Fernsehen

"Babylon Berlin": Quote ist nicht mehr das Maß aller Dinge

„Babylon Berlin“ haben im Schnitt fünf Millionen Zuschauer im Fernsehen gesehen. Online aber hat die Serie sämtliche Rekorde gebrochen.

Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) und Gereon Rath (Volker Bruch).

Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) und Gereon Rath (Volker Bruch).

Foto: Frédéric Batier / dpa

Berlin. Mit einem Knall endete am Donnerstagabend die zweite Staffel von „Babylon Berlin“, als Peter Kurth sich mit einem ganzen Zugabteil in die Luft sprengte. Für die ARD war die Ausnahme-Serie auch sonst ein Knaller. Die letzten zwei Episoden haben 3,62 Millionen Zuschauer gesehen. Seit dem sensationellen Start mit 7,83 Millionen Zuschauer war die Quote zwar Woche um Woche gesunken: ein Verlust um mehr als die Hälfte. Und den Tagessieg konnte zuletzt immer das ZDF mit einem Konkurrenzdrama gewinnen. Weshalb einige Kritiker schon höhnen, dass der Erfolg von „Babylon Berlin“ ja doch eher mäßig und es ein Fehler gewesen sei, die Serie vor einem Jahr schon vorab auf dem Bezahlsender Sky gezeigt zu haben.

Aber das ist natürlich nur die halbe Wahrheit. 4,92 Millionen sahen die 16 Folgen im Schnitt. Aber zeitgleich hat die Serie in der ARD-Mediathek alle Rekorde gebrochen. Über zehn Millionen Mal ist die Serie dort abgerufen worden. Und dabei sind weitere Abrufe über mobile Apps oder die Nutzung über Smart TV/HbbTV noch nicht mal abgebildet. Würde man all dies noch dazurechnen, käme man auf eine Prognose von etwa 19 Millionen Abrufen. „Babylon Berlin“ ist damit mit Abstand die erfolgreichste ARD-Serie im Netz.

Im Fernsehen ein Flop, aber online top? Auch dieser Vergleich hinkt. Die Zahlen machen vor allem eines deutlich: Die Nutzung des Fernsehens hat sich radikal verändert. Die Zuschauer richten ihr Leben nicht mehr nach dem Fernsehprogramm aus, sie schauen es, wenn sie Lust darauf haben. Das heißt also auch: Viele Interessierte könnten bei den ersten Folgen noch traditionell ferngesehen haben, haben die späteren Folgen aber auf anderen Kanälen verfolgt.

„Babylon Berlin“ belegt damit vor allem eins: Die Quote ist derzeit nicht mehr das Maß aller Dinge. Weil die Nutzung von Mediatheken dort noch nicht enthalten ist. Das sollte eigentlich seit Herbst möglich sein, doch die Technik hinkt hinterher. Anfang 2019 soll das besser werden, doch auch dann wird man erst mal nur zeitverzögert einen ungefähren Wert errechnen können. Für Christine Strobl, die Geschäftsführerin der „ARD Degeto“, ist das „eine unglaublich missliche Situation, dass wir über eine Serie, von der wir wissen, wie gut sie im klassischen Fernsehen angenommen wird, so wenige Erkenntnisse haben, wie, wann und von wem sie im nonlinearen Bereich genutzt wird.“

Strobl stellt aber auch klar, dass die ARD mit der rein linearen Ausstrahlung mehr als zufrieden ist und alle Erwartungen weit übertroffen wurden. „Die Serie“, so ihr Fazit, „hat ein Alleinstellungsmerkmal, das man derzeit mit keinem anderen Format im deutschen Fernsehen vergleichen kann.“ Dass sich auch die TV-Oberen nicht mehr nur von der Quote leiten lassen, zeigt der Fakt, dass die Dreharbeiten zur dritten Staffel längst begonnen haben.

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