Hauptrolle Berlin

Thomas Brussig schuf seinen Hit aus Wut auf sich selbst

In unserer Filmreihe „Hauptrolle Berlin“ sprach der Autor über den Film „Helden wie wir“ und dass ihn erst mal keiner machen wollte.

Bestseller-Autor Thomas Brussig mit Morgenpost-Redakteur Peter Zander

Bestseller-Autor Thomas Brussig mit Morgenpost-Redakteur Peter Zander

Foto: Jörg Krauthöfer

Kommenden Freitag jährt sich zum 29. Mal der Fall der Mauer. Deshalb wurde gestern Abend im Zoo Palast in der Filmreihe „Hauptrolle Berlin“ noch einmal „Helden wie wir“ gezeigt: der Film, der am 9. November 1999 zum damals Zehnjährigen dieses epochalen Datums ins Kino kam. Zu Gast war Thomas Brussig, der nicht nur das Drehbuch, sondern auch schon die Romanvorlage geschrieben hat. A

ls das Buch 1995 auf den Markt kam, wurde es von der Kritik gefeiert als der Wenderoman, auf den alle gewartet hatten. Dabei, gibt Brussig zu, war sein Buch ja kein solcher, eher eine Satire darauf. Und vor allem eine Reaktion aus Wut. Wut, so der Autor, über die eigene Feigheit, Trägheit und Verblendung. Feigheit und Verblendung, nichts selber unternommen zu haben gegen die DDR, und Trägheit, weil auch Brussig sich nicht früher hingesetzt hatte, um darüber zu schreiben.

Auch die Verfilmung, gesteht er gleich, war keinesfalls gedacht als Beitrag zum Zehnjährigen. Sie hätte viel früher gemacht werden sollen. Nur dachten damals viele Filmfinanziers, mit DDR-Themen würde man niemanden ins Kino bringen. Und obwohl sich Brussig dann selbst an das Drehbuch setzte, wollte erst kein Regisseur mitmachen.

Nico Hofmann, Detlev Buck und andere haben abgewunken. Man ging auf die Suche nach Filmemachern aus dem Osten. Bis Wolfgang Kohlhaase, der große Drehbuchautor der Defa, meinte, Regie könne keiner aus dem Osten führen, weil der immer biografisch darauf festgelegt würde. Die Regie müsste jemand aus dem Westen übernehmen, weil er ästhetisch darauf antworten würde. Schließlich machte sich Sebastian Peterson daran.

So war ungewollt das Jahr 1999 das Filmjahr von Thomas Brussig. Weil er mit dem Theaterregisseur Leander Haußmann den Film „Sonnenallee“ konzipierte, der mit ironischem Augenzwinkern zum 40. Jahrestag der damals real schon nicht mehr existierenden DDR startete. Und nur einen Monat später „Helden wie wir“. Zwei Filme, die sich auf ganz unterschiedliche, aber beide auf sehr satirische Weise mit der DDR auseinandersetzten. Und erstmals zeigten, dass man über die DDR auch lachen könnte. Was sich bis dahin keiner getraut hatte.

Als nächstes wird in der Reihe, die die Berliner Morgenpost gemeinsam mit dem Zoo Palast immer am ersten Dienstag im Monat veranstaltet, „Fabian“ gezeigt, eine Erich-Kästner-Verfilmung von Wolf Gremm. Zu Gast ist dann die Berliner Filmproduzentin Regina Ziegler.

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