Mehringhof Theater

Angie bleibt – und die geballte Frauenpower

Alle Jahre wieder: der satirische Jahresrückblick im Mehringhof Theater. Ein Treffen mit Christoph Jungmann und Hannes Heesch.

Christoph Jungmann als Angela Merkel  (r.) und Hannes Heesch als Annegret Kramp-Karrenbauer. Auf der Kabarettbühne haben die beiden Potenzial und stoßen auf ihr neues Jahresendprogramm an.

Christoph Jungmann als Angela Merkel (r.) und Hannes Heesch als Annegret Kramp-Karrenbauer. Auf der Kabarettbühne haben die beiden Potenzial und stoßen auf ihr neues Jahresendprogramm an.

Foto: Reto Klar

Berlin. Ob Angela Merkel und Annegret Kramp-Karrenbauer politisch das neue Dreamteam der CDU sind, wird die Zukunft noch zeigen. Aber auf der Bühne haben Angie und AKK jetzt schon großes Potenzial. Finden zumindest Christoph Jungmann und Hannes Heesch. Die beiden müssen es wissen. Treten sie doch in diesem Jahr als neue christdemokratische Doppelspitze beim „Jahresendzeitprogramm 2018“ an, dem kabarettistischen Jahresrückblick im Mehringhof Theater. Mit dabei sind natürlich auch Horst Evers, Bov Bjerg und Manfred Maurenbrecher.

Die Revue ist Kult, aber die Erwartungen sind hoch

Das Team gibt insgesamt 47 Vorstellungen. Davon fünf in Kiel und Hamburg. Versprochen sind rund um die Top-Ereignisse der letzten zwölf Monate „rasiermesserscharfe Texte und perfekt durchchoreographierte Gesangseinlagen“. Erstere wird es mit Sicherheit geben, letztere dürften auf ewig Illusion bleiben. Neu ist diesmal definitiv die geballte Frauenpower mit hohem Spaß- und null Glamourfaktor. Denn optisch kommen Angie und AKK bodenständig daher. Christoph Jungmann wie gewohnt mit drahtigem Merkel-Pudel auf dem Kopf und pinkfarbenem Blazer zur schwarzen Hose. Eben ganz so wie die Kanzlerin. Die erwärmt sich immerhin für AKKs Bühnen-Outfit: „Schönes Kleid.“

Jungmann führt bereits im 22. Jahr als Angela Merkel durch die satirische Jahresbilanz. Vom berühmten Understatement der Kanzlerin allerdings keine Spur. Seine Angie ist resolut. Sie hat auch schon mal Polit-Prominenz wie den Bundespräsidenten von der Bühne komplimentiert, weil es ihr zu salbungsvoll oder einschläfernd wurde. Für Jungmann ist die Figur angelehnt an Angela Merkel. „Sie ist frecher und naiver, nicht so intellektuell“, sagt er.

Zwar mögen Merkels Tage als Regierungschefin endlich sein. Doch wie lange er seine Angie noch spielen wird, weiß Christoph Jungmann nicht. Dass sie in den nächsten drei Jahren – nach der Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur CDU-Vorsitzenden – abtreten wird, sei eher unwahrscheinlich. „Außerdem haben wir uns keine zeitliche Begrenzung für den Jahresrückblick gesetzt. Es macht uns noch viel Spaß. Auch, wenn die zwei, drei Tage vor der Premiere zu den härtesten des Jahres gehörten“, verrät der 56-Jährige. Was durchaus mit der hohen Erwartungshaltung der Zuschauer zusammenhängen dürfte. Schließlich ist die Revue längst Kult.

Auch die Künstler haben ihre Ansprüche ans eigene Programm über die Jahre eindeutig nach oben geschraubt. Auch wenn sie auf ihrer Facebook-Seite immer noch gern mit ihrem Anarcho-Image kokettieren: „Unser Programm soll natürlich wieder schön ungeprobt wirken, und dazu ist harte Arbeit nötig.“

Dafür ging es Anfang Dezember eine Woche in Klausur in die Uckermark. Zudem wird bis kurz vor der Premiere geprobt. „Im Gegensatz zu den ersten Programmen, die eher in der Tradition der Lesebühnen standen, sind die Rückblicke heute wesentlich strukturierter. Wir stecken jetzt viel mehr Zeit in die Vorbereitung und treffen uns schon im Sommer, um nach Themen zu suchen“, erzählt Jungmann. Und Hannes Heesch fügt hinzu: „Da kann man bereits einiges festklopfen. Einmalige Ereignisse wie die Fußball-Weltmeisterschaft. Oder das Treffen der beiden Wahnsinnigen – Donald Trump und Kim Jong-un. Auch ein Jahresthema.“

Donald Trump mit grenzdebilem Dauergrinsen

Hannes Heesch parodiert Donald Trump mit Haarteil und grenzdebilem Dauergrinsen übrigens bereits seit 2016. „Wir hatten eigentlich vor, nur eine schnelle Entertainment-Nummer zu bringen. Damals haben wir nicht daran geglaubt, dass Trump Kandidat der Republikaner und später Präsident wird. Seine Antrittsrede war einfach deprimierend. Es ist schwer, eine solche Figur zu geben, die permanent Tabus bricht“, gesteht Heesch. Immer mal wieder liegen beim Meister der politischen Parodie die Privatperson und der Bühnenmensch im Clinch. Friedrich Merz etwa als CDU-Vorsitzender hätte ihm überhaupt nicht gefallen. Den Kabarettisten in ihm macht er aber glücklich.

In diesem Jahr stehen die Parodien stärker im Vordergrund als in den letzten Jahren. Etwas schwächer vertreten sind die Berlin-Themen. Zwar wollte das Quintett ursprünglich das neue Buch von Klaus Wowereit ins Programm nehmen. Das flog jedoch wegen der Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer raus. „Es gibt aber genügend Lokalkolorit mit den Geschichten von Bov und Horst“, beruhigt Christoph Jungmann. Fündig geworden ist man aber vor allem bei der Innen- und Außenpolitik. „Wir begreifen uns auch als Chronisten“, sagt Hannes Heesch.

Für den 52-Jährigen ist auch die SPD ein Jahresthema: „Eine Tragödie, dass wir eine der beiden Volksparteien verloren haben“, konstatiert er. Der Abstieg der Sozialdemokraten ist für ihn aber auch eine Steilvorlage für zahlreiche Parodien. Die Freude darüber, dass er die alten SPD-Granden wieder einmal spielen darf, ist ihm anzusehen. Er hat sie schließlich alle drauf. Gerhard Schröder ebenso wie den verstorbenen Helmut Schmidt aus dem Jenseits. An Schröder würden sich die heute 20-Jährigen übrigens kaum noch erinnern, weiß Heesch. Er ist sich dennoch sicher, ganz verschwinden wird die SPD nicht: „Zumindest im Europaparlament gibt es keine Fünf-Prozent-Hürde.“

Mehringhof Theater, Gneisenaustr. 2a, Kreuzberg, 18.–21.12., 27.12.–1.1., 3.1.–6.1, Tel. 691 50 99, Komödie am Kurfürstendamm im Schillertheater, Bismarckstr. 110, Charlottenburg, 9.–12.3.1. , Tel. 88 59 11 88.