Konzert in Berlin

PeterLicht singt übergriffige Lieder fürs Herz

PeterLicht will im Festsaal Kreuzberg zwar so „meta“ sein, ist aber vor allem eines: emotional und auch ein bisschen sperrig.

Der Indie-Pop-Musiker PeterLicht mag es kompliziert (Archivbild).

Der Indie-Pop-Musiker PeterLicht mag es kompliziert (Archivbild).

Foto: Horst Galuschka / picture alliance / dpa

Berlin. Irgendwann singt, nein, schmettert PeterLicht diese Zeile: „Wo ich mich eigentlich befinde, ist in der Rinde von dem, was mich eigentlich umgibt.“ Danach wird es im Text noch komplizierter und „meta“ und zudem rappt er absichtlich einige Passagen so schnell, dass er offenbar gar nicht will, dass man ihm noch folgt. Doch gerade, wenn man die Lust zu verlieren droht, schmettert er diese Zeile: „Es gibt einen geraden Weg!“ Das singt er dann 20 Mal und alle sind wieder dabei. Alles klar?

Immer ein bisschen anstrengend und sperrig

Die Lieder von PeterLicht, dem gebürtigen Kölner, sind immer etwas anstrengend, sperrig, manchmal auch absurd, aber spätestens beim Refrain kommen alle zusammen und singen einfach mit. Gerade ist sein fünftes Album „Wenn wir alle anders sind“ erschienen. Am Donnerstag ist er in den Festsaal Kreuzberg gekommen, um Lieder aus fast 20 Jahren Musikkarriere zu präsentieren.

Er wird dabei von einem Publikum empfangen, das ihn wie einen Bekannten begrüßt, dabei weiß man über ihn fast nichts. Selbst sein bürgerlicher Name, Meinhard Jungblut, klingt ausgedacht. Bis 2006 war noch nicht einmal sein Aussehen bekannt. Er ließ sich fast nie fotografieren. Dabei hatte er da schon zwei Hits geschrieben, die in Dresden-Neustadt, Köln-Ehrenfeld, in der Hamburger Schanze und in ganz Berlin gesungen wurden: Der eine heißt „Sonnendeck“ und der zweite „Das Ende des Kapitalismus“.

Und plötzlich ist es wieder Sommer der Nuller-Jahre

Beide Lieder singt PeterLicht an diesem Abend und plötzlich ist es wieder Sommer Anfang der 2000er. Diese Nostalgie ist in den Texten angelegt: „Weißt Du noch, als wir unsere Klamotten beschriftet haben?“ Aber inzwischen ist eben immer noch alles genauso wie damals, muss man fast sagen. Man kann Insta-Stories vom Konzert machen, aber die Probleme der Mittelschicht sind die gleichen geblieben.

PeterLicht ist diesen auf der Spur, auch wenn man gleich bei einem der ersten Lieder “Menschen” das Gefühl hat, so ganz ernst nimmt er sie nicht: “Ich suchte neue Mützen, aber eigentlich brauchte ich einen neuen Kopf”.

Nach einem PeterLicht-Song ist man immer besser gelaunt

Aber - und das ist wichtig für seine Musik - man ist nach einem PeterLicht-Song eigentlich immer besser gelaunt als vorher. Er singt das Kontolied (“Es ist was drauf und das ist gut so”) und das Lied von den Getrennten (“Ohne all die Getrennten, möchten wir nicht alleine sein”) und schließlich den Song, der zwar klingt wie die “Internationale” aber die “Emotionale” heißt.

Darin gibt es eine Aufforderung, die man vor jeden PeterLicht-Song stellen könnte: “Singt übergriffige Lieder, die ihr euch selber nicht erklären könnt!” Ganz am Ende wurde er noch einmal ganz unironisch, also das Gegenteil von “meta” und unverständlich. “Wir und der unpfändbare Rest unserer Herzen“, schmettert er, „wir sollten frei sein“. Und dann: „Frei! frei! Frei!“ Wenn dann der (übrigens fast ausverkaufte) Saal mitsingt, weiß man, der Mann macht eine ganze Menge sehr richtig.