Konzert im Admiralspalast

Holofernes spielt ihren Charme an der Grenze zur Naivität

Im Admiralspalast kann Sängerin Judith Holofernes sich auf ein treues Publikum verlassen. Ein Heimspiel für die Kreuzbergerin.

Judith Holofernes (Archivbild)

Judith Holofernes (Archivbild)

Foto: dpa/ picture alliance / dpa/ picture alliance/DPA

Wir sind Helden sind Geschichte, doch Frontfrau Judith Holofernes macht seit Jahren solo weiter. Nach ihrem Album „Ein leichtes Schwert“ brachte sie im vergangenen Jahr die Platte „Ich bin das Chaos“ heraus. Damit ist sie nach wie vor auf Tournee und kam am Montagabend in den Admiralspalast. Zwar ist der Montag für konzertierende Popmusiker stets der undankbarste Wochentag, doch die Kreuzbergerin konnte sich auf ein treues Publikum verlassen. Schon beim zweiten Song wurde frenetisch mitgeklatscht und im stuhllosen Parkett des Theatersaals ordentlich einer draufgemacht.

Das im aktuellen Albumtitel angedeutete Chaos passt gut zum Image der etwas hibbeligen und unangepassten Songschreiberin. Allerdings ist von Chaos weder auf der Bühne noch in den Songs etwas zu spüren. Ganz im Gegenteil, und das ist durchaus als Kompliment gemeint. Holofernes perfektioniert weiter, was sie am besten kann. Gut strukturierte, sauber produzierte Poprocksongs, die runtergehen wie Öl. Die Zusammenarbeit mit ihrem „Kumpel“, wie sie sagt, dem dänischen Songwriter Teitur, hat das offensichtlich noch befördert.

Musikalisch ist die „Müßig-Gang“ jedenfalls bestens aufgestellt und mit zwei weiteren Frauen an Percussion, Keyboards und Blasinstrumenten lobenswerter Weise paritätisch besetzt - das hat in der Popbranche immer noch Seltenheitswert. Vom schmachtend gehauchten Backgroundgesang über Bläsersalven, Steelguitar-Soli oder Jack-Johnson-Feeling bis zu gehickhacktem Elektropunk und breiten Soundwalls wird alles sehr gekonnt umgesetzt.

Die Bühne ist spartanisch-kompakt; die Musiker stehen im Halbrund und Holofernes im Zentrum. Unter einem unscheinbaren schwarzen Kleid trägt sie pinkschwarz geringelte Leggins und darüber eine scheußliche, mintgrün glitzernde Jacke. So „Neunziger“ ist das Outfit, dass es wohl als hipper Berlin-Style durchgehen muss. Holofernes ist ja ein Kind der Neunziger, selbst wenn sie in den sogenannten Nullerjahren berühmt wurde und mit den Helden nach den Sternen griff.

„Freude, schöner Götterfunken / Tochter, mach' dein Physikum!"

Für das Intro, dem außerdem noch ein Countrysong vorangestellt wird, muss Beethoven herhalten. „Oder an die Freude“ heißt der Titel in Anlehnung an den Klassiker und schon blitzt das auf, was Holofernes zu einem ihrer Markenzeichen gemacht hat: Eine etwas seichte Kapitalismuskritik, in der sich eigentlich alle wiederfinden können. „Freude, schöner Götterfunken / Tochter, mach' dein Physikum! / Wir betreten feuertrunken / Eigenheim, oh Eigentum!“.

Zu grundsätzlich wird es nie, das würde ein Vorzeigeprodukt der durchkommerzialisierten Popindustrie wie Holofernes nur in Erklärungsnöte bringen. Sie ist einfach die burschikose Sympathieträgerin, eine bei Ansagen zwischen den Songs mitunter fast quakige Göre, die ihren Mädchencharme ausspielt, immer hart an der Grenze zur Naivität.

Eventuell passt das nur noch bedingt zu der 42-jährigen Mutter, die inzwischen auch Gedichte schreibt. Aber der Show tut es keinen Abbruch. Mit „Nichtsnutz“ und dem fetzigen Elektropunk „Danke, ich hab schon“ heizt Holofernes gleich zu Beginn den Saal auf und in der Folge gibt sie dem Affen beständig Zucker bzw. dem Publikum Hits wie „Hasenherz“, „Sara, sag was“, „Die Konkurrenz“ oder „Ist das so“. Das meiste übrigens gar nicht vom letzten Album.