Haus der Berliner Festspiele

Festival „Maerzmusik 2019“ eröffnet auf höchstem Niveau

Sein Werk gilt vielen als unspielbar. Bei „Maerzmusik“ interpretiert Frederic Rzewski (80) sein komplexes Werk selbst am Flügel.

Komponist Frederic Rzewski eröffnet das Festivals „Maerzmusik 2019“ im Haus der Berliner Festspiele.

Komponist Frederic Rzewski eröffnet das Festivals „Maerzmusik 2019“ im Haus der Berliner Festspiele.

Foto: Marc-Henri Cykiert

Eingängig melodisch beginnt das Konzert - mit den 36 Takten des Protestlieds „El pueblo unido, jamás será vencido“ vom chilenischen Komponisten Sergio Ortega. Es entstand während des Militärputsches von Augusto Pinochet und avancierte zum musikalischen Symbol des Widerstands. Zwei Jahre später, im Jahr 1975, bat die Pianistin Ursula Oppens den US-Komponisten Frederic Rzewski, ihr ein Werk für ein Konzert zur 200-Jahr-Feier der Vereinigten Staaten zu komponieren. Rzewski, dessen zeitgenössische Kompositionen oftmals einen politischen Bezug haben, nahm das volksliedhafte Thema und variierte es 36 Mal. Herausgekommen ist mit „The People United Will Never Be Defeated“, ein Meilenstein der Klavierliteratur. Mit höchsten pianistischen Anforderungen. Für viele gilt das Variationswerk gar stellenweise als unspielbar.

Klanggewaltige Performance

Doch zum Opening des Festivals „Maerzmusik 2019“ im Haus der Berliner Festspiele interpretiert der 80-jährige Komponist sein komplexes Werk selbst am Flügel. Und zwar äußerst bravourös und klanggewaltig. Die Variationen, von denen viele gerade mal eine Minute lang sind, vereinen unterschiedlichste musikalische Stile. Mal klingt das Klavierspiel minimalistisch, mal jazzig oder sogar fast rockig. Die Wechsel sind ungemein kontrastreich. Zart und leise, aber auch wild, wuchtig und leidenschaftlich, schafft es Rzewski immer wieder, die Melodie von Sergio Ortego präzise herauszuarbeiten.

Mit seinem Variantenreichtum steht das Werk programmatisch für die Maerzmusik. Ein Festival für Zeitfragen, das bis zum 31. März an verschiedenen Orten stattfindet. Es geht um künstlerische Erfahrungen, Begegnungen und das gemeinsame Nachdenken über unseren Umgang mit Zeit. Auf dem Programm stehen neben Konzerten auch Ausstellungen, Performances, Konferenzen, Filme, Workshops und Vorträge. In jedem Fall versprechen die Veranstaltungen ungewöhnliche Erfahrungen und Einblicke.

Raum für Experimente

Wie eben auch das Eröffnungskonzert. Das präsentiert mit „Clepsydra“ aus der Feder des 2008 verstorbenen Horaţiu Rădulescu gleich zwei selten aufgeführte Werke. Nach einer etwas längeren Pause, denn der Umbau für die Aufführung ist anspruchsvoll. Der aus Rumänien stammende französische Komponist hat ebenfalls einen komplexen Klangkosmos geschaffen. Für 16 mit Sound Icons. Ein Sound Icon ist ein auf der Seite liegender Flügel. Die sonst für das Publikum verborgenen Saiten werden mit verschiedenen Arten von Fäden gespielt. Etwa Nylonfäden, Angelschnüren, aber auch Bass-Saiten oder einem Kontrabassbogen.

Im antiken Griechenland wurde eine Wasseruhr Klepsydra genannt. Mittels zweier übereinander stehender Behälter, von denen der obere mit Wasser gefüllt war, das durch eine kleine Öffnung nach unten floss, wurde die Zeit gemessen. Mit diesem Thema stehen Rădulescus experimentelle Soundlandschaften ebenfalls ganz im Zeichen der Maerzmusik.

Informationen unter www.berlinerfestspiele.de