Berlinale

Der kurze Moment mit dem Promi

Autogramme sind schon fast altmodisch. Heute wollen die Fans vor allem ein Selfie mit ihrem Star machen. Und nehmen dafür einiges auf sich

Das gehört zum Teppich dazu: Autogramme geben und sich fotografieren lassen wie hier  Bill Nighy.

Das gehört zum Teppich dazu: Autogramme geben und sich fotografieren lassen wie hier Bill Nighy.

Foto: Reto Klar

Am Ende hat es für Heike doch noch geklappt. Stolz hält sie das Autogramm von Hollywoodstar Christian Bale in den Händen. Für die Nicht-Eingeweihten lediglich ein krakeliger, unleserlicher Schriftzug. Für die schlanke Brünette aus dem sauerländischen Kierspe ein Heiligtum. Sie hat lange darauf gewartet und am Schluss sogar noch ein bisschen gekämpft, um am roten Teppich die optimale Position zu finden. Ein sanfter Ellenbogeneinsatz war nötig, um ganz vorn zu stehen und ja nicht wieder leer auszugehen bei den Autogrammen.

Am Mittag hatte sie nämlich schon geduldig am Seiteneingang des Hotels „Grand Hyatt“ ausgeharrt. Christian Bale wurde dort zur Pressekonferenz anlässlich seines neuen Filmes „Vice“ erwartet. Doch der Schauspieler verspätete sich. Und hatte in der Folge wenig Zeit für seine Fans. Heike hat es locker genommen. „Ich wusste ja, dass es später noch eine Gelegenheit gibt, um an ein Autogramm zu kommen“, sagt sie.

Für die Berlinale hat sie sich extra eine Woche Urlaub genommen. Nicht um die Filme zu gucken, wie man meinen könnte. Die 44-Jährige ist ausschließlich auf der Jagd nach Autogrammen. Nicht verbissen oder gar um jeden Preis. Aber den ein oder anderen Promi-Schriftzug als Beute wünscht sie sich schon. Die Berlinale-Jurypräsidentin Juliette Binoche etwa steht ganz oben auf ihrer Liste. Ansonsten genießt Heike auch gern das Festivalflair am Potsdamer Platz. Die stimmige Atmosphäre ist ihr nämlich mindestens so wichtig wie die Celebrity-Signaturen.

Am Abend ist Jörg an ihrer Seite, ein Freund aus Steglitz, der ebenfalls Autogramme sammelt. Zumindest ab und zu. „Von Christian Bale habe ich gerade nur ein Foto gemacht“, erklärt er. Die Schnappschüsse von den Stars lösen offenbar zumindest partiell die Autogramme ab. Jörg hat noch weitere Fotos vom roten Berlinale-Teppich. Von Heike Makatsch und Iris Berben. Heike indes sind Autogramme in der Hand lieber als digitale Pixel auf dem Smartphone. Um die begehrten Autogramme zu ergattern, hat sie, wie die meisten Autogrammjäger auch, das „Berlinale-Journal“ dabei. So weiß sie, wann ­welche Stars auf dem Festival erwartet werden. Zudem tauscht sie sich mit Gleichgesinnten aus. Es gibt auch professionelle Autogrammjäger: Händler und ihre Helfer, die Autogramme im Internet verkaufen und davon leben. Von den Hobby-Autogrammjägern mag sie eigentlich keiner, weil sie oft rücksichtslos vorgehen.

Heike und Jörg würden nie Autogramme bei Ebay kaufen. „Wo bleibt denn da der Spaß und der kurze Moment mit dem Promi?“, fragen sie erstaunt. Für sie zählt nur, was sie selbst gesammelt haben. Dieser Abend hat sich für sie allemal gelohnt. Zufrieden gehen sie auf einen Absacker in die „Vox Bar“. Um noch einmal gemeinsam in der Erinnerung an diesen besonderen Moment mit Christian Bale zu schwelgen. Und um den nächsten Beutezug zu besprechen. Die Bar ist übrigens ein angesagter Treffpunkt während der Berlinale. Hat man Glück, sitzt dort schon der nächste Prominente und ist bereit, ein Autogramm zu geben.