Konzert in Berlin

The BossHoss feiern in Berlin Cowboy-Fasching

Rasiert sich ein Cowboy tatsächlich die Achseln? Die Antwort bei The Bosshoss in der Schmeling-Halle fällt überraschend eindeutig aus.

The Bosshoss auf ihrer „Black Is Beautiful“-Tour in Berlin: Alec Völkel (l.) und Sascha Vollmer am Sonnabend auf der Bühne der Max-Schmeling-Halle.

The Bosshoss auf ihrer „Black Is Beautiful“-Tour in Berlin: Alec Völkel (l.) und Sascha Vollmer am Sonnabend auf der Bühne der Max-Schmeling-Halle.

Foto: POP-EYE

Berlin. Es ist gigantisch, was The BossHoss auffahren. Locker zwanzig Meter hoch strebt die Kulisse gen Decke der Max-Schmeling-Halle, eine riesenhafte Wand mit Tattoo-Ornamentik, LED-Schirmen und Scheinwerfern, mit denen eine raumfüllende Lichtshow samt Feuerfontänen choreografiert wird.

Das Abschlusskonzert der Tournee zu ihrem neuen Album „Black Is Beautiful“ feiern die Berliner Cowboy-Rocker amtlich vor einer prall gefüllten Arena in ihrer Heimatstadt.

Mit dem Stück „Black Is Beautiful“ wird der Abend auch gleich eröffnet. Die Band legt sich von Anfang an ins Zeug, und das Publikum - Durchschnittsalter über vierzig - zieht mit. Die Stimmung ist bestens, und an jeder beliebigen Stelle wird begeistert mitgeklatscht, wenn die auf Männlichkeit getrimmten Frontsäue das so wollen.

The Bosshoss liefern uninspirierten Rockbrei

Gegen sterile und glattgebügelte Popmusik wollen The BossHoss anspielen, so liest man. Legt man diesen Maßstab an, versagen sie aber völlig. Eine oder auch mehrere E-Gitarren machen noch lange keinen unangepassten Rock’n’Roll. Was The BossHoss den Fans verabreichen, ist nichts als durchschnittlicher Rockbrei, so radiotauglich, also glattgebügelt wie uninspiriert.

Allerdings kann man wahrlich nicht sagen, dass Frontmann Alec „Boss Burns“ Völkel seine Rolle als Entertainer nicht Ernst nimmt. An der rechten Hand einen Lederhandschuh, an der linken mehrere Klunkerringe, ist dieser begnadete Selbstdarsteller permanent in Aktion und hat jede Pose drauf, die man von einem Rockstar erwarten kann. Er stemmt den Mikroständer durch den Raum, wirft seine sorgsam gegelte Rockertolle umher, flachst mit Bühnenfront-Sidekick Sascha „Hoss Power“ Vollmer.

Rasiert sich ein Cowboy tatsächlich die Achseln?

Einem altbewährten Prinzip folgend entledigt sich Völkel zudem nach und nach lästiger Bekleidungsstücke, bis er die großflächigen Tattoos auf seinem Oberkörper endlich in voller Pracht in die Kamera halten kann. Sie überträgt die schönen Bilder auf zwei große Bildschirme an den Seiten. Wenn dort wieder einmal Völkel zu sehen ist, wie er mit erhobenen Armen in die Hände klatschend das Publikum animiert, mag sich der ein oder andere aufmerksame Beobachter unvermittelt gefragt haben, ob sich Cowboys denn tatsächlich die Achseln rasieren.

Kompromisslos fordern die Fans einen Zugabenblock, der programmatisch mit „God Loves Cowboys“ eingeläutet wird. Ein Song, der so wenig wie alle anderen groß etwas mit Country zu tun hat. Zwar wird bei The BossHoss hier einmal ein Waschbrett mit Löffeln bearbeitet und da einmal der als Opener mitreisende Bluesmusiker Seasick Steve auf die Bühne geholt. Im Grunde aber feiern The BossHoss kein Genre, sondern schlicht Fasching. Cowboyfasching für biedere Kleinbürger.

Klischeeüberladen, dass es wehtut

Der ist ohne Frage aufwändig inszeniert. Und da eben Fasching ist, nimmt es nicht Wunder, dass eine mit langen Fransen geschmückte Lederjacke, die Sänger Alec zwischendurch gereicht bekommt, wie die Ankunft eines großartigen Gastmusikers angekündigt wird. Von Stetson-Hüten, protzigen Gürtelschnallen und folkloristischen Countrywesten über in Ponchos gewandete Mariachi-Bläser, alberne Musikernamen und „Baby“-Gequatsche bis hin zu der ins Bühnenbild integrierten Bar, die dazu dient, auf der Bühne gelandete BHs arrangieren zu können, ist alles derart klischeeüberladen, dass es wehtut. Selbst im Tourbus soll es einen Westernsalon geben! Ein singender, klingender Themenpark.