Neu im Kino

Mehr als nur Gras: „Die Wiese – Ein Paradies nebenan“

Ab ins Grüne: Regisseur Jan Haft rückt mit seinem neuen Dokumentarfilm „Die Wiese“ unsere schöne, aber bedrohte Natur in den Fokus.

Die Wiese – ein schützenswerter Lebensraum.

Die Wiese – ein schützenswerter Lebensraum.

Foto: Polyband

Eine blühende Blumenwiese, untermalt von dramatischen Choralgesängen und ein Feldgrillenkampf mit Actionfilm-Soundtrack – das erwartet die Zuschauer unter anderem bei Jan Hafts neuem Dokumentarfilm. Mit Filmen wie „Das Grüne Wunder – unser Wald“ und „Magie der Moore“ hat sich der preisgekrönte Naturfilmer Jan Haft einen Namen gemacht. „Die Wiese – ein Paradies nebenan“ soll diese Reihe nun vervollständigen.

Eine Wiese, das ist für viele wohl nur eine Fläche zum Fußballspielen. Was ist schon besonders an ein bisschen Gras? Dass eine Wiese viel mehr ist als das, zeigt dieser Film sehr eindrücklich. Denn tausende Arten von Gräsern bieten auf einer Blühwiese Heimat für allerlei Spinnen, Käfer, Vögel und auch eine Rehfamilie, die „Hauptprotagonisten“ des Films.

Explosionsartiges Aufblühen in Zeitraffer

Zu Anfang wechselt die Darstellung etwas unstrukturiert zwischen Wald und Wiese hin und her, sodass es schwer fällt, einen roten Faden zu erkennen. Staunen können die Zuschauer, wenn etwa in Zeitraffer das explosionsartige Aufblühen von Gräsern gezeigt wird.

Erwähnenswert in dieser Kategorie ist auch die Geburt von Rehzwillingen, die aus nächster Nähe zu sehen ist. Aber auch kleinere Tiere sind spannend zu beobachten, hat man dazu doch ohne besondere Ausrüstung kaum die Möglichkeit. Man lernt auch so einiges beim Zuschauen, beispielsweise wie Grillenzirpen funktioniert.

Wenn es um die Natur geht, ist auch der Mensch nicht weit. Sein Eingreifen wird hier nicht einfach verteufelt. Stattdessen hebt der Film hervor, dass gerade durch das regelmäßige Mähen der Erhalt der vielen Grasarten gewährleistet wird.

Monokulturen und besonders die übermäßige Düngung verhindern jedoch das Wachstum von Wildblumen und Gräsern und nehmen damit Insekten und Vögeln den Lebensraum weg.

Wichtige Botschaft von bleibender Aktualität

„Wenn statt Käfern Bambi vom Aussterben bedroht wäre, gäbe es wohl einen größeren Aufschrei“, heißt es im Off-Kommentar bitter.

Von plumpen Phrasen („Der Eintritt zum Heuschreckenkonzert ist kostenlos“) über den sehr dramatischen Soundtrack bis hin zur halbherzigen Spannungserzeugung (Wird das Braunkehlchen überleben?) wirkt der Film in weiten Teilen dick aufgetragen. Die Problematik des Artensterbens sollte den meisten Zuschauern bereits präsent sein und so wirkt der abschließende Appell sehr plakativ. Nichtsdestotrotz ist die Botschaft wichtig und von bleibender Aktualität. Mit seinen eindrücklichen Bildern rückt der die Wiese als schützenswerten Lebensraum wieder neu in den Fokus des Bewusstseins.

Dokumentarfilm D 2019 90 min., von Jan Haft