Konzert in Berlin

Gisbert zu Knyphausen: Das Kesselhaus lauscht andächtig

Der Liedermacher aus dem hessischen Rheingau spielt den umjubelten Abschlussgig einer schier unendlichen Tour.

Der Sänger Gisbert zu Knyphausen (Archivbild).

Der Sänger Gisbert zu Knyphausen (Archivbild).

Foto: Peter Kneffel / picture alliance / Peter Kneffel/picture alliance

Berlin. Selbst in der hintersten Reihe hat man ein schlechtes Gewissen, sobald man einmal mit seinem Nachbarn redet. Das kommt selten vor in einem so großen Saal, doch am Sonntagabend lauscht das ausverkaufte Kesselhaus so andächtig versunken den Liedern von Gisbert zu Knyphausen, dass jegliches fröhliche Geplapper deplaziert wirkt. Der Liedermacher aus dem hessischen Rheingau spielt den umjubelten Abschlussgig einer schier unendlichen Tour, mit der er seine aktuelle Platte „Das Licht dieser Welt“ bewirbt.

Wirklich neu ist die nicht mehr, sondern schon 2017 erschienen. Der Hype um Knyphausen hat seitdem aber so viel Fahrt aufgenommen, dass er seit anderthalb Jahren fast ununterbrochen auf Tournee ist. Zuvor hatte er sieben Jahre lang nichts veröffentlicht, war, nachdem sein Freund und musikalischer Partner Nils Koppruch unerwartet verstorben war, stattdessen gereist und musste neue Schaffenskraft finden. Es ist ihm gelungen.

Lange Zeit war Knyphausen als klassischer Singer und Songwriter allein mit seiner Gitarre unterwegs. Fans schätzen seine poetischen Texte, die weder von Pathos triefen, noch übermäßig verkopft sind. Mit seiner angenehmen Stimme verbreitet er Melancholie in Hülle und Fülle, ein sensibler Geist, dessen geringstes Problem die Frauenquote im Publikum ist. Das Kesselhaus verwandelt er im Handumdrehen in eine schmusende Masse, durch die man sich kaum den Weg zur Bar freikämpfen kann.

Das Publikum wird selig eingelullt

Mit dem neuen Album hat Knyphausen eine Metamorphose vollzogen, indem er eine überaus taugliche Band eingespannt hat. Fast alles Multiinstrumentalisten, an Schlagzeug, Percussions oder Klavier, die Bühnenassistenz muss gefühlt mindestens zwei Gitarren pro Song austauschen. Außerdem reichern Blechbläser an Trompete und Posaune das Klangbild wohltuend an. Die Bühne ist dazu in stimmungsvollen Messingglanz getaucht, genial einfach mit aus Schlagzeugbecken gebastelten Lampen erzeugt.

Die neuen Möglichkeiten gipfeln allerdings in immer gleichen Arrangements. Es geht sanft los, in alter Singer-Songwriter-Manier, und irgendwann setzt vorsichtig die Band mit ein und alles fängt an, ein wenig nach Calexico zu klingen. Bis schließlich mit Bläsern und E-Gitarren alles ausgeschöpft wird, was so eine sechsköpfige Formation anstellen kann. Mitunter wird es fast noisig, immer aber fallen die Songs zum Ende hin noch einmal zurück in die empfindsamen Anfangsakkorde. So baut sich praktisch jedes Stück auf und ab und man kann durchaus sagen: Es klingt alles immer gleich.

Immer gleich schön vielleicht, das Publikum ist ohne Frage selig eingelullt und stört sich überhaupt nicht daran, dass das ganze Konzert wie ein einziger Song wirkt. Im Gegenteil, mit der ersten Zugabe „Das Licht dieser Welt“ lässt es Knyphausen noch lange nicht ziehen. Er legt noch mehrere Lieder nach und macht den Saal restlos glücklich.

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