Kulturkampf

Wie sich Berlins Theater gegen rechte Provokateure wappnen

AfD und "Identitäre Bewegung": Im Deutschen Theater wird eine Broschüre „Zum Umgang mit dem Kulturkampf von rechts“ vorgestellt.

Ulrich Khuon, Bianca Klose und Kultursenator Klaus Lederer (v.l.) mit der Broschüre.

Ulrich Khuon, Bianca Klose und Kultursenator Klaus Lederer (v.l.) mit der Broschüre.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Die Präsentation der Handreichung „Alles nur Theater? Zum Umgang mit dem Kulturkampf von rechts“ fand am Donnerstag im Deutschen Theater (DT) statt. Der Ort bot sich aus zweierlei Gründen an. Auf seinem Vorplatz fand bei einem Sommerprojekt 2018 eine Störaktion durch die „Identitäre Bewegung“ statt. Die Rechtsextremen entrollten ein Transparent, warfen Flugblätter, skandierten Parolen. Das Ganze wurde für Youtube aufgezeichnet.

Der zweite Grund liegt im DT-Intendanten Ulrich Khuon selbst. Er ist zugleich Präsident des Deutschen Bühnenvereins und hatte sich deutlich gegen die AfD positioniert. Abgeordnete der AfD beantragten im Kulturausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses, dem Deutschen Theater die Zuschüsse zu kürzen. Damit sind zwei Strategien des Kulturkampfs von rechts beschrieben: Veranstaltungen kapern und parlamentarisch gegen Kulturinstitutionen vorgehen.

Die erste Phase der Verunsicherung ist vorbei

Intendant Khuon saß am Donnerstag mit auf dem Podium. Er verkörperte am deutlichsten, was zu tun ist: sich als Theatermann in selbstbewusste Gelassenheit hüllen. Offenbar ist die erste Phase der Verunsicherung bereits vorbei, 2300 Institute haben sich deutschlandweit über das Projekt „Die Vielen“ verbündet. „Wir müssen eine andere künstlerische Öffentlichkeit schaffen, damit wir sichtbarer werden“, sagte Khuon. Denn bei den Bedrohungen gehe es „ganz real um die Freiheit von Kunst“, die eingeschränkt werden soll.

Erarbeitet wurde die 35-seitige Handreichung, die Inhalte, Motive und Techniken des Kulturkampfes erläutert, von der „Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin“ (MBR). Projektleiterin Bianca Klose sagte, dass die Zunahme rechter Anfeindungen des Kunst- und Kulturbetriebs beispielhaft für den gesellschaftlichen Rechtsruck stehe. Auch sie rät den Theatern, klare Haltung zu zeigen und nicht zurückzuweichen. Das gelegentlich vorgeschobene Neutralitätsgebot sei bereits eine Art Unterwerfung.

Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sagte, dass auch die Politik gefragt sei, dem „Kulturkampf von rechts“ etwas entgegenzusetzen. Die mobilen Berater wollen auf ihren Leitfaden für die Theater einen zweiten Teil für die Museen folgen lassen. Die beste Erklärung, warum diese einen eigenen brauchen, gibt Khuon. Die Theater sind deutschlandweit so stabil, weil sie aus größeren Künstlerkollektiven bestehen. Die halten einiges aus. Das sei bei den Museen anders.

Auf die Frage an DT-Chef Khuon, ob er denn zehn Karten an Götz Kubitschek, den neurechten Publizisten, verkaufen würde, reagierte der zögerlicher. Und deutlich gelassener als Berndt Schmidt, der Intendant des Friedrichstadt-Palastes, der nach der Bundestagswahl 2017 sofort mitteilte, er wolle das Eintrittsgeld von AfD-Wählern nicht haben. Auch dem Friedrichstadt-Palast sollten auf AfD-Betreiben hin Zuschüsse gekürzt werden, und es gab verschiedene Bedrohungen.

Bei der Vorstellung am Donnerstag wurde betont, man müsse zwischen Wählern und Ideologievertretern unterscheiden. Darüber hinaus seien rechtspopulistische Positionen, so steht es in der Handreichung, „derart weit verbreitet und alltäglich, dass mitunter ein Dialog unvermeidlich scheint.“ Ein Podium müsse man deren Vertretern aber nicht geben.

Mehr zum Thema:

Wie Klaus Lederer zu Berlins beliebtestem Politiker wurde

Streit um Friedrichstadt-Palast: Angriff auf Kunstfreiheit

Friedrichstadt-Palast-Intendant: Auch AfD-Wähler willkommen

Intendant erntet nach AfD-Brandbrief Hassmails und Protest

Die „Identitäre Bewegung“ ist jung, hip – und rechtsradikal