Kultur

„Nacht bis Acht“ unterhält Kinder in der Deutschen Oper

Ein rätselhafter Traum, kunstvoll inszeniert: Die Produktion in der Tischlerei begeistert Zuschauer ab sechs Jahren.

Bildgewaltige Szenen, oft rätselhaft, aber immer unterhaltsam: "Nacht bis Acht".

Bildgewaltige Szenen, oft rätselhaft, aber immer unterhaltsam: "Nacht bis Acht".

Foto: Deutsche Oper / EIKE WALKENHORST

Berlin. „Nacht bis Acht“ ist sicherlich eine der mutigsten Produktionen für Kinder ab sechs Jahren, welche die Tischlerei der Deutschen Oper in ihrer mittlerweile mehrjährigen Existenz gezeigt hat. Dass hier wenig in klassisch-philologischem Sinne, und sei es mithilfe eines Programmhefts, verstanden werden kann, dürfte vor allem Erwachsene stören. Die Kinder stört das nicht.

Zu Beginn klaut die Elster – Tänzer Ziv Frenkel – die Acht von der Wanduhr. Der Auftritt des Uhrmachers – der zurückhaltende Schlagzeuger Alexandros Giovanos – mit seinen subtil bedienten Instrumenten auf einem surrealistischen Fahrgestell ist der Beginn eines 45-minütigen Traums der Hauptperson Fedora in ihrem Kinderbett. Um die Mitte der dunklen Bühne sitzt das Publikum in Gruppen herum – Sitzgruppen, die den vielseitig verwendbaren Raum der Tischlerei großzügig nutzen, ebenso wie die konzentriert an einem Punkt aufgetürmte Band (Musikalische Leitung: Elda Laro).

Eine künstlerisch veredelte Zirkusvorstellung

Der Traum ist nur der Rahmen der sich überstürzenden Ereignisse, und die sind so konkret und zugleich schwerlich in einen Zusammenhang zu bringen, wie man es eben nur aus seinen Träumen kennt. Da sind neben Fedora (die junge Sopranistin Meechot Marrero) und ihrer Elster das absurd streitende Zwillingspaar Maurice und Maurice (verkörpert von den Sängerinnen Amber Fasquelle und Maiju Vaahtoluoto) sowie Thomas Lehman als „Sonnenträger“ mit goldfarbenem Wasserball in der Hand, der sich ob der wegfallenden Stunde Acht in der Zeit für den Sonnenaufgang geirrt hat.

Nur fügen Kinder dieses rätselhafte Erlebte, zumal es extensiv von der mal rhythmischen, mal sphärischen Musik des Komponisten François Sarhan durchwirkt ist, ganz sicher nicht mit Gewalt zu einem logischen Handlungsablauf zusammen. Tatsächlich bleiben die am Ende auftauchenden strengen Sherrifs in Erinnerung, die eine „Kopfkissenkontrolle“ verlangen sowie eine Taxidrehorgel, die die bunte Truppe des Stücks nach Berlin zurückbringt – aus New York, wo man gemeinsam die Acht von der Uhr gesucht hat, wenn der Kritiker und sein genau im verlangten Alter befindliches Testkind das richtig verstanden haben.

Aber „Verstehen“ ist hier nicht angesagt. Man kann das Ganze auch als künstlerisch veredelte musikalische Zirkusvorstellung begreifen, Komponist Sarhan sieht sich in der Tradition des französischen Surrealismus. Den Kindern gefällt’s.

Tischlerei der Deutschen Oper, Richard-Wagner-Straße. Weitere Vorstellungen: 8., 10., 13., 14., 18., 19., 20., 21.10.

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