Das erste Mal

Das späte Theaterdebüt von Jochen Schropp

In „Monsieur Pierre geht online“ geht der Moderator Jochen Schropp erstmals „on stage“. Das sieht er auch als Altersvorsorge.

Moderator und Schauspieler Jochen Schropp in der Kudamm-Komödie im Schillertheater.. Der Fernsehturm ist nur Bühnenkulisse.

Moderator und Schauspieler Jochen Schropp in der Kudamm-Komödie im Schillertheater.. Der Fernsehturm ist nur Bühnenkulisse.

Foto: Jörg Krauthöfer

Jochen Schropp ist schon seit 20 Jahren im Geschäft, erst als Schauspieler, dann auch als Moderator. Aber noch nie hat der 40-Jährige Theater gespielt. Jetzt gibt er da sein spätes Debüt. In der Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater probt er gerade „Monsieur Pierre geht online“, die Bühnenadaption der französischen Filmkomödie, die am Sonntag uraufgeführt wird. Eine für ihn ganz ungewohnte Herausforderung, einmal nicht allein im Fokus zu stehen, die er aber durchaus genießt. Wir trafen ihn vor der Probe im Theater.

Berliner Morgenpost: Sie sind schon so lange im Geschäft, aber „Monsieur Pierre geht online“ ist tatsächlich Ihr Theaterdebüt?

Jochen Schropp: Seit der Schauspielschule, die ist schon 20 Jahre her. Ich war auch mal Statist am Stadttheater, das sind 30 Jahre. Aber professionell stand ich noch nie auf einer Bühne.

Und hat man da Lampenfieber?

Das kommt wahrscheinlich, wenn ich vergesse, mit einem Requisit auf die Bühne zu gehen oder mir ein Satz nicht einfällt. Aber im Moment habe ich noch kein Lampenfieber. Da will ich eigentlich nur, dass es losgeht. Über so lange Zeit so viel zu proben, das bin ich einfach nicht mehr gewohnt. Bei den meisten Fernsehproduktionen, das muss ich leider sagen, wird gar nicht mehr geprobt. Nur mal kurz vor dem Take. Von daher hat mir das jetzt für die Schauspielerei den Blick wieder geöffnet. Da eine Figur erschaffen zu dürfen, und dann gleich eine Hauptrolle, das macht schon Freude.

Wollten Sie früher nie Theater spielen oder hat es sich nur nie ergeben?

Die ersten zehn Jahre meines professionellen Lebens war ich schon hauptsächlich Schauspieler. Da hätte ich hier und da auch gern Theater gespielt. Ich habe mich sogar mal hier an der Komödie am Ku’damm beworben. Aber dann musste ich drehen und konnte nicht zum Vorsprechen. Dann kam irgendwann die Moderation, da hatte ich dann keine Zeit und auch keinen Kopf dafür. Es gab Anfragen von Häusern außerhalb von Berlin, das passte einfach nicht. Aber als jetzt die Anfrage kam, ist mir gerade ein anderer Job geplatzt, zwei Tage vorher. Damit blieb ein Zeitfenster auf. Das Stück hat mich direkt angesprochen. Ich hatte da ein gutes Gefühl. Und auf mein Bauchgefühl kann ich mich eigentlich immer verlassen.

Ist das jetzt ein besonderer Erwartungsdruck, das Bühnendebüt, auch noch mit einer Uraufführung und gleich in der Hauptstadt?

Na, das habe ich mir ja so ausgesucht! (lacht) Ich merke jetzt schon, und das habe ich vielleicht ein bisschen unterschätzt, dass natürlich gerade wegen mir Leute ins Theater kommen. Und ich weiß natürlich, wie gehässig und böse Menschen sein können, besonders Kollegen. Vieles ist Geschmacksache, da muss ich meinem Regisseur vertrauen. Als Moderator fühle ich mich sicher. Da bin ich es gewohnt, allein auf der Bühne zu stehen. Bei viereinhalb Stunden Frühstücksfernsehen live geht auch mal was daneben, da muss man improvisieren. Jetzt auf der Bühne ist das etwas ganz anderes, auch im Ensemble, da ist man ja auch von anderen abhängig. Aber bei Walter Plathe und Manon Straché bin ich ja in guter Gesellschaft!

Frühstücksfernsehen und abends Theater spielen, das ist vermutlich so ziemlich das krasseste Gegenprogramm?

Fürs Frühstücksfernsehen stehe ich um viertel vor drei Uhr auf. Deshalb musste ich jetzt eine Pause einlegen, so sehr mir das auch leid tut für unsere Zuschauer, die fragen schon, warum ich so lange weg bin. Ich habe das eine Zeit lang auch gleichzeitig gemacht, morgens Fernsehen und mittags Theaterprobe, aber das ist nicht zu schaffen. Abends zu arbeiten, passt sicher besser zu meinem Lebensrhythmus. Daran werde ich mich beim Frühstücksfernsehen wohl nie gewöhnen. Aber die Sendung macht sehr viel Spaß, und ich habe ein tolles Team. Da beißt man gerne die Zähne zusammen.

Der Schauspieler Jochen Schropp ist ja über den Moderator Jochen Schropp ein wenig verloren gegangen. Könnte das wieder mehr werden, haben Sie jetzt womöglich auch fürs Theater Blut geleckt?

Da ist schon eine Sehnsucht, wieder öfter zu spielen. Die war auch nie ganz weg, nur unterdrückt. Ich merke gerade, wie gut mir das tut. Ich sehe das auch als eine Art „Altersvorsorge“. Ob ich mit Mitte 50 noch ein gefragter Moderator sein werde, sei mal dahingestellt. Aber Rollen für Mittfünfzigjährige wird es wohl immer geben.

„Monsieur Pierre geht online“ basiert auf einer französischen Filmkomödie. Hat man da Angst vor einem Vergleich?

Nicht wirklich. So gern ich französisches Kino habe, überzeugt hatte mich der Film nicht. Der konnte sich nie so ganz entscheiden, ob er jetzt Komödie sein will oder doch Drama. Da sind wir mit der Bühnenbearbeitung viel frecher. Ich mag Boulevard. Und ich mag auch, wenn’s ein bisschen überzeichnet ist. Ich finde, was wir da tun, runder und schlüssiger.

Walter Plathe spielt da einen Rentner, der nicht mit Handys und Computer umgeht. Und sie müssen es ihm beibringen.

Das ist wie im echten Leben. Walter hat keine Ahnung. Weder vom Internet noch von Smartphones. Er hat noch nie eine Email geschrieben. Neulich schrieb er mir immerhin eine SMS, hat mir dann aber gestanden, dass das eine Freundin gemacht hat. Aber es ist ein Geschenk, mit ihm spielen zu dürfen. Er wohnt auch nur zwei Minuten von mir weg. Da hat er mich zum Textlernen schon mal zum Möhrcheneintopf eingeladen. Walter hat überhaupt keine Attitüde. Und er hat ja auch selbst als Moderator gearbeitet, bei „Ein Kessel Buntes“ etwa. Deswegen war er mir gegenüber total offen.

Sie dagegen sind technikmäßig auf dem neuesten Stand. Sie haben 73.000 Follower auf Instagram und 46.000 auf Facebook. Ist das eine Art Zweitleben, muss man als öffentliche Figur immer präsent sein?

Ich such mir schon aus, was ich poste oder nicht. Aber ich nutz keine Apps, um mich muskulöser oder glatter zu machen. Das liegt mir fern. Ich versuche, da immer so authentisch wie möglich zu sein. Social Media gehört heutzutage wohl einfach dazu. Und ist sicherlich mittlerweile auch wichtig, um Jobs zu bekommen. Ich bin auch bislang von Hass oder Shitstorms, wie Reality Stars sie zuweilen abbekommen, verschont geblieben. Darüber bin ich sehr dankbar.

Sie haben sich letztes Jahr als schwul geoutet. Warum so spät? Ist das immer noch mit Risiken behaftet, wenn man in der Öffentlichkeit steht? Bleiben dann die Angebote aus?

Das hat sich bei mir zumindest nicht bewahrheitet. Das mag für Kollegen gelten, deren Karriere darauf gründen, von jungen Frauen angehimmelt zu werden. Ich habe lange überlegt, wann der richtige Zeitpunkt ist. Aber ich bin froh, dass ich es gemacht habe. Das sollte heute eigentlich kein Problem mehr sein. Ich finde es schade, dass wir da in Deutschland noch immer nicht so weit sind.

Sind Sie jetzt selbst befreiter, seit Sie den Schritt gemacht haben?

Ja, schon. Ich habe das Gefühl, dass ich jetzt mehr ich selbst sein darf, auch in den sozialen Medien. Und dass ich jetzt eine Stimme haben darf, die ich mir vorher verboten habe. Und ist doch schön, wenn ich damit anderen Mut machen kann.