Konzertkritik

Masha Qrella begeistert im Lido das Publikum

Seit über zwanzig Jahren treibt sich Masha Qrella in der Berliner Musikszene herum. Nun gab sie ein Konzert im Kreuzberger Lido.

Das Lido in Berlin-Kreuzberg.

Das Lido in Berlin-Kreuzberg.

Foto: Pa / picture alliance / Arco Images

Berlin. Wenn die Hütte ausverkauft ist und Fans dicht an dicht gedrängt stehen, hat es eine Band vergleichsweise einfach, die Stimmungskurve nach oben zu treiben. Wesentlich anspruchsvoller ist die Aufgabe, einen vielleicht halbvollen Saal zu überzeugen, ein Publikum, das sich physisch nicht zwangsweise nahe kommt, zusammenrücken zu lassen und kollektiv in Resonanz zu versetzen.

Masha Qrella bietet nicht nur Partymusik

Masha Qrella und ihren zwei Mitmusikern gelingt das mustergültig am Sonntagabend, an dem es im Kreuzberger Lido durchaus etwas voller hätte sein können. Und es gelingt ihnen, obwohl sie alles andere als Partymusik zu bieten haben. Ihr austarierter Elektropop atmet souveräne Gelassenheit, ist eigentlich viel mehr etwas, um dazu am Strand oder auf der Couch zu liegen, mit Rotwein oder Joint in der Hand.

Qrella entfesselt keinen Sturm, auf den Ruhe folgen würde, es ist ganz andersherum. Auf die Ruhe beziehungsweise das Konzert folgt bei ihr der Sturm, jener der Begeisterung und des Zugaben einfordernden Applauses. Allein der Beginn ihrer Show ist eine Umkehr üblicher Konzertregeln. Wo andere aufdrehen und mit publikumswirksamen Knallern einen Raketenstart hinzulegen suchen, setzt Qrella erst einmal einen absoluten Ruhepunkt.

Zuschauer werden aus dem Alltag geholt

Ein instrumentales Intro, schleppend langsam und mit sparsamen Gitarrenarpeggios leicht psychedelisch angehaucht, holt die Zuhörer heraus aus dem Alltag und hinein in Qrellas Welt exquisit austarierter Klanglandschaften und sorgsam komponierter Soundbilder. Ihre glasklare Stimme legt sich über extrem relaxte Grooves, die mitunter bis zum Housigen reichen, hier und da sogar recht tanzbar sind. Doch tanzen mag kaum jemand, Qrella macht ihr Publikum per Zuhörenmüssen glücklich.

Wir haben hier den erfreulichen Fall, dass Gitarren und Schlagzeug hinzugemischte Elektronik einmal nicht nur Spielerei ist, weil sie ja selbst dem Laien so einfach und so schnell hörbare Ergebnisse liefern kann. Stattdessen werden die Möglichkeiten der modernen Technik einem echten musikalischen Gespür für wohldurchdachte Arrangements dienstbar gemacht. Zur Rechten Qrellas schlingert Hannes Lehmann in unnachahmlichem Tanzstil hinter einer mickrigen Apparatur herum und erzeugt mit Drumstick und Paukenschlegeln von Schlagzeug- bis Synthiesounds alles, was gerade gebraucht wird.

Seit über 20 Jahren in der Berliner Musikszene

Seit über zwanzig Jahren treibt sich Mascha Kurella, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt, in der Berliner Musikszene herum, trat unter anderem mit der Band Contriva in Erscheinung, schreibt auch Theater- und Fernsehmusik. Im Lido spielt sie natürlich vieles von ihrem aktuellen Album „Keys“, von der noch neueren EP „Day After Day“ und in der Zugabe sogar ganz unveröffentlichtes Material.

Die letzte Platte „Keys“ hat wie das meiste von ihr sehr positive Kritiken bekommen. Trotzdem bleibt Qrella immer ein bisschen unter dem Radar der großen Massen. Woran das liegen mag? Schaut man sich an, wer und was mitunter die großen Hallen füllt, muss man wohl diagnostizieren: An der hohen Qualität.