Hauptrolle Berlin

Wie man einen ganz alten Film wieder ganz neu macht

In der Filmreihe im Zoo Palast erzählt Filmrestaurator Martin Koerber von seiner Sysiphos-Arbeit am Klassiker „Menschen am Sonntag“.

Filmrestaurator Martin Koerber (l.) mit Morgenpost-Redakteur Peter Zander im Zoo Palast

Filmrestaurator Martin Koerber (l.) mit Morgenpost-Redakteur Peter Zander im Zoo Palast

Foto: Massimo Rodari

Berlin. In der Filmreihe „Hauptrolle Berlin“, die die Berliner Morgenpost gemeinsam mit dem Zoo Palast veranstaltet, werden nicht nur genuine Berlin-Filme gezeigt, es sprechen auch immer Gäste, die am Film mitgewirkt haben, über die Entstehung des Films. Das ist im Fall von „Menschen am Sonntag“, der am Dienstag gezeigt wurde, nicht mehr möglich, ist der Stummfilmklassiker doch vor 90 Jahren entstanden. Einen Gast, der detailliert Auskunft geben konnte, gab es dennoch: Martin Koerber, den Leiter der Abteilung Audiovisuelle Medien in der Stiftung Deutsche Kinemathek, der den Film restauriert und dann auch digitalisiert hat. Weshalb der Film in brillanter Qualität zu sehen war.

Es gehört zum Los eines Restaurators, das er meist länger an einem Film sitzt als der Regisseur. Das war auch im Fall von „Menschen am Sonntag“ so. Von dem Film existierte gar keine deutsche Original-Kopie mehr. Aber in der Niederlande fand sich noch eine gut erhaltene Kopie in einem Filmclub in Amsterdam. Die konnte mit anderen Versionen, die noch in Mailand, Kopenhagen, Brüssel und Lausanne auftauchten, verglichen werden. Alle waren ungleichmäßig lang, alle nicht ganz vollständig, dafür fehlerhaft. Das alles zu vergleichen, zusammenzuführen und dann Bild für Bild zu restaurieren, war die Sisyphosarbeit von Martin Koerber. Da konnte man schon mal die Übersicht verlieren. Das ging nur mit einer Excel-Datei.

Bei dem Film, der in Berlin im Februar 1930 uraufgeführt wurde, waren lauter Film-Neulinge beteiligt, die schon bald Karriere in Hollywood machen sollten: RobertSiodmak, Billy Wilder, Fred Zinnemann, Edgar G. Ulmer und Eugen Schüfftan. Wer hat denn nun den größten Anteil am Film? „Das schwankt nach den Angaben“, so Koerber. Es gäbe fünf verschiedene Versionen, von jedem Filmemacher einer. Und jeder hat einen Hauptteil für sich reklamiert.

Als nächstes ist in der Filmreihe am 5. Februar der Defa-Film „Coming Out“ zu sehen, der 1989 am Tag des Mauerfalls ins Kino kam. Zu Gast ist dann Hauptdarsteller Matthias Freihof.