Interview

Jeff Goldblum: „Ich bin ein Spätzünder“

Als Schauspieler kennt ihn jeder. Jetzt stellt sich Jeff Goldblum als Jazz-Pianist vor - auch in Berlin.

Jeff Goldblum spielt in der Graham Norton Show der BBC Piano. Dabei entstand die Idee zu einem eigenen Album.

Jeff Goldblum spielt in der Graham Norton Show der BBC Piano. Dabei entstand die Idee zu einem eigenen Album.

Foto: dpa Picture-Alliance / Matt Crossick / picture alliance / empics

Jeff Goldblum als Schauspieler? Seit mehr als drei Jahrzehnten ist er in Filmen wie „Jurassic Park“, „Independence Day“ oder „Die Fliege“ ein vertrauter und erfreulicher Anblick. Jeff Goldblum als Jazz-Pianist? Das ist neu. Aber ebenfalls ein Gewinn. Mit seiner Band The Mildred Snitzer Orchestra, mit der Goldblum fast wöchentlich in einem kleinen Club in Los Angeles auftritt, hat der 66-Jährige das Jazz-Standard-Album „The Capitol Studios Sessions“ eingespielt. Wir haben das Multitalent in London getroffen.

Mr. Goldblum, ist die Frage gestattet, weshalb Sie jetzt plötzlich ein Album aufgenommen haben?

Jeff Goldblum: Oh, ich bin selbst ganz erstaunt. Die ganze Geschichte kam über Gregory Porter zustande, diesen wundervollen Jazzsänger. Vor etwa einem Jahr lernten wir uns in England bei einer TV-Sendung kennen, der „Graham Norton Show“. Er war dort mit seinem Nat-King-Cole-Album, ich machte Werbung für den Film „Thor: Ragnarok“. Aber dann fragten die Leute der BBC, die wussten, dass ich gern spiele, ob ich nicht Lust hätte, Gregory beim Song „Mona Lisa“ am Piano zu begleiten. Ich sagte: „Klar.“ Wir spielten also das Stück in der Show. Und das brachte die Leute seines Labels auf die Idee, ein Album mit mir zu machen. Wir haben dann mit Larry Klein einen fantastischen Produzenten gewonnen.

Till Brönner spielt auf einigen Stücken Trompete. Wie kam es dazu?

Larry Klein hat ihn mitgebracht, die beiden haben früher schon zusammengearbeitet, auf Tills Album „Rio“ vor zehn Jahren. Auch die Sängerinnen Imelda May und Haley Reinhart kamen über Larry, ich selbst fragte dann noch Sarah Silverman, die mit Till auf „Me And My Shadow“ zu hören ist. Ansonsten war es meine übliche Band, mit der ich die Aufnahmen gemacht habe.

Sie spielen schon lange zusammen.

Ja, seit vielen Jahren. Das läuft gut. Wir verkaufen das „Rockwell“ in Los Feliz jedes Mal aus; und das Publikum scheint sehr glücklich zu sein. Unsere kleinen Konzerte sind ziemlich populär, das darf man wohl ohne falsche Bescheidenheit festhalten. Dennoch ist es auch schön, rauszukommen und auf Tournee zu gehen. Wir werden im November einige Abende in London spielen, dann in Paris und Berlin. Und wer weiß, was noch alles kommt.

Was verbinden Sie mit Berlin?

Ich liebe die Stadt. Ich war manches Mal bei der Berlinale, zuletzt in diesem Jahr mit „Isle Of Dogs“, Dieter (der Festivalchef Dieter Kosslick, d. Red.) war immer extrem nett zu mir. Ich habe in Berlin sogar mal einen Film gedreht, ich komme immer wieder gern.

Ein Album aufzunehmen, ist das ein langgehegter Traum von Ihnen?

Nein, das kann ich wirklich nicht behaupten. Ich hatte mir schon gar nicht in den Kopf gesetzt, eines Tages in den „Capitol Studios“ ein Live-Album einzuspielen, so vermessen wäre ich nie gewesen. Seit Kindertagen hatte ich indes immer diesen verrückten, aber in meinem Kopf vollkommen klaren Plan, ein Schauspieler zu werden. Mit 17 zog ich nach New York, dort fing das an mit der Schauspielerei, ich trat am Broadway in Musicals und Theaterstücken auf und drehte meine ersten Filme. Dennoch war immer dort, wo ich lebte, auch ein Piano.

Wie haben Sie den Jazz für sich entdeckt?

Ich weiß es gar nicht. Ich erinnere mich jedoch, dass immer, wenn ich etwas Jazziges hörte, etwas in meinem Körper vor sich ging, eine wohlige Reaktion (lacht). Als mein Musiklehrer es endlich aufgegeben hatte, mir klassische Stücke beizubringen und mir stattdessen Jazz zum Lernen gab, brachte mich das richtig in Wallung.

Hätte es auch passieren können, dass Sie gar nicht Schauspieler, sondern professioneller Musiker geworden wären?

Voll und ganz. In all diesen kreativen Jobs ist die Wahrscheinlichkeit ja nicht sehr hoch, dass du deinen Lebensunterhalt damit verdienen kannst; und hätte ich gleich gute Engagements als Pianist in New York bekommen, wäre das durchaus möglich gewesen. Aber ich war zu meiner eigenen Überraschung ziemlich schnell drin in dieser Film- und Bühnenwelt und hatte für die Musik nicht mehr so viel Zeit.

Die 66 sieht man Ihnen nicht an. Irgendwie wirken Sie, je älter Sie werden, desto jünger. Gibt es da ein Geheimrezept?

Ich versuche, nicht zu spät ins Bett zu gehen, aber ich werde schon noch früh genug in mich zusammenfallen. Aber es ist wahr: Ich fühle mich momentan wirklich großartig. Ich denke, ich bin ein Spätzünder. Ich spiele heute mit 66 besser Musik als je zuvor, und auch als Schauspieler gefalle ich mir immer besser. Ich halte es für entscheidend, sich permanent weiterzuentwickeln, an sich zu arbeiten, Neues zu lernen. Gerade als Künstler bist du nie fertig.

Ist das gerade die beste Zeit Ihres Lebens?

Ja, ich glaube schon. So kommt es mir zumindest vor. Und das nicht nur bei der Arbeit. Ich bin glücklich verheiratet, seit sieben Jahren bin ich zusammen mit Emilie. Ich hatte zuvor keine Kinder, aber jetzt kam vor drei Jahren unser erster Sohn Charlie ­Ocean und vor 18 Monaten unser zweiter Sohn River Joe. Plötzlich Vater zu sein, war ein echtes Erweckungserlebnis für mich. Die Kinder haben so viel Licht, so viel Freude in mein Dasein gebracht, ich kann wirklich nur die Welt umarmen. Alles ist einfach super zurzeit.

Das Album: „The Capitol Studios Sessions“ (Decca) ab 9. November im Handel.
Das Konzert: Admiralspalast, 21. November, 20 Uhr. Kartentel.: 22 06 80 007.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.