Neu im Kino

Ein Superheld in der Pubertät: „Shazam!“

Viel Budenzauber: Im Kinofilm „Shazam“ trifft das Comic-Kino auf Harry-Potter-Zauberei. Und das auch noch auf dem Weihnachtsmarkt .

Welche Kräfte schlummern in mir? Shazam (Zachary Levi, r.) probt alles aus. Da kann sein Pflegebruder Freddy (Jack Dylan) nur staunen.

Welche Kräfte schlummern in mir? Shazam (Zachary Levi, r.) probt alles aus. Da kann sein Pflegebruder Freddy (Jack Dylan) nur staunen.

Foto: Steve Wilkie / dpa

Der Comic-Film wird immer kindischer. Alberner sowieso: Die jüngsten Werke dieser nicht enden wollenden Kino-Welle werden zunehmend mit Humor aufgepeppt. Beim „Spider-Man“- Reboot wurde der Held zudem noch teenie-hafter gemodelt als gewohnt, um auch das ganz junge Publikum anzusprechen. Und das wird jetzt mit „Shazam!“ noch weiter vorangetrieben.

Weil hier ein gerade mal 14-jähriges Bürschchen wie aus dem Nichts Superkräfte entwickelt. Immer wenn er „Shazam!“ ruft, steckt er plötzlich in einem roten Kostüm mit weißem Umhang und gelbem Blitz auf der Brust. Immer dann aber ist er auch ein erwachsener Mann. Auch wenn er noch so spricht und sich so unbeholfen bewegt, wie das Jugendliche in der Pubertät eben so tun.

Damit wird das zunehmend unübersichtlicher werdende Comichelden-Kino nicht nur um einen weiteren, reichlich schrägen Vertreter erweitert. Es wird auch noch mit einem anderen Filmgenre gekreuzt, dem Harry-Potter-Kinderzauber.

Denn es ist ein ziemlich alter Zauberer (Djimon Hounsou), stilecht mit Zauberstab, der den ahnungslosen Knaben mitten aus einer U-Bahn in eine entrückte Höhle zaubert und dort seine Zauberkräfte vermacht. „Shazam!“ ist also ein Zauberspruch wie „Simsalabim“ oder „Hex Hex“.

Superheld mit Mutti-Komplex

Zu diesen ungeahnten Ehren kommt ausgerechnet ein Problemjunge, der als kleines Kind von seiner Mutter im Stich gelassen wurde, seither von einer Pflegefamilie zur nächsten wandert und immer wieder Reißaus nimmt. Immer in der Hoffnung, eines Tages doch seine echte Mama wiederzufinden.

Stattdessen landet er erst in einer neuen Pflegefamilie, die gar nicht so unnett scheint und schon fünf andere Kinder aufgenommen hat. Und dann landet Billy in besagter U-Bahn, die ihn in die besagte Zauberhöhle führt.

Es ist durchaus lustig, wie der kleine Billy (Asher Angel) plötzlich seine magischen Kräfte entdeckt und sein erstaunter Pflegebruder Freddy (Jack Dylan Grazer) ihn drängt, alle möglichen Superkräfte auszuprobieren – was auch mal daneben geht. Es ist auch nicht unironisch, wie Shazam, wenn er vor dem Bösewicht (Mark Strong) fliehen muss, sich einfach wieder in den Knaben zurückverwandelt und in der Menge verschwindet.

Und auch der erwachsene Zachary Levi aus der Fernsehserie „Chuck“ sorgt für Lacher, wenn er das Kind im Manne, ergo im Superheldenkostüm gibt. Aber das sind leider schon die einzigen Schauwerte dieses Filmes, der viel zu lange und zu geschwätzig geraten ist. Und der sich zwar an ein sehr junges Publikum richtet, aber mit ein paar recht brutalen Szenen schockt.

„Shazam!“ ist eine weitere Kampfansage des Comic-Hauses DC an den großen Konkurrenten Marvel. Die beiden teilen ja die Superhelden unter sich aus, wobei die Avengers von Marvel im Einzel wie im Rudel an der Kinokasse deutlich besser reüssieren als die DC-Kämpen Superman, Batman und Wonder Woman.

Satire aufs Genre oder doch nur ein Teil davon?

„Shazam!“ aber, und jetzt wird es selbst für Comic-Nerds etwas unübersichtlich, hieß eigentlich mal „Captain Marvel“. Bis Marvel-Boss Stan Lee sich die Rechte an dem Namen gesichert hat und eine eigene Figur daraus kreierte. Weshalb „Shazam“ ein Ersatzname wurde.

Nachdem das Marvel-Studio erst kürzlich seinen ersten „Captain Marvel“-Film eingesetzt hat, folgt nun mit „Shazam!“ die direkte Konkurrenz. Und um das Ganze noch weiter zu verkomplizieren, spielt Djimon Hounsou sowohl im einen wie im anderen Film, die sonst gar nichts miteinander zu tun haben.

Wobei sich “Shazam“ vom schwedischen Horror-Regisseur David F. Sandberg nie so recht entscheiden kann, ob er eine Satire auf die Comic-Welle sein will oder nicht doch ein Teil davon. Und dann startet er zum Frühlingsbeginn einfach zur Unzeit.

„Shazam!“ spielt in der Weihnachtszeit, der Showdown direkt auf einem Weihnachtsmarkt. Wo Shazam nicht nur auf den Bösewicht trifft, sondern auch auf einen anderen Herrn im rotweißen Kostüm: den Weihnachtsmann. Da hilft kein Hexen: Gegen „Captain Marvel“ bleibt „Shazam!“ nur Kinderkram.

(ZDR)

Action USA 132 min., von David F. Sandberg,mit Zachary Levi, Asher Angel, Mark Strong, Djimon Honsou