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Viel Theater rund ums Theater: „Vorhang auf für Cyrano“

„Cyrano de Bergerac“ wurde schon oft verfilmt. „Vorhang auf für Cyrano“ erzählt nun, wie holterdipolter der Bühnenklassiker entstand.

Der Mann, der Cyrano fürs Theater erdachte: Thomas Solivérès als Edmond Rostand.

Der Mann, der Cyrano fürs Theater erdachte: Thomas Solivérès als Edmond Rostand.

Foto: PROKINO

Was mit einem Reinfall beginnt, kann eigentlich nur mit einem Triumph enden. So steht am Anfang von „Vorhang auf für Cyrano“ ein Fiasko: Obwohl die berühmte Sarah Bernhardt auf der Bühne steht, langweilen sich die Zuschauer bei der Premiere von „Die entfernte Prinzessin“ zu Tode.

Das Stück stammt von einem jungen Autor namens Edmond Rostand. Er schreibt lieber in Versen als in Prosa, was im Paris der 1890er Jahre ungeheuer antiquiert wirkt. Die französische Metropole jener Jahre ist Europas Kulturhauptstadt. Und ein Ort von Innovation und ungeheurer Dynamik, nicht nur was Technik sondern vor allem auch, was soziale Normen anbelangt.

Alles ist Bewegung – auch die Dialoge

Alexis Michalik bringt dies in seinem Film unter anderem durch eine fliegende Kamera zum Ausdruck, die sich den Handlungsorten stets von oben nähert. Geradezu hastig schneidet er von Szene zu Szene; von Anfang an geht es drunter und drüber und rauf und runter. Alles ist in Bewegung – und der Großteil der Dialoge wird tatsächlich im Gehen gesprochen.

Zwei Jahre nach dem Misserfolg mit der „Entfernten Prinzessin“ bekommt Rostand (Thomas Solivérès) eine neue Chance: Er soll für den alternden Bühnenstar Constant Coquelin (Olivier Gourmet) ein Stück schreiben, von dem der sich die Rettung seiner Karriere erhofft.

Die Schmach der Niederlage überwinden

Der Zeitrahmen ist eng: Man schreibt Anfang Dezember 1897, die Premiere muss noch vor Jahresende stattfinden und den ersten Akt soll Rostand gleich am nächsten Morgen fertig haben. Der junge Mann fühlt sich verständlicherweise unter Druck gesetzt, zumal er die Schmach der Niederlage mit seinem vorigen Werk noch nicht überwunden hat.

Aber weil wir im sozial durchlässigen Paris sind, begegnet ihm im schwarzen Café-Besitzer Honoré (Jean-Michel Martial) eine Inspiration. Honoré nämlich teilt seine Vorliebe für Verse.

Und während sie sich gegenseitig reimend die Sätze ergänzen, erschaffen sie quasi gemeinsam die Gestalt, um die es im neuen Stück gehen soll: ein Poet, dem Spott ausgesetzt wie Rostand, aber geistreich wie Honoré, fabelhaft im Scheitern, kein Prinz, sondern ein Soldat, ein Musketier.

Und dann kommt ihnen die Hauptidee: Was, wenn er hässlich wäre, aber, so Honoré, schön durch sein Handeln? Als historisches Vorbild zieht er dabei einen Band des Poeten und Freidenkers Cyrano de Bergerac heraus.

Jeder Franzose weiß, dass „Cyrano de Bergerac“ eines, wenn nicht das erfolgreichste französische Bühnenstück aller Zeiten ist, weshalb spätestens an dieser Stelle des Films klar ist, dass alle Hindernisse, die der Inszenierung in den Weg gestellt werden, den unausweichlichen Triumph am Ende nur versüßen.

Aber Michalik inszeniert seine fiktive Entstehungsgeschichte, bei der nur die Rahmendaten stimmen, weiter so rasant, dass das bloße Zuschauen fast atemlos macht.

Das Stück wird direkt in die Filmhandlung übersetzt

Vertraute Themen des „Back Stage“-Films, wie die große Eitelkeit der Schauspieler, die Abgebrühtheit des technischen Personals und die zweifelhafte Moral der Geldgeber, mixt Michalik mit fein dosierten modernen Anspielungen auf Identitätspolitik und Frauenrechte.

Aber sein Hauptkunststück besteht darin, wie es ihm gelingt, den Charme des „Cyrano“-Stücks mit Versen und mit Witz direkt in seine Filmhandlung zu übersetzen.

Komödie F/B 2019 113 min., von Alexis Michalik, mit Thomas Solivérès, Olivier Gourmet, Mathilde Seigner