Kultur

Berliner „Tatort“: Wenn Roboter morden

Der neue „Tatort“ aus Berlin handelt von künstlicher Intelligenz daheim und auf der Straße.

Die Kommissare Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) landen in einem Entwicklungs-Center für künstliche Intelligenz

Die Kommissare Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) landen in einem Entwicklungs-Center für künstliche Intelligenz

Foto: Conny Klein / dpa

Berlin. Kaffeeautomat und Coffee to go gehören längst zu unserem Alltag. Warum nicht beides verbinden? Mit einem Automaten, der auch noch wie ein Barista den richtigen Schaum kredenzt und den Konsumenten mit „Was kann ich für dich tun?“ anspricht. In „Tiere der Großstadt“, dem neuen Berlin-„Tatort“, steht so ein Gerät an prominenter Stelle, die auch jeder Tourist kennt: am Kurfürstendamm vor dem gleichnamigen U-Bahnhof. Als ein paar Jugendliche des Nachts dieses „Robista-Café“ nutzen wollen, amüsieren sie sich nicht nur über den sprechenden Automaten. Sie finden am Boden der kleinen Bude einen Toten. Und zücken das Handy. Aber nicht etwa, um die Polizei zu rufen. Sondern um ein Selfie zu machen. Mit der Leiche.

Die notorisch unausgeschlafenen Kommissare Rubin (Meret Becker) und Karow (Mark Waschke) müssen sich in dieser Folge nicht nur mit zynischen Jugendlichen befassen, sondern vor allem mit künstlicher Intelligenz. Und müssen dabei ernsthaft der Frage nachgehen, ob auch Roboter töten können. Denn Überwachungskameras zeigen, dass während der Tatzeit außer dem Toten kein Mensch am Tatort war. Dem Betreiber des „Robista-Cafés“ wurde aber just die Metallnadel, die sonst baristamäßig das Herz in den Kaffeeschaum zeichnet, in den Hinterkopf gerammt. Da betritt der „Tatort“ mal wieder fast Science-Fiction-Pfade. Man mag sich an Stanley Kubricks Klassiker „2001 – Odyssee im Weltraum“ erinnern, in dem der Computer HAL 9000 seine Raumschiff-Besatzung willentlich in den Tod trieb.

Die Ermittlungen führen die Kommissare in ein Entwicklungs-Center für künstliche Intelligenz. Danach denkt man vielleicht ganz anders über die derzeit grassierende, fast blinde Technik- und Roboter-Begeisterung nach. Vor allem Karow, der in dieser Folge auch so einen an „Alexa“ erinnernden virtuellen Assistenten in seiner Wohnung hat, der seinen Haushalt regelt und mit weiblicher Stimme mit ihm kommuniziert.

Als hätten der Krimi-versierte Regisseur Roland Suso Richter und seine Drehbuchautorin Beate Langmaack diesem technik-kritischen Plot nicht ganz getraut, gibt es in diesem Fall aber einen zweiten Plot, in dem es noch ganz analog um eine Frau geht, die vom nächtlichen Joggen im Wald nicht zurückkehrt. Wieder findet eine junge Technikbegeisterte, in diesem Fall eine Bloggerin (Stefanie Stappenbeck), die Leiche. War es Mord oder ein wildes Tier? Zumal auch Kommissarin Rubin beim morgendlichen Joggen am See plötzlich vor einem Wildschwein steht. Und eine andere Wildsau gleich zu Beginn des Krimis über den Kudamm wieselt. Die Tiere findet man, wie der Titel schon sagt, nicht nur in freier Natur, sie haben sich längst in der Stadt angesiedelt.

Im Obduktionssaal liegen beide Leichen nebeneinander. Und als Zuschauer erwartet man lange, dass die beiden Fälle irgendwie miteinander zu tun haben. Sie laufen aber nur parallel. Und führen dazu, dass die beiden Kommissare, die stets mehr gegen- denn miteinander arbeiten, sich hier derart entzweien, dass jeder einen eigenen Fall löst. Wenn das so weitergeht, müsste das so starke Ermittler-Paar aus der Hauptstadt irgendwann ganz auseinanderbrechen. Das ist nicht zu hoffen. Vielleicht sollten sie mal zusammen einen Kaffee trinken gehen. Aber besser in einem Café, in dem noch echte Menschen bedienen.

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