Berliner Bühnen

Für Barrie Kosky ist 2022 an der Komischen Oper Schluss

Der Australier Barrie Kosky wird seinen Vertrag an der Komischen Oper nicht verlängern. Der Intendant will aber in Berlin bleiben.

Kosky ist seit der Spielzeit 2012/2013 Intendant an der Komischen Oper.

Kosky ist seit der Spielzeit 2012/2013 Intendant an der Komischen Oper.

Foto: pa

Berlin. Es steckt – typisch Regisseur – einige Verwirrung in dem Vorgang. Während in der Komischen Oper gerade die Premiere seiner Inszenierung von Puccinis „La Bohème“ läuft, bestätigt Barrie Kosky in der RBB-„Abendschau“, dass seine Intendanz am Haus 2022 endet. „Es kann sein, dass meine Verbindung mit der Komischen Oper bleibt, ich bleibe in Berlin“, sagt der gebürtige Australier: „Aber es gibt keine Änderung zu meiner Entscheidung, dass meine Intendanz 2022 enden wird.“ Die eigentliche Information ist, dass es im Hintergrund Verhandlungen gibt. Aus dem Opernhaus hieß es, dass es demnächst eine Pressekonferenz dazu geben wird. Dann wird es wohl darum gehen, wer das Ensemble durch die bevorstehende Sanierungsphase des Hauses führen wird und ob Kosky etwa als Chefregisseur erhalten bleibt. In der zuständigen Senatsverwaltung hüllte man sich am Montag in Schweigen.

2022 soll eine mehrjährige Sanierung beginnen

Tatsächlich hatte der Regisseur schon bei seinem Amtsantritt als Intendant 2012 gesagt, er würde nie länger als zehn Jahre ein solches Amt an einem Haus haben wollen. Da steckte aber noch viel Koketterie – der Künstler, der sich ständig neu erfinden muss – mit drin. Als der lettische Dirigent Ainars Rubikis vor zwei Jahren als neuer Generalmusikdirektor der Komischen Oper vorgestellt wurde, wich Kosky der Frage nach seinem Vertragsende aus. Dabei lag die Frage auf der Hand, weil Rubikis’ Vertragslaufzeit an Koskys Vertragsende gekoppelt wurde. Der anwesende Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sprang in die Diskussion mit ein und versicherte, dass man alles tun werde, um einen beliebten Künstler wie Barrie Kosky in Berlin zu halten. Man würde miteinander reden. Dann wurde es still, und Kosky verschanzte sich vorsorglich hinter dem ursprünglichen Vertragsende. Was er aber bislang nie wirklich laut sagte. Nahestehende bemerkten aber seine zunehmende Unlust am Intendantendasein.

2022 bedeutet eine große Zäsur für die Komische Oper. Das Opernhaus in Mitte soll sich einer fünfjährigen Sanierung unterziehen, und man kann in Berlin getrost davon ausgehen, dass es länger dauern wird. Kosky hatte als Intendant immer eine klare Meinung dazu. Die hat er offenbar auch aus Gesprächen mit dem früheren Staatsopern-Intendanten Jürgen Flimm gezogen. Der war geholt worden, um die dreijährige Sanierungsphase der Staatsoper Unter den Linden zu begleiten. Es hat ihn viele Nerven gekostet. Die Sanierung dauerte schließlich sieben Jahre und wurde ein Berliner Bauskandal. Das Ensemble verharrte so lange im Charlottenburger Schiller-Theater und verlor reichlich Publikum. Kosky sträubte sich immer gegen das Ausweichquartier Schiller-Theater. Der Umzug sei ein „Todesstoß“ für sein Haus, sagte er einmal.

Kosky wollte nie den Flimm spielen und mit Bauhelm über eine Baustelle schlendern müssen. Sein Gegenmodell einer überall in der Stadt projektartig spielenden Komischen Oper fand offenbar wenig Gehör in der Berliner Kulturpolitik. Und einer Sanierung bei laufendem Betrieb erteilte Lederer eine klare Absage. „Das wird nicht funktionieren, das ist nicht machbar“, sagte er im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses. Derzeit sitzt die Komödie am Kurfürstendamm in der Ausweichspielstätte Schiller-Theater.

Wer jetzt am Sonntag in der „La Bohème“-Premiere einmal zur Saaldecke im Zuschauerraum hochschaute, konnte das riesige Fangnetz sehen, das einen vor herabfallenden Teilen schützen soll. Das Thema Sanierung ist überfällig. Möglicherweise bringt der 51-jährige Kosky deshalb jetzt das Gespräch auf die Übergangssituation. Im Haus wird man es aufmerksam verfolgen.

Sein Name hat längst Kultstatus bekommen

Die Komische Oper ganz ohne Barrie Kosky ist im Moment unvorstellbar. Sein Name hat längst Kultstatus bekommen, in seinen Premieren trifft sich, wer in der Berliner Kultur Rang und Namen hat. Er hat das kleinste der drei Berliner Opernhäuser zu einer schillernden Marke umgeformt, was ihm zu Beginn kaum einer zugetraut hat. In seinem Haus scheint alles zu funktionieren, ob Operette, Musical oder auch todernste Oper. Und wer die größten Erfolge seiner bisherigen Ära noch einmal Revue passieren lässt, wird darauf stoßen, dass sie überwiegend mit seinem Namen als Regisseur verbunden sind. Barrie Kosky ist im Moment Berlins populärster und prägendster Opernregisseur.

Bereits im Oktober 2013 wurde die Komische Oper mit ihrem Programm der ersten Spielzeit unter Kosky von der Fachzeitschrift „Opernwelt“ zum „Opernhaus des Jahres“ gewählt. Drei Jahre später wurde er zum „Regisseur des Jahres“ gewählt. Für internationale Furore hat seine „Meistersinger“-Inszenierung in Bayreuth gesorgt.

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