200. Geburtstag

Theodor Fontane 2.0 - die Neuentdeckung eines Klassikers

Zum 200. Geburtstag entdeckt Brandenburg den Schriftsteller als sehr modernen Autor neu.

Fontane-Denkmal in Neuruppin

Fontane-Denkmal in Neuruppin

Foto: akg-images / picture alliance / akg-images

Potsdam.  Da sitzt er, der alte Mann, am Schreibtisch und schreibt seine Bücher. „Effi Briest“, „Stechlin“ und „Irrungen, Wirrungen“. Er gilt als bedeutendster Schriftsteller Brandenburgs. Im kommenden Jahr feiert das Land den 200. Geburtstag des Chronisten mit einem Fontane-Jahr. Schon seit drei Jahren laufen die Planungen für das Ereignis, es wird mehr als 150 Veranstaltungen und Ausstellungen geben, Konzerte, Workshops und einen internationalen Kongress.

„Theodor Fontane ist einer der wichtigsten deutschen Schriftsteller und trägt mit seinem Werk bis heute wesentlich zur Identitätsbildung im Land bei“, sagte Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD) am Montag bei der Vorstellung des Programms, das vom 30. März an bis zum 200. Geburtstag Fontanes am 30. Dezember dauern wird. Mit seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ habe Fontane das Bild Brandenburgs bis heute geprägt.

Dabei war Fontane sich selbst nicht so sicher: Warum, so schrieb er, sollte man eigentlich die Mark Brandenburg besuchen? „Die Antwort ist nicht leicht“, beantwortete er sich die Frage gleich selbst. Der Besucher müsse schon ein wenig Liebe zu Land und Leuten mitbringen und eine Vorliebe für das Nichtspektakuläre. Dennoch reiste Fontane bekanntlich fleißig durch das Land und dokumentierte seine Erlebnisse in den vier Bänden der Wanderungen.

Im kommenden Jahr soll der märkische Landesdichter nun neu entdeckt werden. Hajo Cornel, Projektkoordinator des Fontane-Jahrs, wartete dabei sogleich mit einer Überraschung auf: „Fontane wanderte nicht“, sagte Cornel. Im Gegenteil: Der Dichter habe sich sogar in seinem Tagebuch darüber beschwert, wenn er mal laufen musste, weil zum Beispiel seine Kutsche nicht weiterkam.

Überhaupt sei Fontane ein viel modernerer Mensch gewesen, als das Bild vom alten Mann mit dem Backenbart vermittle. „Er reiste gern mit der Bahn und lebte vier Jahre lang in London, damals der modernsten Stadt Europas“, sagt Cornel. Viel gebe es über den schriftstellernden Apotheker aus Neuruppin zu entdecken. So zum Beispiel, dass er 40 Jahre lang als Journalist tätig war, Rezensionen und politische Betrachtungen schrieb – und so Material für sein literarisches Werk anhäufte.

Mit der Arbeitsweise Fontanes befasst sich im kommenden Jahr auch ein Forschungsprojekt des Fontane-Archivs der Uni Potsdam. Höhepunkt bildet ein Kongress zum Thema „Fontanes Medien“, auf dem Wissenschaftler aus der ganzen Welt ihre Erkenntnisse vorstellen. Der Leiter des Fontane-Archivs, Peer Trilcke, hat damit bereits angefangen. Die Wissenschaftler des Archivs werten Fontanes Werke mithilfe digitaler Algorithmen aus und erstellen grafische Darstellungen daraus. „Wir setzen dem Klassiker Fontane einen sehr modernen Autor entgegen“, sagt auch Kurt Winkler, Geschäftsführer der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte in Potsdam.

Das 19. Jahrhundert war demnach mit der Elektrifizierung und Industrialisierung ähnlichen Umwälzungen unterworfen, wie sie die heutige Welt mit der Digitalisierung erlebt, sind sich die Organisatoren des Fontane-Jahrs sicher. Es gehe nicht nur um eine Würdigung des Autors, sondern auch darum, ihn im Spiegel des 21. Jahrhunderts neu zu entdecken. Im Zentrum des Jubiläumsjahrs steht die Fontane-Dauerausstellung in Neuruppin. Darüber hinaus werden in seiner Geburtsstadt die Fontane-Festspiele an elf Tagen stattfinden, mit zahlreichen Konzerten, Kunstaktionen und Tanzvorstellungen. Insgesamt lässt sich allein die Stadt Neuruppin das Jubiläumsjahr 2,3 Millionen Euro kosten, das Land Brandenburg steuert fast 1,9 Millionen Euro bei.

Ein zweiter Schwerpunkt der Feierlichkeiten wird in Potsdam liegen. Eine Ausstellung im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte am Neuen Markt wird sich damit beschäftigen, wie Fontane reisend und schreibend mit den Wanderungen durch die Mark Brandenburg das Bild des Landes erfand. Berlin, das in den letzten Jahrzehnten den Lebensmittelpunkt Fontanes darstellte, beteiligt sich mit einer Fotoausstellung im Märkischen Museum an den Feierlichkeiten.

Das Programm des Jubiläumsjahrs ist unter der Internetadresse www.fontane-200.de abrufbar.

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