Ausstellung

Wie die Berliner Mauer nach Bulgarien kam

Plovdiv, eine der beiden Kulturhauptstädte Europas, zeigt Relikte des Grenzwalls mit verschiedenen Street-Art-Kunstwerken.

Lou Reed auf einem Teil der Berliner Mauer in der Innenstadt von Plowdiw.

Lou Reed auf einem Teil der Berliner Mauer in der Innenstadt von Plowdiw.

Foto: dpa Picture-Alliance / Str / picture alliance/AP Photo

Vor den uralten Mauern im Zentrum der 8000-jährigen Plovdiv ist derzeit eine europäische Ausstellung zu sehen: die einzige fahrende Kollektion aus Original-Fragmenten der Berliner Mauer. Bis Ende März wird die Installation mit dem Namen „Die Kunst der Freiheit - von der Berliner Mauer bis zur Street Art“ unter dem Motto „Art Liberté“ hier auf Zwischenstopp verweilen und in der diesjährigen Europäischen Kulturhauptstadt Plovdiv künstlerische Akzente setzen.

Auch Trabis werden ausgestellt

Und so ist die Präsentation der Mauer-Kollektion symbolträchtiger Programm-Punkt und Auftakt-Veranstaltung des Projektes „Plovdiv 2019 - Europäische Kulturhauptstadt“. Das Kunst-Objekt, erschaffen vom bekannten französischen Kurator Sylvestre Verger, erinnert an den historischen Akt des Falles der Berliner Mauer 1989. Auf den 30 Beton-Stücken haben sich bekannte Street-Art-Künstler aus über 20 Ländern Europas und der Welt verewigt: hauptsächlich Symbolkünstler, die die Westseite der Mauer vor 1989 illustriert haben.

Zur Ausstellung gehören neben den Kunstwerken drei Automobile der Marke „Trabant“ - bemalt von den Künstlern Thierry Noir, Christophe-Emmanuel Bouchet und Kiddy Citny. Besondere Akzente setzen die Porträts von David Bowie, Iggy Pop und Lou Reed auf drei Meter großen Mauerfragmenten: Werke der Street-Art-Künstler Jimmy C aus Australien und Jef Aérosol aus Frankreich, der zur Enthüllung in Plovdiv anwesend war, auch, um den 30. Jahrestag des Mauerfalls als wichtiges historisches Ereignis für alle Deutschen zu würdigen.

Der Wert der Kollektion wird auf eine Million Euro geschätzt

Die knapp 18 Tonnen schwere französische Kollektion, deren Wert auf eine Million Euro geschätzt wird, kam direkt aus Versailles nach Plovdiv. Der stellvertretende Direktor der Stiftung „Plovdiv 2019“ Viktor Jankov erklärt die Herkunftsgeschichte: „In den 90er-Jahren gab es in Berlin eine Auktion, auf der die Kollektion gekauft wurde. Bis zum jetzigen Zeitpunkt ist sie in viele europäische Hauptstädte gereist, und heute reiht sich Plovdiv mit ein.“

Die internationale Tour der Ausstellung führte von 1991 bis 2015 durch Madrid, Lyon, Nikosia, Köln, Genf, Paris, Berlin und Moskau, bevor sie 2015 wieder Paris erreichte.

Kurzfilme, Gespräche, Debatten

Die Sammlung präsentiert sowohl Vorläufer der Berliner Street Art Kunst aus den 1980er-Jahren als auch Street Art Künstler der Gegenwart, darunter Thierry Noir, Christophe-Emmanuel Bouchet, Kiddy Citny, Indiano, Heinz J. Kuzdas und Peter Unsicker. Gezeigt werden zudem Werke international anerkannter Straßenkünstler wie Jef Aérosol (Frankreich), John Crash Matos (USA), DALeast (China), FAITH47 (Südafrika), Jimmy C (Australien), L7m (Brasilien), 1UP (Deutschland), John Dolan (Großbritannien).

Zum Ausstellungskonzept gehören eine Reihe von begleitenden Veranstaltungen: Vorführungen von mehr als 30 Kurzfilmen etwa, Treffen und Gespräche mit einem Teil der Künstler bis hin zu politische Debatten, Konzerten und Dokumentar-Fotoausstellungen zur Berliner Mauer. Bemerkenswert auch der Begleit-Katalog: Als weltweit erster unterstützt er die Zuschauer dabei, den Entstehungsprozess eines jeden Kunstwerks zu entdecken - mit Hilfe von QR-Codes.

Ein Fragment wird vor Ort bleiben

Ermöglicht und realisiert wird das Projekt von der Stiftung „Plovdiv 2019“ in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit dem Französischen Kulturinstitut und der Deutschen Botschaft in Bulgarien. Und so waren auch hochrangige Gäste bei der Eröffnung auf dem Platz „Römisches Stadion“ in der Kulturhauptstadt anwesend, darunter die Vorsitzende des Bulgarischen Parlaments Zweta Karajantschewa, mehrere Diplomaten und Minister, die Botschafter von Frankreich und Deutschland Eric Lebédel und Herbert Salber. Die Eröffnungsrede hielt der Plovdiver Bürgermeister Iwan Totew. In seinen Grußworten hob er hervor, dass „Plovdiv die erste Stadt ist, die den 30. Jahrestag des Berliner Mauerfalls würdigt und dass eines der 30 Originalfragmente der Mauer für immer in der Stadt unter den Hügeln bleiben“ wird.