Film

In den wilden Weiten des Web: „Ralph reichts 2“

Disney bringt in der Fortsetzung von „Ralph reichts“ das Internet zum Leben. Und zeigt das ziemlich bunt und chaotisch.

Foto: Disney

Was Videospielfiguren machen, wenn die Arkadenhalle geschlossen ist, hat uns vor sechs Jahren Disneys Überraschungshit „Ralph reichts“ ein für alle Mal erklärt: Sie wechseln munter ihre Spiele und pflegen Freundschaften. Damals war es der Draufgänger Ralph, ein Hüne mit roter Latzhose und viel zu großen Händen, der gefangen im Computerspiel „Fix-It-Felix“ mit seinem ewigen Schicksal haderte, tagein, tagaus nur zerstören zu müssen, der übereifrig das Spiel wechselte und im Rennspiel „Sugar Rush“ Vanellope van Schweetz kennenlernte – eine junge Rennfahrerin mit Glitsch, einem Programmierfehler, der sie oft ins Abseits stellte.

Der Film war eine wunderbare Hommage an die guten alten 8-Bit-Zeiten, als man fürs Zocken noch Münzgeld brauchte. Was aber nun Videospielfiguren machen, wenn sie das erste Mal online gehen und sich in den Weiten des World Wide Web verlieren, damit spielt die Fortsetzung „Ralph reichts 2 – Chaos im Netz“.

Durch ein Missgeschick bricht das Lenkrad der Spielkonsole von „Sugar Rush“. Um dem endgültigen Tod durch Abschalten zu entgehen, beschließen Ralph und Vanellope, einmal quer durch den neu erworbenen Router online zu gehen und ihr Glück im Neuland Internet zu suchen. Genauer gesagt bei Ebay, einer Plattform, von der sie noch nie zuvor gehört haben. Wie staunende Kinder im Süßigkeitenladen stehen sie dann mit offenen Mündern da, vollkommen überfordert vom Überangebot im Netz, und ersteigern für viel zu viel Geld das gesuchte Lenkrad. Viel Geld, das sie nicht haben.

Die Regisseure Rich Moore und Phil Johnston bringen in „Ralph reichts 2“ das Internet zum Leben: eine riesige futuristische Metropole, als hätte bei „Blade Runner“ jemand das Licht angeknipst und einmal feucht durchgewischt. Egal ob Google, Ebay, Facebook, Youtube – hier als Buzztube –, Onlinespiele wie GTA, leicht verfremdet als Slaughter Race, oder sogar ein eigenes Disneyportal: Alle großen Onlineplayer sind vertreten, mit eigenem Haus, eigenem Branding und Logo. Das Internet ist ein chaotischer, wilder Ort, der mit Datenverkehr als fliegenden Fahrzeugen bespielt wird.#

Pop-up-Fenster, Adblocker, Autovervollständigung, Suchalgorithmen, Katzenvideos oder Clickbaiting – das Internet ist nicht nur liebevoll detailreich animiert, sondern hält den Spiegel vom eigenen Userverhalten vor. Es bringt auch das Schmutzigste des Menschen zum Vorschein, wie Ralph am eigenen Leib erfahren muss.

Der größte Clou des Films: Auf der Seite ohmydisney.com trifft Vanellope sämtliche Disney-Prinzessinnen der letzten 70 Jahre, von Schneewittchen über Pocahontas bis Vaiana, und diskutiert mit ihnen die Vor- und Nachteile des Prinzessinendaseins. Ein selbstironischer, fast schon bissiger Kommentar aufs hausinterne Frauenbild. Selbstreflexion in Zeiten von #metoo – und das in einem Animationsfilm! Bleibt am Ende die willkommene Erkenntnis: Egal ob Disney-Prinzessin oder Computerspielfigur – wir sind alle nur Menschen.

Animation USA 2018 113 min., von Rich Moore und Phil Johnston