions-Leage-Gewinner bezeichnet. Schließlich sei er im Endspiel 1999 in der 89. Minute ausgewechselt worden. Da stand es 1:0 durch Mario Basler. Vier Minuten und zwei Tore später hatte Manchester das Finale in Barcelona gewonnen.

Basler hält Löws Rausschmiss von Hummels, Boateng und Müller für richtig

Nach der Pause verlor das Basler-Comedy-Spiel in der zweiten Halbzeit etwas an Fahrt. Nun wurden ausgewählte Fragen aus dem Publikum von Basler beantwortet, nach seinem Lieblingstrainer, Hitzfeld und Rehagel, seinem schönsten Tor, dem Ort entsprechend im Spiel Hertha gegen Bayer 05 Uerdingen, aus 42 Meter Entfernung. Kurze Zuschauerproteste gab es nach Baslers Festellung, Bundestrainer Löw habe mit dem Rausschmiss von Hummels, Boateng und Müller alles richtig gemacht.

Müllers technische Qualitäten etwa seien „sehr begrenzt“. Besser verkniffen hätte Basler sich eine peinliche Anspielung auf die Dimension von Jerome Boatengs Männlichkeit. Die letzte Anekdote handelte von einem Damenbesuch vor einem wichtigen Spiel, in dem Basler drei Tore schoss. So werden Männerphantasien bedient.

Nach dem Schlusspfiff und starkem Applaus verschwindet Basler schnell in der Kabine. Später steht er am Verkaufstresen seiner Fanartikel. Bei ihm sind das neben T-Shirts auch Feuerzeuge und Flaschenöffner.