Konzert

MGMT zeigen in Berlin: Sie sind düsterer geworden

Die Band MGMT bringt ihre Fans in der Columbiahalle zum Tanzen. Der Electro-Indie-Sound zieht, aber die Euphorie verfliegt zeitweise.

MGMT-Sänger und Gitarrist Andrew VanWyngarden auf der Bühne (Archivbild)

MGMT-Sänger und Gitarrist Andrew VanWyngarden auf der Bühne (Archivbild)

Foto: PA/dpa/Keystone/Laurent Gillieron

Ansteckendes Gelächter breitet sich im Publikum aus. Hinter den Musikern von MGMT läuft ein Aerobic-Video mit Retro-Charme, während Sänger und Gitarrist Andrew VanWyngarden auf einem Hometrainer strampelt und dazu Saft aus einem Weinglas trinkt. Passend zur Szene spielt die Band ihren Song „She Works Out Too Much“.

Die gelöste Stimmung ist bezeichnend für das Konzert der New Yorker Band am Sonntagabend. Fünf Jahre mussten deren Fans auf neue Musik warten, jetzt endlich sind MGMT mit der Tour zu ihrem aktuellen Album „Little Dark Age“ unterwegs. Nach einer so langen Wartezeit sind die Erwartungen naturgemäß hoch, sicher einer der Gründe dafür, dass das Konzert vom Astra Kulturhaus in die Columbiahalle hochverlegt wurde.

Ihre Mischung aus psychedelischen Elektroklängen und synthielastigem Indie-Rock spielen MGMT an diesem Abend in einer Kulisse aus Zimmerpflanzen und griechischen Säulen. Zudem schaut ein gelber aufblasbarer Clownskopf, der auch auf dem Cover ihres aktuellen Albums zu sehen ist, vom linken Bühnenrand aus ins Publikum.

Nach der Euphorie gibt es einen Durchhänger

Mit den Liedern des neuen Albums erzielen MGMT live auf jeden Fall die gewünschte Wirkung. Vor allem „When You Die“ und „Me and Michael“ bringen das Publikum zum Tanzen, und das obwohl die neuen Songs viel düsterer sind als die bisherigen Nummern der Band. New Wave und Gothic ergeben zusammen mit dem üblichen Synthie-Pop eine interessante und tanzbare Mischung. Dazu laufen verzerrte florale Muster über eine Leinwand im Hintergrund.

Zur Freude der Fans streut die Band von Beginn an ihre ganz großen Hits ein. Schon als drittes Lied spielen sie „Time to Pretend“ von ihrem ersten und erfolgreichsten Album „Oracular Spectacular“. Und gegen die Stimmung, die dabei aufbrandet, kommen auch die beliebten Songs des aktuellen Albums nicht an. Niemand kann jetzt noch die Beine stillhalten, überall schmeißen Fans lachend ihre Köpfe in den Nacken und werfen tanzend ihre Hände in die Luft.

Nach der anfänglichen Euphorie gibt es jedoch zwischenzeitlich einen kleinen Durchhänger. Als sich der Applaus nach einem Song vom zweiten Album der Band „Congratulations“ in Grenzen hält, fordert VanWyngarden seine Bandkollegen dazu auf, mit ihm die Stille zu genießen. Das lassen sich die Fans natürlich nicht gefallen und antworten mit lautem Jubelgeschrei. VanWyngardens Versuch, die Stimmung vor dem Absinken zu bewahren, ist somit geglückt, und er kommentiert die Schreie der Fans mit den Worten: „Was glaubt ihr, was das hier ist? Ein Rock-Konzert?“

Nach "Kids" klingt der Abend angenehm aus

Nachdem die Stimmung gerettet ist, geht es mit einigen alten Hits weiter. Neben „Electric Feels“ sorgt vor allem der Song „Kids“ kurz vor Schluss dafür, dass die Fans beim Tanzen noch einmal alles geben. Dazu leuchtet auf der Leinwand ein buntes Feuerwerk, das der Stimmung im Saal zu diesem Zeitpunkt durchaus entspricht.

Wenig später kauert sich Ben Goldwasser während der Zugabe für „When You’re Small“ an einen weißen Miniatur-Flügel. Noch während die Band spielt, wird auf der Bühne die Luft aus dem gelben Clownskopf gelassen. Der Kopf beginnt zu schrumpfen und fällt schließlich in sich zusammen, während die letzten Synthesizer-Akkorde durch die Halle geschickt werden. Zwar schaffen die Musiker es nicht, die Anfangs-Euphorie am Schluss noch einmal wiederzubeleben, doch dafür lassen sie den Abend mit einigen ruhigen Songs sehr angenehm ausklingen.