Ausstellung

Das Brücke-Museum zeigt Kunst von Ernst Ludwig Kirchner

Ernst Ludwig Kirchners Schweizer Jahre: Das Brücke-Museum präsentiert Meisterwerke aus der Sammlung E. W. Kornfeld.

Expressive Landschaft: „Wildboden im Schnee“ von Ernst Ludwig  Kirchner.

Expressive Landschaft: „Wildboden im Schnee“ von Ernst Ludwig Kirchner.

Foto: Ernst Ludwig Kirchner/Brücke-Museum

Dahlem. 1914 meldete sich Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938) freiwillig zum Militärdienst. Allerdings konnte er wegen körperlicher und psychischer Beschwerden noch nicht einmal die Grundausbildung beenden. Stattdessen folgten Sanatoriumsaufenthalte in Königstein im Taunus, in Berlin und ab 1917 im schweizerischen Davos. Gesundheitlich angeschlagen und durch Rauschmittel süchtig geworden, sehnte sich Kirchner nach Ruhe und Abgeschiedenheit. Diese fand er erstmals im Sommer dieses Jahres auf der Stafelalp.

Die neue Umgebung inspirierte Kirchner, während des Aufenthaltes dort schuf er vier Ölbilder, darunter das Gemälde „Stafelalp im Schnee“ in expressiven Farben und nervösem Strich, sowie zahlreiche Aquarelle und Zeichnungen und etliche Holzschnitte. Eine umfangreiche Holzschnittserie porträtiert den Arzt und seine Familie sowie die Pfleger, Patienten und Gäste im Sanatorium Bellevue in Kreuzlingen, wo Kirchner den Herbst verbrachte.

Auf den ersten Aufenthalt in der Schweiz folgten weitere, bis Kirchner 1922 endgültig seine Wohnung und sein Atelier in Berlin aufgab und sich mit seiner Lebensgefährtin Erna Schilling in der Nähe von Davos niederließ. Bis 1923 lebte er im Gut In den Lärchen, später im Haus auf dem Wildboden. Beide Häuser und die Umgebung sind immer wieder als Motiv auf seinen Bildern zu sehen.

Kunstwerke stammen aus der Sammlung E.W. Kornfeld

Diesen Schweizer Jahren Kirchners bis zu seinem Selbstmord 1938 widmet das Brücke-Museum in Dahlem eine umfassende Ausstellung. Die gezeigten Werke – Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafik – stammen fast alle aus der hochkarätigen Kirchner-Sammlung E. W. Kornfeld aus der Schweiz.

Eberhard W. Kornfeld, 1923 in Basel geboren, war als Kunsthändler tätig und gleichzeitig Wissenschaftler, Sammler und Künstlerfreund. Er war mit Picasso bekannt, mit Marc Chagall, Giacometti, Jean Tinguely und Niki de Saint Phalle befreundet. Kirchner kannte er nicht persönlich, beschäftigt sich aber seit sieben Jahrzehnten mit dessen Leben und Wirken.

Seine Leidenschaft für den ehemaligen Brücke-Künstler führte zum Aufbau einer der bedeutendsten Sammlungen in Privatbesitz. Kornfeld interessieren nicht nur die Kunstwerke, sondern auch Skizzenbücher, Korrespondenzen und von Kirchner gestaltete Einrichtungsgegenstände. Selbst die beiden Häuser des Künstlers in der Schweiz hat Kornfeld erworben. In der Schau sind deshalb auch Bücher, Dokumente, von Kirchner gestaltete Schmuckstücke, geschnitzte Stühle, ja sogar eine von Kirchner mit Motiven versehene Kaffeemühle zu sehen.

Bisher im Brücke-Museum vernachlässigt: Kirchners Spätwerk in der Schweiz

„Als Brücke-Museum wollen wir auch kunstgeschichtlich bisher eher vernachlässigte Perioden im Werk der Brücke-Künstler beleuchten wie in diesem Falle Kirchners Spätwerk in der Schweiz“, sagt Direktorin Lisa Marei Schmidt. Die Schweizer Idylle erhielt Sprünge, als Kirchner die Auswirkungen der völkischen Kulturpolitik der Nationalsozialisten zu spüren bekam. 1937 wurde er aus der Preußischen Akademie der Künste ausgeschlossen, 639 seiner Werke wurden im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“ beschlagnahmt.

Als die Nazis 1938 Österreich okkupierten, bekam Kirchner Panik vor einem neuerlichen Krieg. Er zerstörte Druckstöcke, Skulpturen und Gemälde. Am 15. Juni 1938 nahm er sich das Leben – er schoss sich ins Herz. Letzte Bilder aus dieser Zeit sind die Bleistiftzeichnung „Selbstbildnis mit Katze“ und das Gemälde „Schafherde“ mit gelben Schafen auf einer Alm – es stand zuletzt auf seiner Staffelei.

Brücke-Museum, Bussardsteig 9, tägl. außer Di. 11–17 Uhr, bis 31. März, Tel. 831 20 29.

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