Varieté Wintergarten

Rebellisch und spektakulär: Die Show „Let’s twist again“

Mitreißende Musik und atemberaubende Akrobatik: Der Wintergarten überbietet sich mit seiner neuen Show selbst.

Konstantin Mouraviev zeigt, was man mit einem Rhönrad alles machen kann.

Konstantin Mouraviev zeigt, was man mit einem Rhönrad alles machen kann.

Foto: Magnus Winter

Wer im Varieté auftritt, ist durchtrainiert und trägt Size Zero. Bei Konstantin Mouraviev laufen die Dinge allerdings etwas anders. Zum Song „The Great Pretender“, auf deutsch „Der große Täuscher“, betritt er als Fat Man Funny die Bühne. Natürlich erkennt man, dass sein dicker Bauch nicht echt ist, aber aus der stromlinienförmigen Artisten-Optik fällt er definitiv heraus. Um dahin zu kommen, hat er sich als Anreiz ein Mister-Universe-Poster mitgebracht und übt sehr eifrig mit einem Gymnastikband. Wirbelt und tänzelt damit grazil herum wie eine Ballerina. Nur die Pfunde purzeln nicht. Also muss etwas Größeres daher. Ein Rhönrad. Damit rockt Mouraviev das Haus. Mister Universe ist vergessen und der Astralleib rückt in greifbare Nähe. Wäre bloß das Bierchen danach nicht.

Der Applaus will kein Ende nehmen

Gleich zu Beginn der neuen Show verbinden sich Artistik und Komik im Wintergarten auf höchstem Niveau. Damit nicht genug, denn „Let’s Twist Again“ steigert sich auf staunenswerte Weise in den kommenden zweieinhalb Stunden. Mit Akrobatik zum Dahinschmelzen und mitreißender Live-Musik, die ungeheuren Spaß macht. Kein Wunder, dass bei der Premiere in der rasanten wie finessenreichen Regie von Frank Müller der Applaus kein Ende nehmen wollte.

Die inhaltliche Klammer des Abends ist ein Gefühl von Aufbruch und Aufbegehren einer rebellischen Jugend. Gegen Rassismus und die Diskriminierung Andersdenkender. Was damals wie heute in die Zeit passt. Formvollendet eingefangen in der Musik der Fünfziger und Sechziger im Rockabilly, Rhythm Blues und Twist.

Vier großartige Sänger

Von Musikern wie Chuck Berry, Ray Charles und ihren Hits schlägt die Show einen Bogen bis heute. Mit einer famosen vierköpfigen Live-Band um den sensationellen Moe Jaksch, der seinen Kontrabass schlägt wie kein zweiter. Dazu kommen vier Sänger der Extraklasse. Fannie Wilken, Saudia Young, Lenard Streicher und Keye Katcher lassen einen die schmerzhaften Molltöne des Blues ebenso spüren wie die sprühend gute Laune des Twists. Sie alle begleiten die Artisten bei ihren Tricks auf kongeniale Weise.

Artistik der Weltklasse

Aufgenommen und unterstrichen werden die musikalischen Stimmungen von faszinierenden Bühnenbildern. Für Weltklasse-Artistik vom Trio Essence etwa. Das rotiert erst als Duo am Chinese-Pole unter anderem im Spagat synchron um die Stange und später zu dritt eine Hand-auf-Hand-Akrobatik mit Körperskulpturen wie vom anderen Stern zu zeigen.

Der Kubaner Donet Collazo erweist sich an den Strapaten und am selten präsentierten Flying Pole als König der Lüfte. Und das Duo Tempo Rouge zelebriert sowohl am Trapez als auch bei ihrer Tanzakrobatik eine eleganten Leidenschaft, mit der sie die Herzen des Publikums im Sturm erobern. Grandios auch Igor Boutorines beschwingte Hula-Hoop-Artistik im Blues-Brothers-Style.

Jonglieren in luftigen Höhen

Vladimir Omelchenko gelingt mit seinem Rockin’ Rola Rola gar ein atemberaubender Moment. Zum „Mambo No 5“ schichtet er Rolle auf Brett und balanciert in aller Seelenruhe jonglierend in drei Metern Höhen, während die Zuschauer vor Begeisterung regelrecht ausrasten.

Wintergarten Berlin, Potsdamer Str. 96, Tiergarten, Tel. 58 84 33, bis 30.6., Mi.-Sbd. 20 Uhr, So. 18 Uhr, außer 13. 17.3., 16.3. um 18 Uhr