Konzertkritik

George Ezra begeistert mit kraftvoller Stimme

Beim Konzert in der Verti Music Hall erzählt der Singer-Songwriter aus Bristol viele Geschichten und vereint die Generationen.

Die Atmosphäre stimmt: George Ezra live in der Verti Music Hall.

Die Atmosphäre stimmt: George Ezra live in der Verti Music Hall.

Foto: DAVIDS/Christina Kratsch

Berlin. Ein abgeklärter Bühnenauftritt und eine warme Baritonstimme, zwei Attribute, die man eher erfahrenen Musikern in späten Schaffensphasen zuschreibt als einem 25-Jährigen, doch George Ezra ist in diesem Fall die Ausnahme von der Regel. Der Singer-Songwriter aus Bristol führt am Freitagabend in der Verti Music Hall durch ein Konzert, das zwar unaufgeregt, dafür jedoch so angenehm ist wie sein Gesang.

Das Konzert, das wie die gesamte Tour im Namen seines aktuellen Albums „Staying at Tamara's“ steht, ist vor allem ein Familien-Event, bei dem vom Rentner-Ehepaar bis zum Grundschulkind in elterlicher Begleitung alle Altersklassen vertreten sind. Dabei wird einigen Gästen schon zu Beginn die sparsame Beleuchtung der Treppen zwischen den Rängen der frisch eröffneten Halle zum Verhängnis. Jede dritte Stufe ist hier unbeleuchtet, was mehrere Leute ins Stolpern bringt und sogar einige Stürze verursacht, von denen zum Glück keiner mit einer ernsthaften Verletzung endet.

Viele Geschichten zu den Liedern

Von der widrigen Treppensituation abgesehen, scheint es für die meisten Leute ein großartiger Abend zu sein, an dem es auch viele Besucher auf den Rängen immer wieder zum Tanzen von ihren Sitzen reißt. Zumindest wenn George Ezra nicht gerade eine seiner Anekdoten erzählt. Denn Ezra leitet viele seiner Lieder mit kurzen Geschichten zu deren Entstehung ein.

Die Idee zu seinem Song „Pretty Shining People“ habe er zum Beispiel in einem öffentlichen Garten an einem Berghang bei Barcelona bekommen. Und „Paradise“ habe er zunächst mit seinem Handy im Tourbus aufgenommen, als er während einer Amerikareise erkrankt sei. Diese kleinen Geschichten trägt er jedes Mal so wohltuend mit seiner dunklen Erzählstimme vor, dass er getrost auch Hörbücher aufnehmen könnte, falls es mit der Musik mal irgendwann schlechter laufen sollte.

Ezras Stimme ist es auch, die den musikalischen Teil des Konzerts bestimmt. Mit viel Ausdruck trägt er seine Lieder vor. Umso ärgerlicher ist es, dass der Klang der restlichen Band, zu der auch zwei Bläser gehören, zwischendurch überladen wirkt und Ezras kraftvollen Gesang fast untergehen lässt. Darum sind vor allem die ruhigeren Nummern hörenswert, so zum Beispiel der Song „Hold My Girl“, bei dem Ezra mit einer Akustikgitarre stimmungsvoll in blauem Scheinwerferlicht steht.

Beim zweiten Refrain kommt richtig Stimmung auf

Doch auch die energiegeladenen und tanzbaren Nummern wie „Blame It on Me“ erzielen ihre Wirkung. Obwohl richtige Stimmung häufig erst beim zweiten Refrain aufkommt, wenn alle Gäste einen Teil des Liedes auf Video festgehalten und ihre Handys wieder eingesteckt haben.

Auch für seinen Erfolgshit „Budapest“, den er als letzten Song vor der Zugabe spielt, hat Ezra eine Anekdote parat. Er erzählt von einer Reise nach Schweden, von wo aus er eigentlich in die ungarische Hauptstadt habe weiterreisen wollen. Allerdings sei ihm der Eurovision Song Contest dazwischen gekommen, der in diesem Jahr in Malmö stattgefunden hatte. Um die Ausstrahlung des Wettbewerbs zu ertragen, habe er von einem Fremden im Park eine Flasche Rum gekauft, deren Konsum ihn dann die Weiterreise nach Budapest kostete.

Seinen Abend aus Erzählungen und eindrucksvollem Gesang beendet der Musiker mit dem Song „Shotgun“. „Bei diesem Song fordern wir das Publikum immer auf, noch ein letztes Mal an diesem Abend Party mit uns zu machen“, sagt Ezra, und natürlich folgen die Fans dieser Aufforderung und feiern den reiselustigen Sänger mit der behaglichen Stimme noch ein letztes Mal, bevor in der Verti Music Hall wieder Ruhe einkehrt.

Vorherige Acts von George Ezra in Berlin:

Schlafzimmerblick und Schmollmund im Huxley’s

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