Harald Juhnke

Ein Fest für Harald Juhnke in der Universität der Künste

Der große Schauspieler hätte in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag gefeiert. Der Entertainer Anthony Bauer jr. lädt zur großen Show.

Hat Juhnkes Biografie penibel studiert: Anthony Bauer jr.

Hat Juhnkes Biografie penibel studiert: Anthony Bauer jr.

Foto: jörg Krauthöfer /Funke Mediengruppe

Gerade in Berlin angekommen, ist Anthony Bauer jr. erst einmal zum Dahlemer Waldfriedhof gefahren. Zum Ehrengrab von Harald Juhnke. Der Gang war ihm wichtig. Der Zustand des Grabes indes wühlt den Hamburger Swing-Sänger auf: „Es ist eine Schande, wie es dort ausschaut.“ Für Bauer nur ein weiterer Hinweis darauf, dass die Erinnerung an Harald Juhnke in dessen Heimatstadt Berlin verblasst. Mit dem „Harald Juhnke Konzert“ zum 90. Geburtstag des legendären Entertainers möchte er ihm nun ein Denkmal setzen.

Er hat Verstärkung mitgebracht

Es soll eine würdige Show im Konzertsaal der Universität der Künste werden. Dafür spricht allein schon die Verstärkung, die Bauer mit an Bord geholt hat: Das Roy Frank Orchestra. Eine der besten Big Bands Deutschlands mit 24 Musikern unter der Leitung des Tenorsaxofonisten Roy Frank, der unter anderem weltweit mit Max Raabe tourt. Imitieren will Anthony Bauer jr. Harald Juhnke nicht: „Das wäre peinlich. Mir geht es darum, die Originalsongs auf höchstem Niveau zu präsentieren. Ziel ist es, dass die Zuschauer Harald Juhnke nach der Show googeln, weil sie mehr über ihn erfahren wollen“, sagt er ambitioniert.

Taxifahrer mussten seine Adresse lernen

Bis zu seinem Tod 2005 war Juhnke eine schillernde Persönlichkeit. Ein genialer Volksschauspieler, Komödiant, Entertainer, Conférencier und Sänger. Aber auch ein Alkoholiker, der einerseits zutiefst unter dieser Krankheit litt, sie andererseits jedoch immer wieder in öffentlichen Eskapaden auslebte. Die Adresse seiner mittlerweile abgerissenen Grunewald-Villa in der Lassenstraße, Ecke Koenigsallee war lange Zeit Teil der Taxiprüfungen. Wusste man doch nie, ob Juhnke sie selbst noch kannte, wenn er aus einem Lokal kam.

Ein brennender Wunsch

Triumphal hingegen waren viele der künstlerischen Erfolge des 1929 in Charlottenburg geborenen Stars. Harald Juhnke kam aus kleinen Verhältnissen, hat sich mit dem brennenden Wunsch, Schauspieler zu werden, hochgearbeitet und blieb auch als Prominenter nahbar. Was einer der Gründe war, warum er trotz seiner Abstürze ohne Wenn und Aber geliebt wurde.

Die wichtigste berufliche Entscheidung Juhnkes war sicherlich die Nachfolge des 1979 verstorbenen Peter Frankenfeld in der ZDF-Show „Musik ist Trumpf“. Da konnte Juhnke alle Register ziehen, sein unnachahmliches Talent als Entertainer und Sänger zeigen. Als Showmaster in Smoking und Lackschuhen im Stil seines Vorbilds Frank Sinatra. Dessen Song „My Way“ war Juhnkes Lebensmotto.

Der Hauptmann von Köpenick

Unvergessen sind aber auch seine großen Schauspielparts. 1995 etwa in der Titelrolle in der Verfilmung von Hans Falladas „Der Trinker“. Die Rolle seines Lebens, die Juhnke übrigens trocken ohne einen Tropfen Alkohol spielte. Oder „Der Hauptmann von Köpenick“. Vor der Verfilmung 1997 brillierte Juhnke bereits am Maxim Gorki Theater in der Regie von Katharina Thalbach als pfiffiger Wilhelm Voigt. Und da die Thalbach den Juhnke nur zu gut kannte, sorgte sie dafür, dass er nüchtern auf der Bühne stand. Sie patrouillierte während der Spielzeit Abend für Abend durch sämtliche Stammlokale Juhnkes, um im Notfall eingreifen zu können.

Barfuß oder Lackschuh

Als Harald Juhnke 2005 mit 75 Jahren starb, nahmen über 800 Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Gesellschaft sowie mehrere Tausend Fans bei einer Trauerfeier in Berlin Abschied von ihm. Wie 2018 bekannt wurde, soll sein bewegtes Leben anlässlich seines 90. Geburtstags mit einem Film und einem Musical gewürdigt werden. Und Anthony Bauer jr. zelebriert am 27. März eine konzertante Hommage. Mit Juhnkes Hits wie „Barfuß oder Lackschuh“ und vielen Sinatra-Klassikern wie „Berlin, Berlin“ mit Juhnkes augenzwinkernden deutschen Texten.

Die Wachsfigur zog ein

Ein Jahr lang hat sich Bauer intensiv darauf vorbereitet. Sich mit Juhnkes Biografie und seinem kreativen Schaffen beschäftigt. Mehr noch: Juhnke hat quasi bei ihm und seiner Familie in Hamburg gelebt. In Form der Wachsfigur aus dem ehemaligen Berliner Panoptikum. Vor allem aber hat sich Bauer eingehend in Juhnkes Songs vertieft.

Gebürtig in Freiburg, stammt der 47-Jährige aus einer Hochseilartisten-Familie. Ursprünglich verdiente er sein Geld als Artist und Stuntman. Gesungen hat er aber seit er denken kann. Beruflich kam er jedoch auf Umwegen dazu, als ihn seine Tochter 2008 heimlich zur Show „Deutschland sucht das Supertalent“ anmeldete. Er kam ins Finale und Juror Dieter Bohlen riet ihm hinterher: „Geh nicht mehr aufs Hochseil. Bleib bei der Musik.“

Swing im Blut

Dass er den Swing im Blut hat, beweist er nun mit seiner „Harald Juhnke Show“. Mit einem besonderen Clou für Berliner Fans: Beim Kauf einer Karte gibt ein weiteres Ticket geschenkt dazu.