„The Band“

Take That stellen im Theater des Westens neues Musical vor

Gary Barlow, Mark Owen und Howard Donald präsentierten am Montag das Musical „The Band“ mit ihren größten Hits vor.

Gary Barlow, Howard Donald und Mark Owen (v.l.) alias Take That im Theater des Westens.

Gary Barlow, Howard Donald und Mark Owen (v.l.) alias Take That im Theater des Westens.

Foto: Reto Klar

Berlin. Der Streik der BVG machte am Montagnachmittag auch vor Gary Barlow, Mark Owen und Howard Donald nicht Halt. Zum Pressetermin des Musicals „The Band“ im Theater des Westens kamen die noch verbliebenen Mitglieder der einstigen Boygroup Take That mit einiger Verspätung. Begründet wurde das mit den Einschränkungen im Berliner Nahverkehr. Ob die Musiker versucht hatten, mit dem Bus vom Flughafen an die Kantstraße zu kommen, wurde nicht überliefert.

Die drei Briten stecken aktuell mitten in den Vorbereitungen für ihre Tour zum anstehenden 30. Bandjubiläum. Trotzdem ließen sie es sich nicht nehmen, den Proben für die deutsche Version des Bühnenstücks mit ihren größten Hits einen Besuch abzustatten. „The Band“ feierte seine Premiere im September 2017 in Manchester, der Heimatstadt der Gruppe, und war dort ein großer Erfolg. Die anschließende Tour war in kürzester Zeit ausverkauft. Ab dem 11. April ist das Musical in Berlin erstmals außerhalb Großbritanniens zu sehen.

„In Deutschland hatten wir unsere ersten Auftritte im Ausland“, erinnerte sich Gary Barlow am Montag. „Deshalb sind wir heute sehr gerne gekommen, wenn auch nur für einen kurzen Tagesausflug.“ Berlin sei eine tolle Stadt, sagte auch Howard Donald: „Ich erinnere ich mich sehr gern an unseren Auftritt bei den MTV Music Awards 1994 vor dem Brandenburger Tor. Der Ort hatte eine ganz spezielle Magie.“ Mark Owen zeigte sich besonders beeindruckt vom Theater des Westens: „Das hätte ich gern auch in London.“


Alle Hits von Take That und ein prominent besetztes Ensemble

„The Band“ erzählt, anders als der Name und die Musik vermuten lassen, nicht die Geschichte der ursprünglich fünf Musiker, die für Songs wie „Back for Good“, „Relight my Fire“ und „Never Forget“ verantwortlich sind. In dem Stück geht es um fünf Freundinnen, die, 1993 irgendwo in Nordengland, Fans einer Boygroup sind – bis ein Schicksalsschlag sie entzweit. 25 Jahre später treffen sie sich wieder, als ihre Idole von einst noch einmal auf Tour gehen, und lassen ihre Jugendträume noch einmal aufleben.

Unter den Darstellern finden sich auch bekannte Gesichter. So hat Heike Kloss, einst bekannt durch die RTL-Comedyserie „Alles Atze“, die Rolle der erwachsenen Zoe übernommen. Die Schauspielerin kehrt nach 20 Jahren zum Musical und auf die Bühne des Theaters des Westens zurück. 1998 sang sie hier in „Grease“, zog für das Engagement nach Berlin – und ist seitdem geblieben. „Ich freue mich, zurück in diesen heiligen Hallen zu sein“, so die 50-Jährige.

Viele der Songs von Take That waren für die Darsteller echte Neuentdeckungen

Als einer der fünf Boyband-Sänger gibt Prince Damien sein Musical-Debüt. Der 28-Jährige gewann 2016 die 13. Staffel der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ und ist aktuell als Coach in der Sendung zu sehen. „Ich wollte schon nach der Schule eine Ausbildung zum Musicaldarsteller machen, ich freue mich, dass es jetzt endlich geklappt hat.“

Ebenso wie Prince Damien wurden alle Darstellerinnen der jungen Freundinnen erst in den 90er-Jahren geboren und erlebten ihre Pubertät lange nach dem Boygroup-Hype. Viele Songs von Take That waren für sie also echte Neuentdeckungen.

Dass die Jahre an ihnen nicht spurlos vorbeigegangen sind, musste dann auch Mark Owen – einst Frauenschwarm der Band – angesichts von so viel Jugendlichkeit feststellen. Zwar wurde auch an diesem Tag geschrien, als er die Bühne betrat, allerdings nur von den Fotografen. „Der Erfolg von Take That hat es uns ermöglicht, die ganze Welt zu sehen. Ich hatte meine Heimatstadt vorher kaum verlassen“, erzählte der 47-Jährige rückblickend.

Alkohol- und Drogeneskapaden sowie zahlreichen Affären

In Zeiten von Social Media sei die Welt viel näher zusammengerückt. „Ihr seid alle so diszipliniert“, fand Gary Barlow, nachdem er den Cast auf und hinter der Bühne erlebt hatte. „Bei uns hat es bis zu unserem Comeback 2005 gedauert, dass wir unseren Job so ernst genommen haben. Wir achten heute mehr auf uns, leben gesünder, wenn wir auf Tour sind. Schließlich haben wir alle Familie.“ Besonders Mark Owen und Robbie Williams, der die Band 1995 verließ, hatten in der Vergangenheit immer wieder auch mit Alkohol- und Drogeneskapaden sowie zahlreichen Affären für Schlagzeilen gesorgt.

Dem Erfolg von Take That tat das keinen Abbruch. 48 Millionen Tonträger und über sieben Millionen Konzerttickets haben die Mitglieder seit der Gründung 1990 verkauft. Als sich die Band 1996 trennte, mussten Seelsorge-Telefone für suizidgefährdete Jugendliche eingerichtet werden. Die Tournee zu ihrer Wiedervereinigung 2005 war innerhalb von 30 Minuten ausverkauft.

An „The Band“ sind Gary Barlow, Howard Donald, Mark Owen und Robbie Williams nicht nur mit ihren Songs, sondern auch als Coproduzenten beteiligt. Allein Jason Orange, der der Gruppe 2014 den Rücken kehrte, ist nicht dabei. Geschrieben wurde das Stück von dem britischen Dramaturgen Tim Firth, aus dessen Feder auch Kinofilme wie „Kalender Girls“ und „Kinky Boots“ stammen.

Alle Songs kommen im englischen Original auf die Bühne

Firth und Barlow kennen sich bereits seit ihrer Jugend. „Gary lag mir schon seit Jahren mit der Idee für ein Musical in den Ohren“, erzählte der 54-Jährige am Montag. Es habe aber eine Weile gebraucht, bis die Geschichte in ihm gereift sei. „Es reicht nicht, wenn man gute Songs hat, man braucht auch einen guten Plot.“ Er hoffe, dass „The Band“ sich für die Zuschauer anfühle wie eine Reise zu emotionalen Momenten ihrer eigenen Vergangenheit. Damit das gelingt, wurden alle Songs, anders als bei dem vergleichbaren „Mamma Mia“, im englischen Original belassen.