A-Capella-Show

„Alles mit dem Mund? Wie geht das bitte?“

Das „Edelvoice-Festival“ feierte seinen Auftakt im Tipi am Kanzleramt. Dabei überzeugte das Quartett Maybebop mit einer furiosen Show.

Sprengen gern die Grenzen der Genres: Maybebop.

Sprengen gern die Grenzen der Genres: Maybebop.

Foto: sven sindt

Die Stimmen sind grandios, die Vibes der Basslinie suchen ihresgleichen und die Perkussion geht so unverschämt in die Beine, dass man am liebsten tanzen möchte. Aber weder Schlagzeug noch Bass sind zu sehen. Auf der Bühne stehen lediglich vier Sänger mit ihren Mikrofonen. Das A-Cappella-Quartett Maybebop. Ihr Sound klingt allerdings so, als hätten sie noch ein ganze Band im Rücken. Doch die Jungs sind nicht nur exzellente Sänger, sondern auch erstklassige Beatboxer. Angesichts des fetten Grooves hört man nach etwa zehn Minuten auf, sich zu fragen: „Alles mit dem Mund? Wie geht das bitte?“

Lichtdesign und Videokunst

Die schönsten Zelte der Stadt, das Tipi und die Bar jeder Vernunft, feiern vom Frühling in den Sommer hinein mit dem hauseigenen Festival „Edelvoice“ eine „A-Cappella-Showtime“. Insgesamt 13 Formationen stehen auf dem Programm. Zum Auftakt präsentierten nun Maybebop im Tipi ihren brandneuen Bühnenstreich „Ziel:los!“, benannt nach dem ebenfalls taufrischen Album. Eine fulminante musikalische Show, die zudem mit ausgefeiltem, elegantem Lichtdesign und sehenswerter Videokunst punktet.

Dass der Vokalvierer zur ersten Liga der A-Cappella-Szene gehört, ist unbestritten. Die Live-Qualitäten der Musiker sind auf einem beneidenswert hohem Niveau. Zwar können sich die Sänger aus Berlin, Hannover und Hamburg auch virtuos durch die ganze Musikgeschichte covern, doch ihr Fokus liegt auf deutschsprachigen Eigenkompositionen. Dabei legen sich Maybebop auf keinen musikalischen Stil fest und sprengen bewusst die Genregrenzen.

Hommage an einen Muffin

Der Song „Algorhythmus“ erinnert nicht nur musikalisch, sondern auch choreographisch an die Elektropop-Pioniere Kraftwerk. „Raggamuffin“ indes ist eine auch tänzerisch gelungene Hommage an den Reggae-Dancehall-Mix von Seeed. Bariton Oliver Gies besingt darin Gebäckstücke, als seien sie das coolste Ding der Welt. Lachtränenreif. Ohnehin kommt der Humor nicht zu kurz. Tenor und Beatboxer Lukas Teske gibt berlinernd mit „Sejeln jehn“ einen amourösen Möchtegern-Leichtmatrosen. Der scheitert auf dem Wasser, landet aber dennoch in den Armen seiner Angebeteten.

Die nie um einen launigen Kommentar verlegenen Sänger können aber auch anders.

Es geht auch kritisch zu

In „Die Kreation“ übt Bass Christoph Hiller Zivilisationskritik am Größenwahn des Menschen, der sich Natur und Erde gewaltsam untertan macht. Wuchtig dräuend unterlegt mit Klangkaskaden seiner drei Mitstreiter. Nachgerade göttlich kommt alsdann das zarte „Ave Maria“ von Johann Sebastian Bach und Charles Gounod daher. Atemberaubend gesungen von Countertenor Jan Bürger.

Der Streifzug von Rock, Pop, über Klassik und Metal bis hin zum jazzigen Close-Harmony-Gesang à la Comedian Harmonists gipfelt im Zugabenteil in Queens „Bohemian Rhapsody“. Bekanntlich ein Song für die Ewigkeit und überaus anspruchsvoll. Maybebop singen ihn in einer unfassbar brillanten Version. Standing Ovations.

Tipi am Kanzleramt, Große Querallee, Tiergarten, Tel. 39 06 65 50. Im Rahmen des Edelvoice-Festivals ist dort am 10. April das Quintett Basta zu sehen.