Konzert in Berlin

Jeff Goldblum im Admiralspalast - So schön kann Jazz sein

Schauspieler Jeff Golblum spielt seiner Kindheit Jazz. In Berlin gibt er ein tiefeentspanntes Konzert mit Special Guest Till Brönner.

Jeff Goldblum ist ein ausgezeichneter Jazzpianist

Jeff Goldblum ist ein ausgezeichneter Jazzpianist

Foto: Pari Dukovic

Berlin.  Punkt 19.30 Uhr gehen die Türen im Admiralspalast auf - und Hollywood ist schon da. Leinwand-Star Jeff Golblum steht vor der Bühne und unterhält sich mit seinen Fans, als sei es das Normalste überhaupt. Dabei kennt man den Schauspieler aus Blockbustern wie „Independence Day“ und „Jurassic Park“. Dass er hier in einer halben Stunde ein Konzert gibt, schert ihn nicht im Mindesten. Er redet über Gott und die Welt, aber auch über Politik. US-Präsident Donald Trump kommt dabei nicht gut weg. So viel sei gesagt. Wofür es schon mal einen ersten, begeisterten Applaus gibt.

Um kurz vor acht verrät der charmante, 1,94 Meter große Goldblum: „Keine Ahnung, was ich heute Abend mache. Ich habe keine Setlist.“ Seine fünfköpfige Band, The Mildred Snitzer Orchestra, benannt nach einer Freundin der Familie Goldblum, erscheint Schlag acht völlig unaufgeregt. Auch Goldblum setzt sich an den Flügel. Seit seiner Kindheit spielt er Jazz am Klavier. Er legt los mit Charles Mingus, erweist sich als exzellenter Pianist. Doch er ist nicht der einzige Star auf der Bühne. Als Special Guest mit dabei ist kein Geringerer als Till Brönner, sein Lieblingsinstrument, das Flügelhorn, im Anschlag. Der momentan sicherlich beste Trompeter der Welt spielt auch auf Jeff Goldblums soeben erschienenen Debütalbum „The Capitol Studio Sessions“ mit.

Später begrüßt Goldblum auch noch die irische Sängerin Imelda May. Ein absoluter Höhepunkt ist das von ihr gesungene „Straighten Up And Fly Right“. Mit ihrer großartigen, wandelbaren Stimme vereint sie dabei Jazz und Blues.

Zwischen den ungeheuer lässigen Improvisationen sucht Jeff Goldblum aber auch immer wieder den Kontakt mit dem Publikum. Er hat nämlich umgangssprachliche deutsche Redewendungen von den Zuschauern zusammentragen lassen. Wie etwa „Kein Schwein war da“ oder „Das ist mir Wurst“. Letzteres übersetzt er sehr frei mit „That's sausage to me“ ins Englische. Zuweilen leistet ihm Till Brönner Schützenhilfe bei der Aussprache oder Übersetzung, wenn er sich nicht gerade vor lauter Lachen wegwirft.

Der intensivste Moment des Abends gelingt den beiden mit dem berühmten „It never entered my mind“, 1940 komponiert von Richard Rodgers für das Musical „Higher and Higher“. Brönner spielt diese irrwitzigen Läufe, rasanten Triller und phänomenalen Töne, die wohl nur er so dem Instrument entlocken kann. Goldblum antwortet fantastisch mit tiefenentspannten Pianoklängen. Das sensationelle, musikalische Zwiegespräch mündet in herzlicher Umarmung der beiden. So schön kann Jazz sein.