Film

Ein Politiker, der über einen Sexskandal stürzt

Das Drama „Der Spitzenkandidat“ über den Fall Gary Hart ist solide, bleibt aber verhalten. Daran kann auch Hugh Jackman nichts ändern.

Foto: Sony / Sony Pictures

Politik kann ein schmutziges Geschäft sein. Dass sich Karrieren politischer Gegner mit harten Bandagen und inszenierten Intrigen zerstören lassen, gehört zu den ungeschriebenen Regeln im Ränkespiel um die Macht. Wie ein strahlender Sieger zum chancenlosen Verlierer werden kann, zeigt nun das Politdrama „Der Spitzenkandidat“ von Jason Reitman, ein so hochtouriges wie sperriges Dokumentarspiel, das von Senator Gary Hart handelt, der im US-Präsidentschaftswahlkampf 1988 Spitzenkandidat der Demokraten gegen George Bush Senior war – und an einem Sexskandal scheiterte.

Es ist ein sehr spezielles Kapitel der amerikanischen Geschichte, das Reitman hier mit Hugh Jackman in der Rolle des charismatischen Gary Hart ausbreitet. Hart, der bereits 1984 vergeblich kandidiert hatte, aber vier Jahre später erneut ins Rennen geht, gilt als kompetenter Politiker, der es versteht, auch schwierige Themen auf den Punkt zu bringen. Er sieht gut aus, hat Frau und Kinder, trennt strikt Privates und Öffentliches. Seine Anhänger sehen ihn als große Hoffnung für ein neues Amerika. „Mir ist noch nie jemand begegnet, der einem Politik so erklären kann, dass sie jeder versteht“, sagt sein Wahlkampfleiter Bill Dixon (J.K. Simmons) einmal.

Doch es gibt Gerüchte, dass Hart ein Verhältnis mit dem Model Donna Rice (Sara Paxton) haben soll. Fotos von einer Party auf einer Jacht tauchen auf. Die Medien, die in diesem Film gar nicht gut wegkommen, stürzen sich auf die bis heute nie bewiesene Affäre. Der Fall Gary Hart, so die These dieses Films, war der Wendepunkt zur Boulevardisierung der politischen Berichterstattung in den USA. Erstmals wurde das Privatleben eines Politikers so hemmungslos ans Licht gezerrt.

Es sind zwei „Miami-Herald“-Reporter (Steve Zissis und Bill Burr), die dem Politiker nachstellen, beschatten und beobachten, wie das Model den Politiker in seinem Stadthaus besucht. Sie haben die Story als erste. Eine mediale Schlacht wird geschlagen, an der sich alle großen Zeitungen und Sender beteiligen. Als der dem Medienrummel skeptisch gegenüber stehende „Washington Post“- Journalist A. J. Parker (Mamoudou Athie) in der Redaktion einmal feststellt: „Nur weil andere Blätter Klatsch verbreiten, heißt es noch lange nicht, dass wir es müssen“, antwortet ihm Chefredakteur Bradlee (Alfred Molina) kategorisch: „Doch, das heißt es.“ Hart versucht, die Enthüllungen auszusitzen. Aber seine Umfragewerte fallen rapide. Schließlich gibt er auf.

„Der Spitzenkandidat“ beginnt mit viel Tempo, langen Kamerafahrten und gut beobachteten Streiflichtern auf das Amerika der 80er-Jahre, verliert sich dann aber in einer Dramaturgie, die über weite Strecken allzu sachlich und distanziert daher kommt. Solides Kinohandwerk, das nicht wirklich zu fesseln vermag.

Politdrama USA 2018 112 min., von Jason Reitman, mit Hugh Jackman, Vera Farmiga, J.K. Simmons

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