Berlin

Ein Berliner Star, der die Weltstars spielte

Schauspielerin Judy Winter feiert ihren 75. Geburtstag – und tritt bald wieder auf.

Judy Winter brillierte von 1998 bis 2018 im Renaissance Theater in dem Stück „Marlene“.

Judy Winter brillierte von 1998 bis 2018 im Renaissance Theater in dem Stück „Marlene“.

Foto: dpa Picture-Alliance / XAMAX / picture alliance / XAMAX

Schon mit Mitte 20 feierte Judy Winter Erfolge an Theatern in Bremen, Stuttgart und Ulm. Große Regisseure wie Peter Zadek, mit dem sie über mehrere Jahre auch privat verbunden war, gaben ihr früh anspruchsvolle Aufgaben. Die Hauptrolle in der 1971 uraufgeführten Verfilmung des Bestsellers „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ von Johannes Mario Simmel machte sie zum Kino-Star. Mit bemerkenswerten Auftritten in zahlreichen Spiel- und Fernsehfilmen und gewichtigen Theaterrollen hat Judy Winter ihren Ruhm bis heute erhalten. Am 4. Januar feiert sie ihren 75. Geburtstag. Zur Freude ihrer Fans hat sie für Anfang 2020 eine neue Rolle am Ernst Deutsch Theater in Hamburg angekündigt.

Geboren wurde Judy Winter am 4. Januar 1944 als Beate Richard in Friedland im damaligen Oberschlesien (heute Korfantów in Polen), als Tochter einer Tänzerin und eines Reserveoffiziers. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs ließ sich die Familie in Heidelberg nieder. Die Eltern unterstützten den Wunsch ihrer Tochter, beruflich in die Fußstapfen der Mutter zu treten. Doch sie war mit 1,74 Meter zu groß für eine Tänzerinnen-Laufbahn. Als 16-Jährige entschied sie sich für den Schauspielunterricht. Mit 17 kam das erste Engagement.

In dieser Zeit legte sie sich den Künstlernamen Judy Winter zu. Sie wählte ihn aus Verehrung für die Hollywood-Stars Judy Garland („Der Zauberer von Oz“) und Shelley Winters („Ein Platz an der Sonne“). Wie ihre Vorbilder ließ sie sich von Beginn ihrer Bühnenlaufbahn an nicht auf ein Genre oder Rollenfach festlegen. Ob Tragisches von Brecht über Shakespeare bis Tschechow oder Komödie und Musical: Judy Winter reihte Triumph an Triumph.

Regisseure des deutschen Kinos wurden rasch auf sie aufmerksam. Die beiden im Jahr 1971 herausgekommenen Simmel-Verfilmungen „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ und „Liebe ist nur ein Wort“ machten die junge Schauspielerin einem Millionenpublikum bekannt. Die weibliche Hauptrolle in dem sehr erfolgreichen Spielfilm „Der Lord von Barmbeck“ (1973) zeigte sie als brillante Charakterdarstellerin. Zahlreiche Fernsehfilme, etwa die legendäre „Tatort“-Folge „Reifezeugnis“ (1977), prägte Judy Winter mit ihrer unverwechselbaren Erscheinung.

Judy Winter erarbeitete sich einen persönlichen Stil, geprägt durch Eleganz, Intelligenz und Selbstironie. Egal ob sie zwielichtige Figuren verkörperte oder Unschuldsengel, immer blieb sich die Schauspielerin treu. Ihre gern auch zum Synchronisieren von Weltstars wie Jane Fonda und Shirley MacLaine genutzte Stimme wurde zu einem Markenzeichen: kernig, dabei die Skala von sanft bis rau beherrschend. Damit etablierte sie sich auch als Hörspielsprecherin und Sängerin.

Ihren größten künstlerischen Erfolg erlangte Judy Winter 1998 in Berlin am Renaissance Theater mit der Interpretation der Titelrolle im Theaterstück „Marlene“ der Engländerin Pam Gems. Im Part der alternden Diva Marlene Dietrich brillierte sie als Schauspielerin und Sängerin. Zudem kam das Stück ihrem speziellen Talent entgegen, ganz leise, scheinbar nebenbei, gesellschaftliche Probleme wie Rassismus und Rechtspopulismus zu beleuchten. Die Produktion war ein solcher Publikumsrenner, dass sich Judy Winter erst im Frühjahr diesen Jahres davon verabschiedet hat. Mit Weltstars kannte sie sich aus – so trat Judy Winter im Theater am Kurfürstendamm auch als Hildegard Knef auf .

Im Laufe ihrer Karriere bekam sie zahlreiche Auszeichnungen. So wurde sie in den Jahren 1990, 1999, 2000 und auch 2003 mit dem Goldenen Vorhang als beliebteste Schauspielerin in Berlin ausgezeichnet, 2013 wurde sie von der Deutsche Akademie für Fernsehen zur besten Schauspielerin gekürt.

Noch immer engagiert sich die Künstlerin aktiv in der Aids-Hilfe. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen initiierte sie Ende der 90er-Jahre die inzwischen jährlich stattfindende Gala „Berliner Künstler gegen Aids“. Dazu befragt, sagte sie einmal: „Wenn es mir gelingt, meine Popularität dafür zu nutzen, anderen zu helfen und obendrein vielleicht auch dafür zu sorgen, dass ein paar Vorurteile abgebaut werden, dann sehe ich das als meine Pflicht an.“ Im Jahr 2005 verlieh ihr der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) den Verdienstorden des Landes Berlin für ihr Engagement in der Aidshilfe, 2014 erhielt sie dafür das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Privat war Judy Winter der Erfolg nicht so treu wie beruflich. Die Verbindung mit dem Regie-Star Peter Zadek zerbrach nach sieben Jahren, ihre späteren Ehen mit dem Schauspieler Joachim Regelien und mit dem Musiker Rolf Kühn wurden geschieden. Als eine ihrer glücklichsten Beziehungen hat Judy Winter einmal die zu ihrem Adoptivsohn, dem Schauspieler und Autor Francis Winter (46), bezeichnet.