„Eine Frau gibt Auskunft“

„Mutti und Beyoncé“ - Barbara Schöneberger im Tempodrom

Ihre Stimme ist ausbaufähig, doch die Pointen sitzen noch besser als ihr blaues Catsuit - Barbara Schöneberger überzeugt im Tempodrom.

Barbara Schöneberger (Archivbild)

Barbara Schöneberger (Archivbild)

Foto: Jens Kalaene / dpa

Berlin.  Es ist die Überraschung kurz vor Ende des Konzerts, als Adel Tawil die Bühne betritt und gemeinsam mit Barbara Schöneberger den Ich + Ich-Hit „So soll es bleiben“ anstimmt. Das ausverkaufte Tempodrom brodelt vor Begeisterung, während die Schöneberger Richtung Tawil scherzt: „Neben dir sehe ich aus wie Olivia Jones.“ Und damit prompt den Saal zum Toben bringt.

Fast drei Stunden lang liegen die Zuschauer der 45-Jährigen zu Füßen. Dabei ist ihre 2006 gestartete Karriere als Sängerin nur ihr Dritt- oder Viertjob. Nach der Moderation, der Werbung, der nach ihr benannten Zeitschrift „Barbara“, dem eigenen 24-Stunden Rundfunkprogramm „Barba Radio“, der eigenen Tapeten-Kollektion und vielem mehr. Man hört es auch. Die Schöneberger singt mit viel Herzblut, aber nicht unbedingt wirklich gut. Macht aber nichts. Denn mit ihrer umwerfend großen Klappe bietet die Wahlberlinerin allerfeinstes Entertainment und Gags im Sekundentakt.

Der Mut, nicht perfekt zu sein

Selbstironisch bekennt sie singend „Bin ‘ne Mutti mit ’nem Schuss Beyoncé“. Vom US-Star hat sie sich auch modisch inspirieren lassen. So trägt zeigt sie ihre durchaus recht stabilen Beine nur schwarz bestrumpft zum Frack. Vielleicht etwas gewagt, was die Ästhetik betrifft. Doch bei diesem Anblick gehören ihr nicht nur die Herzen der Frauen, sondern auch die der Männer. Für ihre authentische Art. Und den Mut, nicht hundert Prozent perfekt zu sein. Mit ihrer blonden Mähne schaut sie dennoch stets großartig aus. Egal, wie sehr das Outfit einengt. Die Schöneberger trägt etwas später sogar ein blaues Catsuit mit souveräner Nonchalance.

Natürlich gibt es auch jede Menge Musik. Vor allem vom 2018 erschienenen, mittlerweile vierten Album „Eine Frau gibt Auskunft“, nach dem auch die aktuelle Tour benannt ist. Eine Mischung aus Deutsch-Pop und Schlager. Da gesteht sie, dass sie gern so schick französisch wäre wie „Isabell Huppert“. Und sie lästert über die „Happy Patchwork Family“.

Mit ihrem Charme wickelt sie alle um den Finger

Begleitet von einer sechsköpfigen Band und Sängerin Nathalie Tineo, hat die Schöneberger auch Coverversionen von Sängerinnen im Gepäck, die sie beeinflusst haben. Natürlich von Beyoncé, aber auch von Whitney Houston und Mary Roos. Gesanglich überhebt sie sich an allen dreien. Mit ihrer ungebremsten Leidenschaft macht sie dieses Manko aber allemal wett.

Richtig gelungen indes sind ihre eigenen Hits. Vor allem „Männer muss man loben“. Barbara Schöneberger arbeitet darin mit der Lupe die Dinge heraus, die er im Alltag schafft. Schlicht nach Hause kommen etwa, Blumen von der Tankstelle mitbringen oder den Einkaufszettel fast richtig abarbeiten. Selbst die Männer schmelzen dabei hin. Was auch daran liegen könnte, dass die Babsi mit ihrem grünen, hochgeschlitzten Kleide und der hochgesteckten Pferdeschwanz-Frisur frappant an die bezaubernde Jeannie erinnert. Die hat mit ihrem Charme bekanntlich jeden um den kleinen Finger gewickelt. Ganz so wie die Schöneberger.