Lesung

Fettes Brot zeigen, was hinter ihren großen Klappen steckt

Die Hamburger Band stellt im Festsaal Kreuzberg ihr Buch „Was Wollen Wissen“ vor, das versucht absurde Fragen zu beantworten.

Die Band Fettes Brot kommt aus Hamburg.

Die Band Fettes Brot kommt aus Hamburg.

Foto: Rolf Vennenbernd, dpa

Berlin. Woran erkennt man eigentlich, an welcher Seite bei einem Baum vorne ist? Und warum werden Flugzeuge nicht gänzlich aus dem robusten Material der Black Box gefertigt? Diesen und ähnlichen Fragen gehen die drei Jungs von Fettes Brot auf der Lesereise zu ihrem Buch „Was Wollen Wissen“ nach. Dabei sind die Antworten zwar selten geradlinig, das wilde Assoziationsspiel von König Boris, Doktor Renz und Björn Beton ist dafür umso unterhaltsamer.

Anekdoten aus der Radioshow

Das Buch der Hamburger Hip-Hop-Gruppe fasst zahlreiche Anekdoten aus ihrer gleichnamigen Radioshow bei N-Joy und Bremen 4 zusammen. Inhalt der Sendung, die seit mittlerweile fünf Jahren läuft, ist die Beantwortung oder auch Nicht-Beantwortung absurder Zuschauerfragen. Moderiert wird das ganze sowohl im Radio als auch auf der Bühne von Anne Raddatz.

Um das Buch geht es im Laufe der Show jedoch nur zu Beginn. Nachdem König Boris, bürgerlich Boris Lauterbach, kurz vorführt, dass man mit dem Taschenbuch hervorragend ein Bier öffnen kann, lesen die drei Musiker zusammen mit der Moderatorin in verteilten Rollen eine Auswahl ihrer Zuschauergespräche vor. Dabei geht es unter anderem um die Frage nach der Vorderseite des Baumes, auf die es souverän heißt, man erkenne diese natürlich daran, wo der Baum sein Gesicht habe.

Bei der Lesung fehlt die Spontanität

Leider fehlt den abgelesenen Dialogen gerade jene Spontanität, die der Radiosendung ihr Profil gibt. Holprig vorgetragene Pointen werden lediglich vom Charme der Hamburger ausgeglichen. Dementsprechend erfrischend kommt die zweite Hälfte des Abends daher, denn neben den Fragen des Publikums folgen nun auch einige Songs vom Album „Lovestory“, das Anfang Mai erscheinen soll. Und mit „Jein“ schafft es auch einer ihrer großen Hits in den Festsaal Kreuzberg. Dazu nimmt Doktor Renz, gebürtig Martin Vandreier, die Akustikgitarre zur Hand und untermalt den Song mit den Akkorden zu „Wonderwall“ von Oasis.

Zuschauer geben Fragen vor der Show ab

Ihre Fragen konnten die Zuschauer zu Beginn der Veranstaltung zusammen mit ihrem Namen auf Zetteln unterbringen, die dann im Laufe der Show von Moderatorin Raddatz oder den Fragestellern selbst vorgetragen werden. Dabei gibt es kaum jemals eine direkte Antwort. Auf die Frage danach, warum Flugzeuge nicht aus dem Material der Black Box hergestellt würden, antwortet Doktor Renz, dass die härtesten Materialien in der Natur zu finden seien. Aus diesem Grund würde eine Black Box stets aus gewalzten Otternasen hergestellt.

Bei absurden Antworten dieser Art scheint es irgendwie schlüssig, dass die Musiker an einem Punkt des Abends mit Tabletts voller Jägermeister-Gläser herumgehen und den Schnaps an ihr Publikum verteilen. Danach geht es weiter mit den wirklich wichtigen Dingen, zum Beispiel mit der Frage, ob man eigentlich in die Dusche pinkeln solle. Die Antwort: Es spreche nichts dagegen, denn zum einen spare es Wasser und zum anderen helfe es gegen Fußpilz.

Drei Lieder der neuen Platte werden gespielt

Am Ende des Abends steht dann wieder die Musik im Mittelpunkt. Insgesamt drei Lieder der neuen Platte geben die Musiker zum Besten. Einer der Songs erzählt die Geschichte eines Mannes, der eine nette Frau kennenlernt, sich dann jedoch in ihre Mutter verliebt. Ein anderer feiert grenzenlose Selbstliebe als Antwort auf die Hürden des Alltags. Die Lieder sind durchaus eingängig, ob die Band damit jedoch an die Erfolge von Hits wie „Jein“ oder „An Tagen wie diesen“ anknüpfen kann, bleibt abzuwarten.