Staatsoper

Matthias Schulz: „Bei Mozart sehe ich Nachholbedarf“

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Matthias Schulz ist Intendant  der Staatsoper Unter den Linden

Matthias Schulz ist Intendant der Staatsoper Unter den Linden

Foto: Reto Klar

Die Jahrespressekonferenz fällt aus. Matthias Schulz, Intendant an der Seite von Daniel Barenboim, erklärt das neue Programm.

Berlin. Das neue Programm der Staatsoper ist am Montag veröffentlich worden. Matthias Schulz (42), der seit 2018 Intendant des Opernhauses ist, stellt die Schwerpunkte der Saison 2019/20 diesmal nur auf Nachfrage vor. Ein ungewöhnliches Prozedere. Wir haben nachgefragt.

Berliner Morgenpost: In diesem Jahr gibt es keine große Pressekonferenz mit Daniel Barenboim und Ihnen. Will es der Generalmusikdirektors im Moment nicht?

Matthias Schulz: Wir haben einfach nach einer neuen Form gesucht, um das Programm zu präsentieren. Wir suchen den Kontakt zur Öffentlichkeit. Diesmal wollen wir unsere Aktivitäten über die sozialen Medien verstärken und hoffen, das Programm noch breiter und direkter zu kommunizieren. Ob wir das so weiter machen werden, wissen wir noch nicht.

Daniel Barenboim war in die Kritik geraten, ihm wurde ein harscher Führungsstil vorgeworfen. Sie haben bezüglich des Arbeitsklimas am Haus eine Befragung eingeleitet, gibt es schon Ergebnisse?

Es ist für uns wichtig, dass die Vorstellung des neuen Programms nicht überlagert wird. Dieses Programm zeigt die vielfältigen Kräfte des Hauses. Es könnte gar nicht entstehen, wenn es hier ein negatives Klima gäbe. Das alles ist sehr eindimensional dargestellt worden. Mir persönlich war es von Anfang an ein großes Anliegen, eine Unternehmenskultur zu entwickeln, die im Miteinander noch offener und konfliktbewusster ist.

Sie sind seit einem Jahr im Amt. Wie hat sich Ihr Verhältnis zum GMD entwickelt?

Daniel Barenboim ist wirklich niemand, der Angst vor neuen Projekten hat. Das Programm 2019/20 zeigt auch, dass er immer jemand ist, der junge und neue Leute fordert und fördert. Er ist ein konstruktiver, toller Partner, ich fühle mich nie eingeschränkt. Ich empfinde es als eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Barenboim weiß, dass ich als Intendant eine eigene Handschrift entwickeln und Impulse geben möchte, was für die Institution wichtig ist. Er hat viele Ideen unterstützt, die nicht unmittelbar ihn selbst betreffen, wenn ich etwa an die neuen Barocktage oder das Auftragswerk „Violetter Schnee“ denke.

Was werden Highlights der Saison sein?

Zunächst einmal möchte ich erwähnen, dass die Staatskapelle 2020 ihr 450-jähriges Bestehen feiert. Besonders wichtig sind mir die vielfältigen Verflechtungen im künstlerischen Programm oder auch die Vernetzungen im Jugendprogramm in die Stadt hinein. Die Staatsoper steht für mehr und soll als zugänglich für alle wahrgenommen werden. Als Eröffnungspremiere machen wir Nicolais „Die lustigen Weiber von Windsor“, was auf den ersten Blick ungewöhnlich sein mag. Aber das Werk ist hier am Haus uraufgeführt worden. Das ist der Stoff von „Falstaff“ und wir werden vergleichend im Umfeld eine Wiederaufnahme von Verdis „Falstaff“ haben. Wir haben einen neuen „Rosenkavalier“ geplant. Richard Strauss war früher hier Generalmusikdirektor und Intendant. Für die sieben großen Premieren auf der Hauptbühne haben wir sechs neue Regisseure verpflichtet. Den neuen „Rosenkavalier“ wird Multimediakünstler André Heller inszenieren. Es wird die erste Oper sein, die er macht, und, wie er sagt, wohl auch seine letzte. Er kann mit der Wiener Melancholie, diesem Endzeitgefühl des Stückes, in besonderer Weise umgehen.

Verdi, Wagner, Strauss hatten Sie als Grundmaxime fürs Haus angekündigt?

Ich habe auch gesagt, bei Mozart sehe ich einen Nachholbedarf. Es wird einen neuen „Idomeneo“ geben, den Simon Rattle dirigiert. Und wir werden zu den Festtagen eine Da-Ponte-Zyklus beginnen. Daniel Barenboim wird gemeinsam mit dem jungen Regisseur Vincent Huguet mit „Cosi van tutte“ beginnen. Es folgen in den Jahren darauf der „Figaro“ und „Don Giovanni“. Wir haben auch einige Mozart-Wiederaufnahmen mit neuen Dirigentinnen wie zum Beispiel Oksana Lyniv.

Sie zeigen zwei „Zauberflöten“ an der Staatsoper. August Everdings Produktion ist ein beliebter Longseller. Aber die Neuinszenierung von Yuval Sharon kam kürzlich nicht so gut weg. Wollen Sie das „Zauberflöten“-Doppel wirklich weiterführen?

Beim Publikum kam Sharons Inszenierung sehr gut an. Es gibt sogar ein gewisses Kultpotenzial, sie erinnert manchmal an einen Manga-Comic. Wir werden wieder beide Inszenierungen in der neuen Saison zeigen. Gute Oper bedeutet immer auch Risiko und Mut zur Diskussion.

Sind denn die Folgen der Generalsanierung des Opernhauses inzwischen überwunden? Ist der Opernalltag eingezogen?

Ganz ist die Sanierung noch nicht beendet. Als Beispiel nenne ich mal die Klimatechnik. Es gab Beschwerden, dass es im Saal zu heiß, im Apollo-Saal zu feucht sei. Nach der Fertigstellung begann das Feintuning der Anlage. Da sind wir immer noch dran. Was die Normalität betrifft. Was die Anzahl der Vorstellungen betrifft, sind wir jetzt nahe an dem, was wir erreichen wollen. Wir haben an die 160 große Opernvorstellungen, dazu kommen die Konzerte und drei Liederabend im Großen Saal.