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Serien-Hit

Was macht "Babylon Berlin" eigentlich so erfolgreich?

Die Serie zeigt ein Berlin, das die Zuschauer so noch nicht zu sehen bekommen haben.

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Berlin. Sie wird jetzt schon als „Serie des Jahres“ bezeichnet – und als eine der besten, die aus Deutschland stammen. Bei der Erstausstrahlung der ersten drei Folgen am Sonntag in der ARD kam „Babylon Berlin“ auf 7,83 Millionen Zuschauer (und einem Marktanteil von 24,5 Prozent). Ein sensationeller Erfolg, vor allem, wenn man bedenkt, dass viele Fans die Serie ja schon vor einem Jahr auf Sky TV gesehen haben – oder vor zwei Wochen in zahlreichen Städten als Wochenendmarathon im Kino. Würde man die alle dazuzählen, käme man auf eine noch weit stärkere Quote. Volker Herres, der Programmdirektor der ARD, kann sich also zufrieden zurücklehnen, stieß doch die Tatsache, dass hier erstmals eine öffentlich-rechtliche Anstalt mit einem Pay-TV-Sender kooperierte, auf heftige Kritik.

"Babylon Berlin" ist handwerklich sehr gut gemacht

Aber was macht den Reiz dieser Serie, die am heutigen Donnerstag fortgesetzt wird, aus? Dass alles, was im deutschen Film Rang und Namen hat, hier mitspielt, mag seinen Teil dazu beitragen. Ebenso wie der höchst prominente Ausstrahlungstermin der ersten Folgen zum sonntäglichen „Tatort“-Sendeplatz. Vor allem aber ist die Serie von Tom Tykwer, Henk Handloegten und Achim von Borries, das merkt man ihr von der ersten Szene an, handwerklich außerordentlich gut gemacht. Man sieht da jeden Euro, der in der 40 Millionen Euro teuren TV-Produktion ausgegeben wurde.

Ein Teil des Erfolgs machen natürlich auch die historischen Berlin-Krimis von Volker Kutscher aus, auf denen die Serie basiert und die allesamt Bestseller sind. Hinter den vordergründigen Kriminalfällen legt Kutscher mit langem epischen Atem ein umfassendes Bild der Weimarer Republik an, in dem die Krise der noch jungen Republik und der aufkommende Rechtsruck immer spürbarer werden. Die Serie verstärkt diesen Aspekt sogar noch und stellt sie über die Krimihandlung. Wobei die Parallelen zur heutigen Zeit evident sind, was die vermeintlich so historische Serie beklemmend aktuell macht.

Endlich kann man die Zwanzigerjahre erleben

Einer der größten Schauwerte von „Babylon Berlin“ ist aber wohl der, dass man hier das Berlin der Zwanzigerjahre erleben kann. Das ist bislang noch nie gelungen. Daran etwa ist noch jede Verfilmung von Döblins epochalem Roman „Berlin Alexanderplatz“ gescheitert, nicht nur die alte Kinoversion von 1932, auch die Fernsehserie von Rainer Werner Fassbinder, die auch mal die aufwendigste ihrer Zeit war.

Gleich in der ersten Folge von „Babylon Berlin“ aber fuhr man mit der Tram auf den Alex, durfte den Platz erst aus der Vogelperspektive und dann als großes Rundumpanorama erleben. Und davon leben auch die anderen Folgen: Dass hier alle Schichten und Kieze des historischen Berlins zu sehen sind, die Villen der Reichen im Grunewald wie die schäbigen Arbeiterviertel in Wedding, die Vergnügungsorte wie das legendäre „Moka­ Efti“ oder das Strandbad Wannsee. Und die Straßenschlacht vom „blutigen Mai“ 1929, in der die Arbeiter am Hermannplatz niedergeknüppelt wurden.

Schon gibt es erste Diskussionen im Netz, dass nicht jedes Gebäude damals schon an der Ecke stand, an der es zu sehen ist. Oder dass da mit historischen Figuren Geschichtsfälschung betrieben werde. Spielverderber, möchte man solchen Kritikern entgegenhalten. Einen historisch perfekten Ausstattungsfilm wird es trotz aller Akribie wohl nie geben. Und dann bleibt der Hauptstrang der Serie ja gleichwohl Fiktion. Aber auch diese Debatten zeigen eigentlich nur, wie sehr die Serie ganz offensichtlich die Gemüter bewegt. Und zur Auseinandersetzung mit der Historie anregt.

Babylon Berlin, Folgen vier bis sechs.
Heute, 20.15 Uhr, ARD

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