Konzert in Berlin

Amy MacDonald intim: Unplugged vom Pub ins Wohnzimmer

Im Admiralspalast zieht Amy MacDonald den Stecker. Unplugged gibt sie ihren Hits mehr Platz. Und zeigt, wie gut ihr Songwriting ist.

Amy MacDonald am Dienstagabend im Berliner Admiralspalast.

Amy MacDonald am Dienstagabend im Berliner Admiralspalast.

Foto: Sebastian Scherer / BM

Berlin. Veränderung ist ja zuerst einmal nichts Schlechtes. „Nichts fühlt sich an wie sonst, heute Nacht“, singt Amy MacDonald auf der Bühne des Admiralspalast. „Aber es musste sich etwas ändern.“ Tatsächlich soll an diesem ausverkauften Dienstagabend einiges anders sein als sonst. Denn die Schottin hat viele ihrer bekannten Songs einer Generalüberholung unterzogen. Weniger ist mehr.

Zwölf Jahre sind vergangen, seitdem MacDonald mit ihrem Pop-Folk-Rock-Songs das deutsche Radio eroberte, auf dem passenden Album „This Is The Life“ lebensnahe Anekdoten aus dem Leben einer jungen Frau darbot, die gleichermaßen Fläche zur Identifikation boten, als auch im Formatradio dudeln konnten, ohne zu stören.

Stärken der jungen Songschreiberin: hängenbleibende Melodien mit lebensnahen, aber nicht plumpen Texten. Und eine durchaus kraftvolle Stimme.

Amy MacDonald: „Woman of the World“ frischt alte Hits auf

Nun, nach zwölf Jahren, hat sie ein Greatest Hits veröffentlicht, „Woman of the World“, und mit dem gleichnamigen Titelsong eröffnet MacDonald diese besondere Show. Denn tatsächlich leiert sie nicht die alten Hits herunter, sie hat eine Menge geändert. Vor allem: Den Strom abgedreht. Violinen- und Geigenspielerinnen mitgebracht. Unplugged-Versionen beleben die 1000 Mal gehörten Songs.

„Berlin ist möglicherweise die coolste Stadt der Welt“, erklärt MacDonald mit hartem schottischem Dialekt. „Das wissen alle, außer die Leute, die hier leben.” Sie redet viel an diesem Abend, das war nicht immer so. Zu Beginn ihrer Karriere spielte sie Konzerte auch gern mal runter. Sie ist selbstbewusster geworden, eine „Frau von Welt“. Mit Meinung. „The Rise and the Fall” widmet sie Theresa May - „the crap Prime Minister”. Mays neuester Bitte auf Verlängerung der Austrittsfrist („Hab ich gerade vor der Show noch gelesen“) sei doch Folge zu leisten - „für immer.” Ach ja: Schottland wollte ohnehin in der EU bleiben. Applaus.

Für Geschichten nimmt sie sich Zeit, aber auch musikalisch. Zum Glück. Der eigentlich sehr drängende Song „Don‘t Tell Me That It’s Over“ bekommt mit sanften Geigen und Klavier eine ganz neue Färbung. „Give it all up” habe sie reduzierter immer lieber gemocht. Vieles, vor allem Singles wie „Automatic” und „Mr Rock ‘n’ Roll”, gibt’s dann aber doch nah am gewohnten. Bei letzterem auch eine Mahnung. Berlin sei die erste Stadt, bei der nicht alle aufgestanden seien. Das Publikum wird eben auch älter.

“This Is The Life“ mit Druck hinterm Cello

Das mit dem Aufstehen, vielleicht auch aus Schuldbewusstsein, funktioniert dann beim Hit „This Is The Life“ besser, hier versteht der Pianist, etwas mehr Druck hinter Cello und Kontrabass zu setzen. Wohnzimmer-Atmosphäre für Pub-Musik. Das funktioniert deshalb gut, weil MacDonald mit ihrer Stimme ganz hervorragend Gefühle transportieren kann – eine Grundvoraussetzung für einen solchen Abend.

Zumal die Balladen durchaus zu den Stärken der 31-Jährigen gehören. „Left that Body Long Ago“ thematisiert die letzten Jahre ihrer an Alzheimer erkrankten Großmutter. Das trifft zielgenau ins Herz. „Down By The Water“ hatte schon auf dem letzten Album „Under Stars“ in der reduzierten Version besser gefallen als in der beschwingten.

Neue Impulse für mehrfach wiederholtes Rezept

Die Veränderungen - auch die hervorragenden Streicherinnen - bekommen MacDonalds Songs also gut. Nicht unwichtig, nach dem starken Debüt und einem kraftvollen Nachfolger gerät „Life In A Beautiful Light“ trotz Themenvielfalt vom Arabischen Frühling bis zur Liebe zur Heimat („Pride“ ist an diesem Abend einer der zackigen Nummern) etwas zu gefällig.

Zwar war das letzte Album wieder stärker. Trotzdem ließ sich nicht abstreiten, dass der Sound etwas festhängt. Ständige Neuerfindungen tun natürlich nicht Not. Neue Perspektiven in diesem Fall aber mindestens gut. Denn der Abend beweist vor allem, dass MacDonald eine starke Songwriterin ist, deren Songs so gut geschrieben sind, dass sie auch und besonders in einem intimen Setting funktionieren. Daran ändert sich erstmal nichts.